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Oscar-Favorit "Poor Things" mit Emma Stone: Das sind die Kino-Highlights der Woche

"Poor Things" ist so etwas wie die feministische Version von "Frankenstein". Mit dem Unterschied, dass hier kein männliches Ungetüm, sondern eine attraktive junge Frau (verkörpert von Emma Stone) von den Toten zurückkehrt. (Bild: Disney)
"Poor Things" ist so etwas wie die feministische Version von "Frankenstein". Mit dem Unterschied, dass hier kein männliches Ungetüm, sondern eine attraktive junge Frau (verkörpert von Emma Stone) von den Toten zurückkehrt. (Bild: Disney)

"Wo die Lüge hinfällt", "The Palace" und "Poor Things", eine feministische Version der "Frankenstein" mit Oscargewinnerin Emma Stone: Das sind die Kino-Neustarts am 18. Januar.

"Sie ist ein Experiment", erklärt Dr. Godwin Baxter. Ihr Geist und ihr Körper seien zwar noch nicht im Einklang, "aber sie entwickelt sich mit erstaunlicher Geschwindigkeit". Sie, das ist eine junge Frau, die schon einiges hinter sich hat. Unter anderem auch den Tod. Ihr erstes Leben endete, als sie sich schwanger und verzweifelt in die Themse stürzte und ertrank. Ihr zweites beginnt kurz nachdem ihr Leichnam in den Händen des besagten Dr. Baxter landet. Das ist die Ausgangslage von "Poor Things", dem neuen Werk von Regisseur Giorgos Lanthimos ("The Lobster", "The Favourite") und einem der verheißungsvollsten Kinofilme 2024.

Außerdem neu auf der großen Leinwand: die romantische Komödie "Wo die Lüge hinfällt" über ein Pärchen wider Willen sowie "The Palace", eine prominent besetzte High-Society-Satire von Starregisseur Roman Polánski.

Genialer Wissenschaftler mit väterlichem Selbstverständnis: Willem Dafoe spielt in "Poor Things" Dr. Baxter, der eine verstorbene junge Frau wieder zum Leben erweckt. (Bild: Disney/Atsushi Nishijima)
Genialer Wissenschaftler mit väterlichem Selbstverständnis: Willem Dafoe spielt in "Poor Things" Dr. Baxter, der eine verstorbene junge Frau wieder zum Leben erweckt. (Bild: Disney/Atsushi Nishijima)

Poor Things

Ein genialer Wissenschaftler, der das Undenkbare wagt und die Toten wieder zum Leben erweckt: Die Parallelen zum Literaturklassiker "Frankenstein" sind nicht von der Hand zu weisen; vielfach wird "Poor Things" (basierend auf dem gleichnamigen Roman von Alasdair Gray, 1992) als feministische Version der prototypischen Sci-Fi-Gruselgeschichte von Mary Shelley aus dem Jahr 1818 gedeutet.

Anders als damals ist es diesmal kein männliches Ungetüm, das da unter Strom wieder aufersteht, sondern eine attraktive junge Frau. Aber auch diese Bella Baxter, verkörpert von Oscargewinnerin Emma Stone, hat etwas Monströses an sich. Dr. Baxter (Willem Dafoe) hat ihr altes Gehirn gegen das ihres ungeborenen Kindes ausgetauscht, in ihrem Gebaren treffen infantile Unbedarftheit, ein fehlendes Gespür für die Etikette des 19. Jahrhunderts und sexuelle Experimentierfreude in einem komischen, zuweilen aber auch ziemlich skurrilen und grotesken Zusammenspiel aufeinander.

Der große Unterschied zwischen "Frankenstein" und "Poor Things": Wo die eine Geschichte in der Tragödie endet, mit Mistgabeln und Feuer, beginnt in der anderen eine fantastische Entdeckungsreise. Dr. Baxter versteht sich nicht nur als Erschaffer, sondern auch als eine Art väterliche Figur für seine Bella. Er unterrichtet sie und fördert ihren Geist, weckt ihre Neugier auf das Unbekannte. Mit Erfolg.

"Es gibt eine ganze Welt zu entdecken, zu erleben", staunt Bella. Sie wolle sich weiter "entwickeln", wolle "wachsen", wird flügge. Und traut sich selbst immer größere Sprünge zu. Gemeinsam mit dem Anwalt Duncan Wedderburn (Mark Ruffalo) begibt sie sich bald auf eine große Reise über alle Kontinente - hinaus in eine Welt, die so viel verspricht, die junge Protagonistin aber auch immer wieder überfordert.

Fantasievoll erzählt, virtuos inszeniert, üppig ausgestattet und bis in die Nebenrollen erstklassig besetzt: Mit "Poor Things" legt der visionäre griechische Regisseur Giorgos Lanthimos seinen bislang größten Film vor. Und, so urteilten zuletzt schon zahlreiche Kritiker, auch seinen besten. Im Rahmen der Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig gewann "Poor Things" bereits den Goldenen Löwen, zuletzt folgten zwei Golden Globes (Bester Film, Beste Hauptdarstellerin). Auch bei der bevorstehenden Oscarverleihung gehört die schwarzhumorige Science-Fiction-Erzählung zum Favoritenkreis.

