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Neapel reißt seine Bronx ab - Bewohner fürchten um ihren Maradona

Die Bronx wird das Viertel genannt, aber es ist kein Stadtteil von New York, sondern ein Arbeiterviertel am Rande von Neapel, wo Ende der 80er Jahre in der Not nach dem Erdbeben von 1980 große Sozialwohnungskomplexe überstürzt und schlecht gebaut wurden.

Nach 40 Jahren des Wartens und sieben Jahren des Kampfes für den Bau besserer Wohnungen können die Bewohner des Viertels heute endlich feiern. Die baufälligen Gebäude werden durch neue, kleinere ersetzt, mit Grünflächen und Sportplätzen.

Rosaria Cordone von dem Verein für den Kampf der Benwohner sagt, sie hätten begonnen, den Behörden das Problem darzustellen, ein echtes, konkretes Problem. "In San Giovanni a Teduccio gibt es 360 Haushalte, die ein Recht auf eine Wohnung haben, eine angemessene Wohnung"

"Ich solle etwas tun, um Diego zu retten"

Der Abriss bedeutet aber auch den möglichen Verlust der Wandgemälde von Jorit, dem weltbekannten Straßenkünstler, der diesem vergessenen Ort Schönheit und Identität verliehen hat, darunter das weltweit größte Wandgemälde von Maradona.

"Ich bin überrascht von der unglaublichen Zuneigung, die die Menschen mir entgegenbringen, und zwar nicht mir, sondern der Arbeit, vor allem Diego gegenüber", so Jorit.

"Ich wurde mit Nachrichten und Anrufen überschwemmt. Ich kann nicht mehr rausgehen, ohne dass mir jemand sagt, ich solle etwas tun, um Diego zu retten."

Nach dem großen Interesse in der Bevölkerung an dem Wandgemälde hat der Stadtbaurat von Neapel zugesichtet, das Kunstwerk erhalten zu wollen.

"Wir werden dafür sorgen, dass der Abriss dieser Mauer kontrolliert erfolgt, um alle Teile zu bergen, die an einem Ort wieder zusammengesetzt werden können, natürlich in diesem Viertel", so Laura Lieto vom Stadtbaurat Neapel.

Der Erhalt des Wandgemäldes scheint den Menschen mindestens ebenso wichtig zu sein wie ein anständiges Zuhause. Das hält die Menschen zusammen, meint Künster Jorit. "Ich glaube fest an den Wert von Kunst, Kultur und sozialem Zusammenhalt: Das ist es, was uns wirklich menschlich macht.

Nachdem man den Kampf für bessere Wohnungen gewonnen habe, müsse man dafür kämpfen, "dass wir nach Wohnungen, Arbeit und Essen auch Menschen sind und Kunst und Kultur brauchen", so Jorit.