NASA-Aufnahmen zeigen rätselhafte Bodenformationen in Russland

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 3 Min.

Satellitenaufnahmen zeigen bislang unerklärliche Gesteinsformationen in Sibirien. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat jedoch einige Theorien für die faszinierenden Wellenstrukturen.

Das Foto des Nasa-Puzzlers: Es zeigt eine Region in Sibirien mit wundersamen Bodenstrukturen. Foto: Nasa Earth Observatory
Das Foto des Nasa-Puzzlers: Es zeigt eine Region in Sibirien mit wundersamen Bodenstrukturen. Foto: Nasa Earth Observatory

Während vergangene Woche die astronomische Aufmerksamkeit dem Mars galt, hat die US-Raumfahrtbehörde NASA ihren Blick diese Woche auf die Erde gerichtet. Und dabei ein unerklärliches Phänomen in Sibirien präsentiert.

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Jeden Monat ein neues Rätsel

Jeden Monat veröffentlicht die NASA auf ihrer „Earth Observatory“-Seite den sogenannten „Puzzler“ – das ist eine Satellitenaufnahme, die eine faszinierende Landschaft zeigt. Allerdings gibt es keine weiteren Informationen dazu, außerdem ist die Aufnahme in ihrer Farbgebung verfremdet. Die Leser*innen werden dann aufgerufen, den Ursprung der Aufnahme zu tippen.

Foto: Nasa Earth Observatory
Eine Satellitenaufnahme der Struktur im Winter. Foto: Nasa Earth Observatory

Der aktuelle „Puzzler“ zeigt eine wellenförmige Struktur, die sich in Schleifen durch eine bergige Topografie zieht. Das Bild ist dazu noch Gold eingefärbt, es erhält so eine besondere Fremdartigkeit. In den Kommentaren reichen die Vermutungen zum Ursprung von Canyons in den USA über Sahara-Wüsten auf dem afrikanischen Kontinent bis hin zu einem australischen Nationalpark in Queensland.

Nicht Mars, sondern Russland

Weit gefehlt. Tatsächlich handelt es sich um, das hat die NASA zwischenzeitlich aufgelöst, eine Satellitenaufnahme Sibiriens. Erstellt hat sie der „Operational Land Imager“ an Bord des Satelliten „Landsat 8“.

Das Foto zeigt eine Bergformation im nördlichen Sibirien, wo der Fluss Marcha hindurchfließt. Doch während der Ort nun bekannt ist – der Grund für die Wellenstruktur ist auch der NASA ein Rätsel. Die Weltraumbehörde selbst ist auf das Landschafts-Phänomen vergangenes Jahr durch einen Beitrag auf Twitter aufmerksam geworden und hat seither daran geforscht.

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Mittlerweile gibt es einige Vermutungen, die sich je nach wissenschaftlichem Hintergrund der Expert*innen unterscheiden.

Es kommt auf den wissenschaftlichen Background an

Eine Theorie geht so: Der Ort, wo die Strukturen auftreten, liegt innerhalb des Polarkreises. Die meiste Zeit des Jahres, an durchschnittlich neun von zehn Tagen, ist der Boden überfroren. In der restlichen Zeit aber kann die Eisdecke abtauen. Der Wechsel aus Gefrieren und Tauen könnte ähnliche Oberflächenstrukturen kreieren, indem Steine und Geröll mit der schmelzenden Schneedecke wandern – allerdings, so räumt die NASA ein, ist das bisher nur in einem viel kleineren Maßstab bekannt.

Geomorpholog*innen haben deshalb eine andere Theorie: Sie vermuten, dass ein Prozess mit Namen „Cryoturbation“ die Wellen hervorgebracht hat: Beim Auftauen der Permafrostböden wird tieferes und damit andersfarbiges Sedimentgestein an die Oberfläche transportiert. Mit der Zeit könnten so Muster gebildet werden. Doch auch diese Theorie ist nicht in solch Ausmaß bekannt, wie es in Sibirien vorkommt.

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Geolog*innen wiederum sehen in den Wellen eine „layer cake geology“ – es handelt sich dabei um unterschiedliche Gesteinslagen, die wie bei einem Schichtkuchen übereinandergestapelt sind. Durch Erosion, beispielsweise Regen oder Schmelzwasser, könnten die Schichten unterschiedlich stark abgetragen worden sein. Von oben betrachtet, wie hier geschehen mit einem Satelliten, könnten die unterschiedlich gefärbten Schichten dann wellenförmige Strukturen ergeben.

Welche Theorie sich letztlich durchsetzt, kann nur Zeit und weitere Forschung zeigen. Bis dahin reicht es dem einen oder der anderen vielleicht, Schönheit im Unerklärlichen zu finden.

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