Nach Mord an Shinzo Abe: Japan verneigt sich vor Ex-Regierungschef und geht wählen

Überschattet von dem Attentat auf den ehemaligen japanischen Regierungschef Shinzo Abe hat Japan ein neues Oberhaus gewählt.

In der Parteizentale der Liberaldemokratischen LDP, der Abe viele Jahre vorstand, bat Ministerpräsident Fumio Kishida um eine Schweigeminute, bevor er die ersten Ergebnisse bekannt gab.

Demnach konnte seine Regierungskoalition ihre Mehrheit in der zweiten Kammer des Parlaments klar behaupten und auf mehr als 63 der 125 zur Wahl stehenden Sitze kommen.

Tausende Menschen legen Blumen nieder

Der tragische Tod Abes, der bei einem Wahlauftritt für die LDP auf offener Straße erschossen wurde, bewegte offenbar noch mehr Menschen dazu, seiner Partei die Stimme zu geben, als erwartet.

Auch am Sonntag legten Tausende Menschen am Anschlagsort in der Stadt Nara im Westen des Landes Blumen nieder. Der Schock sitzt tief. Niemals hätte sie sich etwas Derartiges vorstellen können, sagt Frau, die mit ihrer Familie dem Ermordeten ihr erweist.

Ihr Mann fügt hinzu, sie seien extra mit ihren beiden Töchter hierhergekommen, um ihnen zu zeigen, wie wichtig Politik und Demokratie seien. Er würde sich wünschen, dass sie sich später dafür interessieren.

Ebenfalls am Wahlsonntag wurde der 41 Jahre alte Attentäter der Staatsanwaltschaft überstellt. Laut Medienberichten soll er womöglich aus Hass auf eine religiöse Gruppierung gehandelt haben, die Abe angeblich unterstützte. Am Montag findet eine Totenwache für Abe und am Dienstag die Bestattung im Kreis engster Angehöriger statt.

LDP will Verfassungsänderung und starke Erhöhung der Militärausgaben

Der erwartete Wahlsieg dürfte die Machtposition Kishidas, der erst seit neun Monaten amtiert, in einer Zeit stärken, in der Japans wirtschaftliche Erholung von der Corona-Pandemie durch steigende Energie- und Lebensmittelpreise bedroht ist. Angesichts der russischen Invasion in der Ukraine und des Machtstrebens Chinas will seine Partei LDP zudem eine starke Erhöhung der Militärausgaben. Regulär stehen erst in drei Jahren wieder nationale Wahlen an.

Nach der Wahl könnte die Debatte um die von der LDP seit langem angestrebte Änderung der pazifistischen Nachkriegsverfassung wieder an Fahrt gewinnen.

Es zeichnete sich ab, dass das Lager der Befürworter einer Verfassungsänderung auch nach der Oberhauswahl auf die hierfür in beiden Kammern nötige Zweidrittel-Mehrheit kommt. Neben den Koalitionsparteien befürworten auch die oppositionelle Democratic Party for the People und die konservative Nippon Ishin eine Änderung. Die größte Oppositionspartei, die Konstitutionelle Demokratische Partei, musste derweil am Sonntag Verluste befürchten.

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