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Auch Charité-Kinderklinik in Not - Lauterbach: "30 % der Betten nicht belegbar"

In deutschen Apotheken herrscht seit Wochen erhöhter Beratungsbedarf. Vor allem Eltern sind besorgt, weil viele Medikamente für Kinder Mangelware sind. Beispiel Fiebersaft: Viele Fabriken sind aus der Produktion von Paracetamol ausgestiegen, weil sich der Festpreis in zehn Jahren nicht erhöht hat, wohl aber die Fertigungs-und Personalkosten.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach will mit Festpreiserhöhungen gegensteuern, aber die Wirkung kann dauern. Bei einem Besuch der Kinderabteilung der Berliner Charité an diesem Freitag stellte Lauterbach erhöhten Handlungsbedarf fest und kündigte eine "Reform" an, ohne dabei jedoch ins Detail zu gehen.

Konkreter äußerte sich der Berliner Apotheker Julian Wawrzyniak: "Vor allem wenn es um Kinder geht können wir die kaum versorgen und es sind über 300 wenn nicht sogar über 500 Medikamente nicht lieferbar, nicht zu bekommen."

Rückfragen bei Großhändlern liefen zumeist ins Leere, meint Wawrzyniak: "Die nennen uns nicht wirklich einen Grund. Wir sehen halt, dass es nicht lieferbar ist. Wenn wir mal nachfragen, sagen uns die Großhändler, dass es nicht lieferbar ist vom Hersteller. Der Hersteller gibt uns aber keine Auskunft, warum. Wir können nur davon ausgehen, dass es ein Lieferengpass ist, weil sie den Rohstoff nicht produzieren können. Oder manchmal wird auch ein Gefäß nicht produziert, also es geht auch manchmal um die Glasgefäße. Manchmal sind Ibuprofen-Tabletten lieferbar, aber Ibuprofen-Saft nicht. Warum? Man weiß es nicht."

Nicht nur um Husten und Schnupfen dreht sich das Problem deutscher Kinderkliniken. Ihnen fehlt es oft an speziellen Produkten für Kinder wie Katheter. Medienberichten zufolge ist das Personal oft gezwungen, Katheter für Erwachsene in Handarbeit auf Kindermaß umzuformen. Erschwerend hinzu kommt der ohnehin herrschende Personal- und Finanzmangel. Als Konsequenz haben viele Kliniken ihre Kinderstationen geschlossen oder sie nehmen keine Notfälle mehr an.