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Organspende: Wie das neue Online-Register funktioniert

So kann man seine Entscheidung zur Organspende digital festhalten

Jahr für Jahr stehen Tausende Schwerkranke in Deutschland auf Wartelisten, um eine Niere oder ein neues Herz zu erhalten (Bild: dpa)
Jahr für Jahr stehen Tausende Schwerkranke in Deutschland auf Wartelisten, um eine Niere oder ein neues Herz zu erhalten (Bild: dpa)

Sich mit der Frage auseinanderzusetzen, ist nicht einfach: Will ich meine Organe nach meinem Tod spenden? Um den eigene Willen zu dokumentieren, gibt es ab sofort das Organspende-Register. Wir erklären, wie es genau funktioniert.

Tausende kranke Menschen warten jedes Jahr auf Organspenden - die Wartelisten sind lang. Laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation haben im vergangenen Jahr 965 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet, während etwa 8400 Menschen auf den Wartelisten für eine Transplantation standen. Obwohl viele Menschen sich eine Spende von Herz, Niere oder Gewebe nach ihrem Tod durchaus vorstellen könnten, haben die wenigsten ihre Entscheidung schriftlich dokumentiert. Im Zweifelsfall werden dann die Angehörigen dazu befragt, was für diese oftmals eine belastende Sache ist.

Das soll sich jedoch bald ändern: Das Bundesgesundheitsministerium, die Krankenkassen und die Ärzteverbände erhoffen sich von der Einführung eines Organspende-Registers künftig mehr Organspenden und damit die Möglichkeit, mehr Leben zu retten. Denn jeder kann dort ab sofort relativ unkompliziert seine Entscheidung in Sachen Organ- und Gewebespende hinterlegen.

Organspende: Online-Register ab sofort freigeschaltet

Nach langjähriger Vorbereitung - eigentlich sollte es schon im Frühjahr 2022 starten - wurde das neue Online-Register am heutigen Montag freigeschaltet. Künftig können Spendenwillige darin ihre Bereitschaft zur Organspende hinterlegen - oder auch ihre Ablehnung. Doch wie funktioniert das Organspende-Register genau?

Bisher musste jeder seinen Organspendeausweis immer bei sich tragen, um seine Ablehnung oder Zustimmung zur Organspende nachzuweisen. Jetzt ist es für Menschen ab 16 Jahren möglich, eine Erklärung zur Organspende oder deren Ablehnung digital zu hinterlegen. Laut Bundesinstitut liegen die Daten des Registers auf einem Server in Deutschland.

Wozu gibt es das Register - ist es ein Ersatz für den Organspendeausweis?

Die Entscheidung für eine Organspende kann man natürlich auch weiterhin auf einem beliebigen Schriftstück festhalten - zum Beispiel in der Patientenverfügung. Auch auf einem herkömmlichen Organspendeausweis kann jeder weiterhin seine Entscheidung zur Organspende dokumentieren. Doch während dieser verloren gehen oder im Ernstfall nicht abrufbar sein könnte, soll der digitale Eintrag im Register es Ärzten erleichtern, von einer potentiellen Spendebereitschaft schnell und verlässlich zu erfahren. Ein Muss ist der digitale Eintrag aber natürlich nicht. Man kann auch Ausweis und Register gleichzeitig nutzen, und so die Chancen erhöhen, dass die eigene Entscheidung im Ernstfall auch wirklich bekannt ist.

Das Register basiert auf der sogenannten Entscheidungslösung, die 2020 vom Bundestag beschlossen wurde - demnach sollen die Bürger freiwillig ihre Entscheidung im digitalen Register dokumentieren. Das sogenannte Widerspruchsmodell, für das auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) war, hatte damals keine Mehrheit gefunden. Alle Menschen würden nach diesem Modell als möglicher Organspender gelten, solange sie keinen Widerspruch erklärt hätten.

Wie komme ich auf das Portal - was benötige ich?

Zu finden ist das Portal, in dem man sich ab sofort eintragen kann, unter der Adresse www.organspende-register.de. Um sich einzutragen und zu authentifizieren, ist bis auf Weiteres ein Ausweis mit Online-Funktion (eID) notwendig (z.B. eID-Funktion des Personalausweises oder des elektronischen Aufenthaltstitel) sowie ein NFC-fähiges Smartphone oder Tablet zum drahtlosen Datenaustausch oder ein Kartenlesegerät für Computer. Auch die Krankenversichertennummer sollte man bereithalten. Ab dem 1. Juli können die Krankenhäuser dann die Erklärungen abrufen und im Notfall eine Organtransplantation durchführen. Ab Juli wird die Registrierung noch einfacher und ist auch mit Hilfe einer Gesundheitskarte möglich, die von den Krankenkassen ausgegeben wird.

