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Ist Olaf Scholz zu unentschlossen? Lanz lässt bei Taurus-Frage an Tschentscher nicht locker

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (rechts) versuchte am Dienstagabend bei
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (rechts) versuchte am Dienstagabend bei "Markus Lanz", die Entscheidung von Olaf Scholz zu verteidigen, keine Taurus-Marschflugkörper in die Ukraine zu schicken. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Warum brauchte Olaf Scholz so lange für seine endgültige Entscheidung, keine Taurus-Marschflugkörper an die Ukraine zu liefern? Bei "Markus Lanz" versuchte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, den Bundeskanzler zu verteidigen. Investigativreporter Benedikt Strunz warnte währenddessen vor der wachsenden organisierten Kriminalität.

Die Hamburger Zollfahndung überprüfte am 12. Februar 2021 fünf Container aus Paraguay und stieß dabei auf einen Rekordfund. In den Containern, die Spachtelmasse enthalten sollten, wurden insgesamt 16 Tonnen Kokain sichergestellt. Ein Rekordfund, der bis heute für Schlagzeilen sorgt. Bei "Markus Lanz" warnte Investigativ-Reporter Benedikt Strunz daher vor den gravierenden Auswirkungen steigender Drogen-Kriminalität in Deutschland. Nachdem Lanz zunächst auf die prekäre wirtschaftliche Lage in Deutschland aufmerksam machte, fügte er hinzu: "Das Einzige, was richtig brummt, ist die Einfuhr von Kokain."

Daraufhin machte Benedikt Strunz deutlich, wie sehr der Import von Drogen in den letzten Jahren zugenommen hat. Vor zehn Jahren sei etwa eine Tonne Kokain vom deutschen Zoll sichergestellt worden. "Für das vergangene Jahr rechne ich jetzt mit Sicherstellungsmengen von etwa 40 Tonnen", so Strunz nüchtern. In Bezug auf den rekordverdächtigen Kokainfund in Hamburg ergänzte der Reporter: "Spätestens dann muss eigentlich allen klar gewesen sein (...): Hamburg steht wirklich im Fokus der internationalen Kokain-Banden."

Das gigantische Sicherheitsproblem am Hamburger Hafen brachte Lanz auf die scheinbare Hilflosigkeit der deutschen Zollbeamten zu sprechen: "Logistisch und personell - sind wir auf das vorbereitet?" Benedikt Strunz reagierte nachdenklich: "Das hat eine Dimension angenommen, auf die wir sicherlich nicht vorbereitet sind." Laut des Reporters seien nicht nur die Zoll-, sondern auch die Hafenmitarbeiter "hilflos".

Investigativreporter Benedikt Strunz warnte bei
Investigativreporter Benedikt Strunz warnte bei "Markus Lanz" vor zunehmender organisierter Kriminalität: "Hamburg steht wirklich im Fokus der internationalen Kokain-Banden." (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Benedikt Strunz: Organisierte Kriminalität stellt Demokratie in Frage

Der traurige Grund: Die Schmuggel-Methoden der Drogen-Banden sind immer schwieriger aufzudecken. "Es gibt wirklich keinen Weg, den es nicht gibt. (...) Es ist viel Fantasie im Spiel", so der Investigativreporter. Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher fügte hinzu: "Die Methoden sind so ausgefeilt, weil man in Deutschland, in Europa, unglaublich viel Geld für Kokain bezahlt bekommt. Wir haben also pro Kilo 50.000 bis 80.000 Euro, die gezahlt werden." Aus diesem Grund komme es laut Benedikt Strunz immer wieder zur Bestechung und auch körperlichen Attacken auf Hafen-Mitarbeiter: "Wir haben die organisierte Kriminalität wirklich im Hafen!" Der Reporter forderte daher einen gezielteren Einsatz seitens der Politik, da in manchen Ländern die organisierte Kriminalität sogar so stark sei, "dass sie den Staat militärisch herausfordern kann".

