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"Die Natur zwingt uns die Änderung auf": Steht der Skisport vor dem Aus?

Für die ZDF-Dokumentation "Alpendämmerung" befragte ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich (rechts) auch Reinhold Messner, um sich einen Eindruck über die Zukunft des Wintertourismus in den Alpen zu verschaffen. (Bild: ZDF / Britta Hilpert, Wolf-Christian Ulrich )
Für die ZDF-Dokumentation "Alpendämmerung" befragte ZDF-Korrespondent Wolf-Christian Ulrich (rechts) auch Reinhold Messner, um sich einen Eindruck über die Zukunft des Wintertourismus in den Alpen zu verschaffen. (Bild: ZDF / Britta Hilpert, Wolf-Christian Ulrich )

Ist Skisport in Anbetracht der Klimakrise moralisch noch zu vertreten? Welche nachhaltigen Konzepte gibt es? Diesen Fragen gehen die ZDF-Journalisten Britta Hilpert und Wolf-Christian Ulrich in ihrer neuen Dokumentation auf den Grund.

"Ich bin vermutlich der erste ZDF-Korrespondent in Wien, der nicht Ski fährt", meint Wolf-Christian Ulrich. Jawohl, das Skifahren ist in Zeiten der Klimakrise für manche zum Reizwort geworden. Warum ist das so? Und was wird getan, um den Skisport fit für die Zukunft zu machen? - In seiner Dokumentation, die unter dem "auslandsjournal"-Label zu sehen ist, wollte er sich mit genau dieser Thematik auseinandersetzen. Die provokante Überschrift des Films: "Alpendämmerung Pisten, Party, Klimakrise". Der Beitrag ist am Mittwoch, 1. März, 0.45 Uhr, im ZDF zu sehen.

Gemeinsam mit Britta Hilpert, der Leiterin des ZDF-Auslandsstudios Wien, tauchte Ulrich ein in eine Welt, die ihm bislang eher fremd war. Britta Hilpert steht hingegen seit ihrer Kindheit auf den Brettern und freut sich jeden Winter auf die erste Abfahrt. Ob das jedoch in Anbetracht der Klimaerwärmung noch lange möglich sein wird? Der Alpentourismus hat noch wietere Probleme. So fordern etwa die Preisexplosionen bei Bergbahnen ihren Tribut, schon sinken die Gästezahlen. Krieg und Inflation treiben die Kosten in die Höhe. Droht der Industrie der Kollaps? Hilpert und Ulrich begeben sich auf die Suche nach Antworten.

"Die Alpen sind das Gebirge auf der Welt, das am dichtesten mit Wintersport-Infrastruktur bebaut ist", erklärt der Korrespondent. "Das Gleichgewicht zwischen Gastgebern, Urlaubern, Natur und Klimaschutz zu finden, beschäftigt zwar viele - aber tatsächlich Konsequenzen zu ziehen, das fällt den meisten doch schwer." Während der Dreharbeiten in Ischgl, Seefeld in Tirol, Gaissau-Hintersee, Kärnten und in dem Gebirge Hohe Tauern befragten die Journalisten Experten, darunter auch Reinhold Messner und Biathletin Laura Dahlmeier, Urlauber und Gastronome. "Von Österreichs erstem Öko-Hotel bis zur ersten wasserstoffbetriebenen Pistenraupe, Ranger, Wintercamper - wir haben mit so vielen verschiedenen Leuten sprechen dürfen", erinnert sich Ulrich. Und was sie bei ihren Recherchen zutage förderten, lässt durchaus staunen.

Die ZDF-Korrespondenten Britta Hilpert und Wolf-Christian Ulrich beleuchten in ihrer neuen Dokumentation das Spannungsfeld zwischen Wintersport und Klimaerwärmung. Was ist moralisch noch vertretbar? (Bild: ZDF / Martin Adam)
Die ZDF-Korrespondenten Britta Hilpert und Wolf-Christian Ulrich beleuchten in ihrer neuen Dokumentation das Spannungsfeld zwischen Wintersport und Klimaerwärmung. Was ist moralisch noch vertretbar? (Bild: ZDF / Martin Adam)

"In manchen Ski-Orten ist der herkömmliche Wintersport einfach nicht mehr möglich"

Positiv überrascht waren die Filmemacher insbesondere über die "Entschlossenheit junger Athleten, dass man nicht so weitermachen kann wie bisher", sagt Ulrich. Immerhin bedrohe der Klimawandel ja nicht nur den Wintersport. "Die Alpen bekommen ein neues Gesicht: Sie werden vor allem im Sommer braun und verlieren ihre Aura."

In dieser Hinsicht fassen immer mehr neue, nachhaltige Tourismuskonzepte in der Branche Fuß und prägen den Kulturraum in den Alpen. Hilpert zeigte sich indes schockiert über den "extrem wenigen Schnee" in so manch einer Region. "Die Natur zwingt uns die Änderung auf: in manchen, niedrigeren Ski-Orten ist der 'herkömmliche' Wintersport einfach nicht mehr möglich."

Daher thematisieren die Journalisten in ihrer Doku auch alternative Möglichkeiten zum Skisport. Sie suchen primär nach Lösungsstrategien für das Spannungsfeld "Pistenparty - Waldesruh", wie es Ulrich ausdrückt. Eines steht fest: Der Skitourismus in den Alpen sieht sich einem wirtschaftlichen und mithin auch moralischen Wandel gegenüber. Hier gibt es neue Konzepte, dort muss komplett umgedacht werden. Aber aus und vorbei ist es sehr zur Freude vieler Hobbysportler noch lange nicht mit dem Spaß im Schnee. Erstaunlich ist inbesondere der Pragmatismus, mit dem vielerorts versucht wird, Klimawandel und Skitourismus miteinander vereinbar zu gestalten.

Im ZDF ist die Doku am Mittwoch, 1. März, 0.45 Uhr, zu sehen. 3sat sendet sie zudem am Donnerstag, 9. März, 22.25 Uhr. In der ZDFmediathek ist der Film am 1. März bereits ab 18.00 Uhr abrufbar.

Auch in Seefeld hat der Klimawandel seine Spuren hinterlassen. (Bild: ZDF / Britta Hilpert)
Auch in Seefeld hat der Klimawandel seine Spuren hinterlassen. (Bild: ZDF / Britta Hilpert)