Ben (Glen Powell) und Bea (Sydney Sweeney) können sich eigentlich nicht leiden, spielen in "Wo die Lüge hinfällt" aber trotzdem sehr überzeugend ein Liebespaar. (Bild: Sony Pictures)
Ben (Glen Powell) und Bea (Sydney Sweeney) können sich eigentlich nicht leiden, spielen in "Wo die Lüge hinfällt" aber trotzdem sehr überzeugend ein Liebespaar. (Bild: Sony Pictures)

Wo die Lüge hinfällt

"Ich könnte nie mit einem wie ihm zusammen sein", schimpft sie. Und er: "Die Kleine ist ein Desaster". Das also haben Bea (Sydney Sweeney) und Ben (Glen Powell) nach ihrem ersten Date verstanden: Sie mögen sich nicht. Ein zweites Date ist für beide kein Thema. Ausgeschlossen. Niemals. Bah! Und doch führt das Schicksal sie in "Wo die Lüge hinfällt" wieder zusammen.

Schuld am unfreiwilligen Wiedersehen der attraktiven Single-Menschen Bea und Ben ist eine Hochzeit in Australien, zu der beide mit dem gleichen "Problem" anreisen: Sie haben keine Begleitung dabei, würden es aber ganz gerne so aussehen lassen, als hätten sie eine, um nervigen Fragen und noch nervigeren Verkuppelungsversuchen vorzubeugen. Also schließen sie sich zusammen, spielen ein Pärchen und ziehen dabei alle Register. Bei einer Bootsfahrt wird vor versammelter Hochzeitsgesellschaft sogar die "Ich bin der König der Welt"-Szene aus "Titanic" nachgestellt.

"So süß, die beiden!", danken alle. Insgeheim finden sich Ben und Bea natürlich weiterhin doof, aber wer weiß, vielleicht wird aus der Lüge am Ende ja doch noch so etwas wie Liebe. Inszeniert wurde "Wo die Lüge hinfällt" schließlich von US-Regisseur Will Gluck (Drehbuch: Gluck, Ilana Wolpert), einem Spezialisten für leichtfüßige romantische Komödien mit eher unwahrscheinlichem Verlauf ("Freunde mit gewissen Vorzügen", "Annie").

"Wo die Lüge hinfällt" erzählt eine kurzweilige Liebesgeschichte mit eher unwahrscheinlichem Verlauf. In den Hauptrollen: Sydney Sweeney (links) und Glen Powell. (Bild: Sony Pictures)
"Wo die Lüge hinfällt" erzählt eine kurzweilige Liebesgeschichte mit eher unwahrscheinlichem Verlauf. In den Hauptrollen: Sydney Sweeney (links) und Glen Powell. (Bild: Sony Pictures)

The Palace

Roman Polánski als Mensch: umstritten. Seit Mitte der 70er-Jahre hängen ihm Missbrauchsvorwürfe nach, bis heute muss sich der Regisseur immer gut überlegen, ob und auf welchen Wegen er zu seinen Filmpremieren reist. Gerade in den USA würde man ihn wohl schnell vor Gericht stellen. Aber wenn es um seine Arbeit geht, wird Polánski bis heute als Genie gefeiert. Und wenn er ruft, dann kommen weiterhin auch die ganz Großen. Der jüngste Beweis: Polánskis neue High-Society-Satire "The Palace".

Polánski lebt zurzeit unter anderem in der Schweiz, bis zum Drehort im Berner Oberland war es für den inzwischen 90-Jährigen nur ein Katzensprung. "The Palace" spielt in einem Edelhotel vor malerisch-verschneiter Alpenkulisse, einem Traditionshaus von allerbestem Rufe. Seit Jahren kommen hier regelmäßig die Reichen und Schönen zusammen, um in exklusivem Ambiente Silvester zu feiern. Diesmal aber soll alles noch pompöser, noch spezieller werden: Es ist das Ende des Jahres 1999, das Millennium steht vor der Tür.

Für den reibungslosen Ablauf soll Hotelmanager Hansueli Kopf (Oliver Masucci) sorgen, der das Personal eindringlich einschwört: Man möge den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ablesen, diesen "vielen wichtigen Personen" solle der Champagner aus der Nase und aus den Ohren sprudeln. Und bloß kein Gerede von diesem gefürchteten "Millennium Bug" und der Angst, die ganze Welt könne zum Jahrtausendwechsel ins Chaos stürzen!

Texanische Plutokraten, pensionierte Pornodarsteller und andere Exzentriker feiern zwischen Schampus, Luxusdinner und eingeflogenen Pinguinen, die Dinge gehen ihren gewohnten Weg. Chaotisch wird es dann trotzdem: Es kommt im Hotel zu einem unschönen Zwischenfall, dem Hansueli Kopf und sein Team mit "absoluter Diskretion" begegnen müssen. Neben Masucci als Manager in weiteren tragenden Rollen dabei: Mickey Rourke, Fanny Ardant, John Cleese, Joaquim de Almeida und Milan Peschel. Das Drehbuch zu "The Palace" erarbeitete Roman Polánski gemeinsam mit Jerzy Skolimowski und Ewa Piaskowska.

Hotelmanager Hansueli (Oliver Masucci, rechts, mit Luca Barbareschi) hat den Anspruch, seinen Gästen alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Egal, wie durchgeknallt und exzentrisch diese auch sein mögen. (Bild: Weltkino/M. Abramowska)
Hotelmanager Hansueli (Oliver Masucci, rechts, mit Luca Barbareschi) hat den Anspruch, seinen Gästen alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Egal, wie durchgeknallt und exzentrisch diese auch sein mögen. (Bild: Weltkino/M. Abramowska)