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Die nächste deutsche Hoffnung für die NBA

Die nächste deutsche Hoffnung für die NBA
Die nächste deutsche Hoffnung für die NBA

„Maodo Lo ist der nächste deutsche Spieler in der NBA.“ Mit diesen markigen Worten wollte Dennis Schröder nach dem Auftaktsieg gegen Frankreich bei der Heim-EM 2022 seinem Guard-Partner sicherlich Respekt zollen, schließlich hatte Lo beim 76:63-Erfolg Ende des dritten Viertels übernommen und dem DBB-Team zum entscheidenden Lauf verholfen. Doch Schröder hat damit auch ein ganz interessantes Gedankenspiel losgetreten.

Denn Lo ist bis heute nicht in der NBA gelandet, und bei seinem Status als 31-Jähriger mit leider nicht wenig Verletzungspech darf zumindest angezweifelt werden, dass ihm dies noch gelingt. Wer wird dann der nächste deutsche NBA-Spieler?

Wer ist der nächste Deutsche in der NBA?

Und welchen Weg schlägt dieser ein? Da gab es zuletzt Flügelspieler wie Louis Olinde oder Karim Jallow, die es in den vergangenen Sommern in der NBA Summer League versucht haben. Da ist mit Joshua Obiesie ein Combo-Guard, der mit einem Vertrag beim G-League-Team Rio Grande Valley Vipers auf einen „Call-Up“ der Houston Rockets hofft. Und dann gibt es natürlich immer die College-Akteure, wie aktuell Tristan da Silva, der sich Chancen ausrechnen darf, in diesem Jahr in der ersten Draft-Runde gezogen zu werden.

Wäre da nicht ein Achillessehnenriss während der Vorbereitung auf die Saison 2022/23 gewesen, die Frage hätte sich vielleicht schon beantwortet: mit den Namen Ariel Hukporti. Der 21-jährige Center spielte bis zuletzt aber weder bei einem BBL-Team samt europäischem Wettbewerb noch in den USA, egal ob NBA-Entwicklungsliga oder NCAA, sondern in Australien. Im BBL-Saisonfinale, das vermeldete der Klub am 1. April, verstärkt Hukporti seinen Ex-Klub: Die MHP Riesen Ludwigsburg.

Ein Basketball-Star in Australien

Als Schröder bei der Heim-EM Lo hochleben lässt, ist Ariel Hukporti bereits ein Star. Nein, hier soll kein Nachwuchstalent gehypt werden, der Center hat vielmehr seine erste Spielzeit in der australischen Liga NBL absolviert – bei Melbourne United als Teil des sogenannten „Next Stars Program“ der Liga. Mit diesem Programm will die NBL Nachwuchstalente aus aller Welt zu sich lotsen und sie zu NBA-Spielern formen, jene Akteure erhalten ihr Gehalt dabei von der Liga, nicht von dem Klub, für den sie auflaufen. Seitdem das Programm zur Saison 2018/19 eingeführt worden ist, sind acht Spieler daraus im NBA-Draft gezogen worden, mit LaMelo Ball, Josh Giddey und R.J. Hampton als bekannteste Namen.

Warum hat sich mit Ariel Hukporti seit der Saison 2021/22 nun ein deutsches Nachwuchstalent dem Programm angeschlossen? „Die Liga kann mir helfen, das nächste Level zu erreichen, die NBL bereitet dich auf die NBA vor“, setzt Hukporti im Gespräch mit BIG kurz vor Playoff-Start ein klares Ziel. „NBA-Scouts kommen häufig hierher, um sich Spiele anzusehen und loben die Entwicklung der Liga.“

In gewisser Hinsicht mag das Programm auch ein Konkurrenzprodukt zur NBA sein, die in ihrer Entwicklungsliga G-League zwei Jahre später das Ignite-Team installiert hat. Und doch sagt John Patrick der BIG: „Ich denke, die NBA fühlt sich wohl damit, dass die australische Liga mehr der NBA ähnelt.“ Denn mit einem ähnlichen Spielstil, und das unter professionellen Bedingungen, mag Nachwuchsspielern der Übergang in die US-Liga leichter fallen, wovon letztlich auch die NBA profitiert.

