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Militärexperte warnt bei "Markus Lanz": "Mit der Angst vor der Apokalypse kann man hier sehr gut spielen"

Der anhaltende Angriffskrieg in der Ukraine sowie die hitzigen Debatten um das Heizungsgesetz verunsichern die deutsche Bevölkerung. Bei "Markus Lanz" warnte Militärexperte Carlo Masala vor den Folgen politischer Hetz-Kampagnen, während FDP-Politiker Konstantin Kuhle versuchte, sich zu verteidigen.

Gegen die Angstmache: Militärexperte Carlo Masala forderte am Dienstagabend bei Markus Lanz eine verantwortungsvolle politische Kommunikation. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
Gegen die Angstmache: Militärexperte Carlo Masala forderte am Dienstagabend bei Markus Lanz eine verantwortungsvolle politische Kommunikation. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Die Ampelkoalition hat am Dienstag (13. Juni) eine Einigung beim Heizungsgesetz erzielen können. Demnach vereinbarten die beteiligten Parteien unter anderem, dass das viel diskutierte Gebäudeenergiegesetz an das geplante Gesetz zur kommunalen Wärmeplanung gekoppelt werden soll. Das Gesetz soll noch in dieser Woche zu einer ersten Lesung in den Bundestag eingebracht werden und könnte demnach noch bis zur Sommerpause verabschiedet werden. Bei "Markus Lanz" sprach FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle am Dienstagabend über den Erfolg. Er geriet jedoch mit dem ZDF-Moderator und den übrigen Gästen aneinander, als es um die deutsche Debattenkultur ging.

FDP: Vom "Tiger zur Luftpumpe"?

Markus Lanz stichelte zunächst mit Blick auf den politisch "denkwürdigen Tag" gegen die FDP und sagte: "Wie gefährlich ist es, als Tiger gegen die Wärmepumpe zu starten und als Luftpumpe zu enden?" Konstantin Kuhle ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und konterte: "Drei unterschiedliche Parteien ringen miteinander und jetzt hat man einen Entwurf, mit dem man in die erste Lesung gehen kann. Da wird's dann noch Veränderungen geben." Gleichzeitig merkte er an, dass künftig auch auf Wasserstoff und Heizen mit Holz gesetzt werden könne und es keinen Wärmepumpen-Zwang gebe: "Die Menschen können sich sicher sein: Das Gesetz von Robert Habeck wird so nicht kommen."

FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle musste sich am Dienstagabend bei Markus Lanz für die teils heftige Wortwahl seiner Partei in der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz verteidigen. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
FDP-Fraktionsvize Konstantin Kuhle musste sich am Dienstagabend bei Markus Lanz für die teils heftige Wortwahl seiner Partei in der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz verteidigen. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Dies brachte Markus Lanz auf die immer wiederkehrenden politischen Sticheleien gegen Robert Habeck und das geplante Gebäudeenergiegesetz. Auch Journalist Veit Medick nannte die Heizungsdebatte "eine reine Vertrauens-Vernichtungsmaschine innerhalb der Ampelkoalition" und ergänzte verärgert in Richtung Kuhle: "Ihre Partei hat eine Kampagne innerhalb der eigenen Koalition gegen dieses Gesetz gemacht."

Neurowissenschaftlerin: "Jedes negative Wort in einer Überschrift führt zu 2,3 Prozent mehr Klicks"

Die Kritik wollte der FDP-Mann nicht so einfach auf sich sitzen lassen und konterte: "Dass jetzt jede Form von Streit und jede Form von Auseinandersetzung in der Koalition als Zerstörung der politischen Kultur dargestellt wird, das stimmt nun auch nicht." Dennoch stellte Lanz klar, dass Aussagen wie "Heiz-Ideologie" und "Heiz-Hammer" zu einer steigenden Verunsicherung im Land führe. Neurowissenschaftlerin Maren Urner warnte in dem Zusammenhang vor dem Einfluss der Medien und erklärte, dass "jedes negative Wort in einer Überschrift" zu "2,3 Prozent mehr Klicks" führe. Veit Medick gab daraufhin zu, dass es in den Medien durchaus "eine Neigung zur Überspitzung" und "zur Aggressions-Berichterstattung" gebe. Der Grund? "Wir leben von solchen Überschriften."

Mit Angst kann man Geld verdienen: Negative Überschriften bringen Medien mehr Klicks, stellte Neurowissenschaftlerin Maren Urner fest. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
Mit Angst kann man Geld verdienen: Negative Überschriften bringen Medien mehr Klicks, stellte Neurowissenschaftlerin Maren Urner fest. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Deutschland im "

Daraufhin schaltete sich Militärexperte Carlo Masala in die Diskussion ein und fügte hinzu: "Wir befinden uns in ganz, ganz vielen Themen in der Bundesrepublik Deutschland in so einer Art Vor-Trumpismus, wo nicht mehr über die Sache geredet wird, sondern die Sache skandalisiert wird." Der Experte weiter: "Mit der Angst vor der Apokalypse, vor dem Wohlstandsverlust, kann man hier sehr gut spielen." Umso wichtiger sei laut Masala eine "verantwortungsvolle Kommunikation". Auch Maren Urner bezeugte im Gespräch mit Lanz einen allgemeinen Anstieg in der Emotion "Wut, Angst und Ekel". Was derweil gesunken sei, sei die Neutralität.

"Stern"-Journalist Veit Medick kritisierte die Rolle der FDP in der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
"Stern"-Journalist Veit Medick kritisierte die Rolle der FDP in der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Carlo Masala über den Krieg in der Ukraine: "Das wird noch blutiger werden"

Militärexperte Carlo Masala zog daraufhin Vergleiche mit der russischen Propaganda, die ebenfalls seit Beginn des Angriffskrieges in der Ukraine mit "der deutschen Angst" spiele. Masala erklärte: "In Deutschland hat diese Frage der Nuklearwaffen eine besondere Bedeutung." Masala warnte zwar bei "Markus Lanz", dass wir uns in einer Phase befinden, in der "man einfach sagen muss, dass nuklear wieder aufgerüstet wird". Der Experte sah darin aber keinen Grund für einen drohenden Nuklear-Krieg. Sein Credo: "Durchatmen. Der wird so nicht kommen." Dennoch prognostizierte Carlo Masala einen lang andauernden Krieg in der Ukraine und erklärte: "Ich würde mich auf eine längere Offensive der Ukraine einstellen." Er warnte weiter: "Das kann noch sehr lange dauern. (...) Das wird noch blutiger werden."

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