Dies sei laut des Investigativreporters "ein wahnsinniges Problem", das "auch für Hamburg" gelte. Er ergänzte mit ernstem Blick: "Organisierte Kriminalität stellt die Grundfesten der Demokratie in Frage. Wir können nach Südamerika schauen, nach Mittelamerika, (...) aber wir müssen hier unsere Hausaufgaben machen. Wir sehen, dass der Staat herausgefordert wird. Wir sehen, dass Korruptionshandlungen stattfinden und wir sehen, dass Presse in Europa Angst bekommt, über diese Phänomene zu sprechen."

In dem Zusammenhang sprach Lanz auch über die Fentanyl-Pandemie, die ganz Amerika zu überschwemmen droht. "Wie sehr ist Fentanyl auch im Vormarsch in Deutschland?", wollte der Moderator wissen. Benedikt Strunz gab daraufhin Entwarnung und sagte, dass es "keinen großflächigen Handel" gebe. Dennoch warnte Suchtexpertin Maria Kuba: "Wir haben in Deutschland zumindest keine Abnahme an Drogenkonsumenten."

Markus Lanz (links) diskutierte am Dienstagabend mit (von links) Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, Journalistin Ursula Weidenfeld, Suchtexpertin Maria Kuban und Investigativjournalist Benedikt Strunz. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)
Markus Lanz (links) diskutierte am Dienstagabend mit (von links) Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher, Journalistin Ursula Weidenfeld, Suchtexpertin Maria Kuban und Investigativjournalist Benedikt Strunz. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Peter Tschentscher: "Ich bin jetzt nicht das Bundespresseamt"

Innerhalb der Sendung sprach der ZDF-Moderator auch über die aktuelle Verkündung von Olaf Scholz, keine "Taurus"-Marschflugkörper an die Ukraine zu senden. "Warum hat er dafür so lange gebraucht?", wollte Lanz wissen. Peter Tschentscher versuchte zunächst, das Thema zu wechseln und sagte, dass die Rolle von Olaf Scholz jetzt sei, "die Allianz gegen Russland zur Unterstützung der Ukraine aufrechtzuerhalten - aber eben auf Geschlossenheit zu achten". Deutschland dürfe demnach "nicht selbst Kriegspartei" werden, was bei einer "Taurus"-Lieferung der Fall sein könnte. Lanz hakte jedoch kritisch nach: "Die Frage war, warum braucht er so lange, um zu erklären, warum wir keine 'Taurus' schicken?" Tschentscher antwortete vorsichtig: "Weil er natürlich auch immer im Hintergrund (...) Abstimmungen machen muss."

Lanz stellte daraufhin klar, dass Frankreich und Großbritannien schon seit längerer Zeit "etwas Vergleichbares" an die Ukraine schicken. Er wollte daher erneut wissen: "Warum brauchen wir so lange für eine Erklärung?" Peter Tschentscher zeigte sich dementsprechend genervt und sagte lediglich: "Ich bin jetzt nicht das Bundespresseamt!" Er fügte wütend hinzu: "Wir sind die zweitgrößte Unterstützernation (...) weltweit - nach den Vereinigten Staaten."

Es sei für niemanden
Es sei für niemanden "im Moment vorstellbar, dass Bodentruppen der NATO in der Ukraine kämpfen" erklärte Journalistin Ursula Weidenfeld mit Blick auf die Aussage des französischen Präsidenten. (Bild: ZDF / Cornelia Lehmann)

Der Moderator überging den Kommentar und stichelte weiter: "Sie sagen, die Entschlossenheit ist wichtig. (...) Und dann reitet jetzt plötzlich der französische Präsident nach vorne und sagt: 'Vielleicht denken wir auch mal darüber nach, Bodentruppen in die Ukraine zu schicken'. Wie passt das alles zusammen?" Tschentscher erklärte, dass es bereits häufiger der Fall gewesen sei, "dass andere Regierungschefs mal vorgeprescht" seien. Dies sei jedoch kein Grund Alarm zu schlagen. Auch Journalistin Ursula Weidenfeld gab Entwarnung und sagte, sie vermute dahinter"eine Provokation", die "nicht so gemeint" sei. Es sei demnach für niemanden "im Moment vorstellbar, dass Bodentruppen der NATO in der Ukraine kämpfen", so Weidenfeld abschließend.