Peyton Siva glaubt im Gespräch mit BIG ebenfalls, dass die NBL Hukporti gut auf die NBA vorbereitet hat, „aufgrund des Stils und der hohen Pace, dem ständigen Hin und Her und den vielen Pick‘n‘Rolls. Sein Spielstil mitsamt seiner Athletik passt besser zur australischen Liga.“ Siva lief in den letzten beiden Jahren seiner Karriere für die New Zealand Breakers und Illawara Hawks selbst in der NBL auf. Wie schnell es in Australien zur Sache geht?

Zum Vergleich: In der aktuellen BBL-Saison führt Tübigen die Liga bei der Pace mit 79,7 Ballbesitzen pro Spiel an. Mit diesem Wert würden die Tigers in der zehn Mannschaften umfassenden NBL nur den drittletzten Platz einnehmen, der Ligabestwert liegt bei 81,7 Ballbesitzen.

Hukporti genießt Zeit in Australien

John Patrick kennt Ariel Hukporti nicht nur aus gemeinsamen Ludwigsburger Zeiten, der US-amerikanische Trainer ist ein Fachmann des globalen Basketball-Markts, aktuell als Headcoach des japanischen Erstligisten Chiba Jets. Da die japanische Liga mit der NBL kooperiert, habe sich Patrick auch schon mit dem Chef der australischen Liga Jeremy Loelinger ausgetauscht und erklärt: „Das Next Stars Programm ist für junge Spieler wie ein Schaukasten, in dem sie sich präsentieren können. Für Spieler, die die NBA vor Augen und das Potential eines NBA-Athleten haben, ist das eine gute Option – und sie promoten das auch gut.“

Das nimmt auch Hukporti in seinen drei Jahren in Australien wahr. Der Center hebt das Marketing der Liga heraus: „Wenn du den Fernseher einschaltest, kannst du dir immer Spiele ansehen, in Deutschland hast du das nicht. Sie haben es auch geschafft, dass ESPN vor Ort über die Liga berichtet.“ Überhaupt hat es Hukporti angetan, wie man in Melbourne den Event-Charakter lebt: „Hier hast du die Formel 1, du kannst Tennis verfolgen, die NHL hat zwei Vorbereitungsspiele absolviert.“ Tennis spiele Hukporti selbst nun noch häufiger, das Talent dazu hat er von seiner Mutter geerbt.

Tennis ist auch gutes Stichwort für Hukportis Basketballer-Leben. Denn dort, wo die Australian Open stattfinden, trägt Melbourne United seine Heimspiele aus – in dieser Saison ist in der 10 500 Zuschauer fassenden John Cain Arena einmal auch das Dach eingefahren worden, Hukporti spielt unter freiem Himmel.

„Das war eine coole Erfahrung. Eine große Umstellung war es nicht, wenn du auf die Bank musstest, wurde dir nur schnell kalt“, erinnert sich Hukporti, der beim Blockstellen eine fast schon tänzelnde Art hat, wie man sie bei Tennis-Profis vor dem Return beobachten kann.

In jener Open-Air-Partie kurz vor Weihnachten nimmt der Center wieder eine Bankrolle ein, nachdem er für den verletzten Joseph Lual-Acuil in den ersten 13 Saisonspielen von Beginn an aufgelaufen war. Als Starter legte Hukporti durchschnittlich 10,2 Punkte bei einer Quote von 59,8 Prozent aus dem Feld, 8,3 Rebounds und 1,2 Blocks auf, doch auch gegen Perth als Reservist beeinflusst er die Partie: mit zwölf Rebounds in 18 Minuten, dazu zwei Blocks – einer beidhändig, was sich in der NBL schon fast als defensives Markenzeichen abzeichnet. In einem Duell mit Adelaide reißt Hukporti nach seinem Block dem Gegnerspieler den Ball sogar aus den Händen und leitet den Fastbreak ein.