Bis spätestens 30. September soll man über die Apps der Krankenhäuser noch unkomplizierter seine Bereitsschaft zur Organspende kommunizieren können.

Organspende-Register: Was genau muss ich dort angeben?

Im Register kann man je nach Wunsch die Organe auflisten, die man spenden möchte - oder auch bestimmte Organe ausdrücklich von der Spende ausschließen. Man kann aus den folgenden fünf Optionen wählen:

  • "Ja, ich gestatte, dass nach der ärztlichen Feststellung meines Todes meinem Körper Organe und Gewebe entnommen werden";

  • "Ja, ich gestatte dies, mit Ausnahme folgender Organe/Gewebe";

  • "Ja, ich gestatte dies, ich möchte jedoch nur bestimmte Organe/Gewebe zur Spende freigeben";

  • "Über ja oder nein soll dann folgende Person entscheiden";

  • "Nein, ich widerspreche der Entnahme von Organen oder Geweben".

Im Feld "Anmerkungen/Besondere Hinweise" kann man vorhandenr Erkrankungen notieren. Übrigens: Laut der BZgA schließen nur wenige Erkrankungen eine Organspende generell aus. Bei akuten Krebserkrankungen oder einer überstandenen Tuberkulose ist das etwa der Fall.

Kann ich mich auch wieder umentscheiden?

Man kann seine Angaben jederzeit ändern - es gilt immer die jüngste Version, sowohl in der digitalen Variante als auch im Fall des Organspendeausweises aus Papier.

Wann ist eine Organspende überhaupt möglich?

Für eine Organspende gibt es keine Altersgrenze, weder nach oben noch nach unten. Bei Kindern bis zum 14. Lebensjahr entscheiden die Eltern darüber. Jugendliche können einer Spende selbst widersprechen und ab dem 16. Geburtstag auch selbst zustimmen.

Bevor es zu einer Organspende kommen kann, müssen zwei Fachärzte unabhängig voneinander den Hirntod eines Menschen bestätigen, also den vollständigen und unumkehrbaren Ausfall des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms.

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Infografik: Mehrheit der Deutschen ohne Organspendeausweis | Statista
Infografik: Mehrheit der Deutschen ohne Organspendeausweis | Statista

Wie wird das Register von der Bevölkerung gesehen?

Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov befürworten 71 Prozent der Befragten ein das Portal. 25 Prozent gaben an, das Register nutzen zu wollen, weitere 31 Prozent antworteten auf die Frage, ob sie es nutzen werden mit "eher Ja". Mit "eher Nein" antworteten 13 Prozent, "auf keinen Fall " nutzen wollten es 10 Prozent.

Wo kann ich mich zu dem Thema intensiver informieren?

Neben der Seite organspende-info.de der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), auf der man sich auch einen Organspendeausweis herunterladen kann, gibt es ein Infotelefon zum Thema Organspende, das allen Interessenten montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr unter 0800 90 40 400 gebührenfrei zur Verfügung steht.

Übrigens: Organspendeausweise bekommt man oftmals auch in der Apotheke .

Grafik-Diagramm Nr. 106623, Querformat 90 x 70 mm,
Grafik-Diagramm Nr. 106623, Querformat 90 x 70 mm, "Organspenden in Deutschland seit 2013 (Wiederholung)"; Redaktion: B. Jütte: Grafik: F. Bökelmann

Wie geht es jetzt weiter?

Patientenschützer kritisieren, dass bisher bei dem Register noch ein bürgernaher Eintragungsweg fehlt - also die Möglichkeit, sich direkt im Passamt einzutragen zu lassen. Es scheitere an datenschutzsicheren Computerterminals, die es dafür benötigt, wie der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch kritisiert. "Damit haben Bürgerinnen und Bürger nicht die Möglichkeit, ihre Entscheidung für oder gegen die Organspende direkt vor Ort in das Register einzutragen." Die Stiftung Patientenschutz hat den Start des Organspende-Registers deshalb als "halbherzig" kritisiert.

Laut Gesundheitsminister Lauterbach kann das neue Onlineregister für den Fall der Einführung einer Widerspruchslösung künftig auch noch weiterentwickelt werden: "Das Register ist eine gute Vorarbeit für die Widerspruchslösung", sagte er. Das Register könne in Zukunft als Plattform für all jene genutzt werden, die dokumentieren wollen, dass sie nicht zu einer Organspende bereit sind.