„Ich habe in dieser Saison schon einige gepflückt und kann daraus den Schnellangriff imitieren“, ist sich Hukporti seiner Rolle als Defensivanker bewusst. „Ich kann viele Positionen verteidigen, von der Fünf bis zur Zwei, sogar die Eins, je nachdem, wie klein und athletisch der gegnerische Aufbauspieler ist.“ Der ehemalige Bonner Parker Jackson-Cartwright ist auch schon Opfer von Hukportis guter Recovery-Defense gewesen.

Zwischen Litauen und Ludwigsburg

In Hukportis Debütsaison in Australien traf bereits ein anderer ehemaliger BBL-Spielmacher auf das Center-Talent: Peyton Siva. Der langjährige Berliner Point Guard erinnert sich derweil auch an Duelle gegen Ludwigsburg in der BBL, als Siva bereits einen „athletischen, wirklich guten Shotblocker, der aber noch etwas roh war“, wahrnimmt. „Als ich gegen ihn in Australien gespielt habe, konnte man sehen, wie wohl er sich mittlerweile in seinem Körper fühlt.“

An seinem Körper hat Hukporti derweil in Ludwigsburg gearbeitet – und tut das immer noch in jedem Sommer, wenn er in die Barockstadt zurückkehrt und mit Assistant Coach David McCray individuell zusammenarbeitet – schließlich seien die RIESEN wie Familie, sagt Hukporti. „Wir haben mit ihm schon immer viel Individualtraining gemacht“, erklärt John Patrick.

Der Ludwigsburger Trainer erinnert sich ebenfalls an das Final-Turnier 2020 in München, als Hukporti im zweiten Halbfinal-Spiel gegen Ulm „einen großen Einfluss genommen hat“. Patrick attestiert dem damals 18-Jährigen schon eine sehr gute Fußarbeit und ein besseres Spielverständnis, als viele glauben. Das erste Halbfinale gegen Ulm sowie die Viertelfinal-Partien gegen München verpasst Hukporti damals – weil er wegen schulischer Verpflichtungen die Bubble verlassen muss.

Patrick hätte gerne länger mit Hukporti zusammengearbeitet. „Von unserem Standpunkt aus wäre es großartig gewesen, wenn er für ein weiteres Jahr geblieben wäre. Ich glaube, er war damals schon nah dran, NBA-Material zu sein“, sagt Patrick. Doch Spieler und ihre Agenten haben manchmal unterschiedliche Perspektiven, weswegen es mit Hukportis Camp nicht immer einfach gewesen sei. So überrascht Hukporti nach Ende des Final-Turniers mit einem Wechsel zum litauischen Klub KK Nevėžis.

„Das war das Team seines Agenten. Er wurde aus seinem Vertrag herausgekauft, das ist alles legal abgelaufen. Aber ich glaube, er hatte ein toughes Jahr in Litauen“, führt Patrick aus, auch NBA-Scouts seien etwas beunruhigt über diesen Weg gewesen. „Aber vielleicht war das auch Teil eines Reifeprozesses.“

Hukporti selbst erklärt seinen Wechsel nach Litauen damit, dass er „als junger Spieler einfach spielen musste. John wollte in Ludwigsburg immer gewinnen, das verstehe ich komplett. Ich war damals auch noch nicht bereit dafür, für Ludwigsburg Spiele zu gewinnen, ich habe nicht konstant agiert. Deshalb bin ich nach Litauen zu einem etwas schlechteren Team.“ Dort erhält der Center mehr Freiheiten, darf auch von außen werfen und baut, wie es Hukporti sagt, Selbstvertrauen auf.

Nun möchte Hukporti, so schreibt es der Klub auf seiner Website, „sich in Ludwigsburg den Feinschliff in Richtung NBA-Draft holen und auf dem Weg dorthin zwischenzeitlich das maximal Mögliche in easyCredit BBL und Basketball CL erreichen“.

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