Werbung

Nach Oscar-Rede: Jüdische Filmschaffende unterzeichnen offenen Brief gegen Jonathan Glazer

Jonathan Glazer führte für den Holocaust-Film "The Zone of Interest" Regie. Das Werk wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet - doch seine Dankesrede wird scharf kritisiert. (Bild: 2024 Getty Images / Rodin Eckenroth)
Jonathan Glazer führte für den Holocaust-Film "The Zone of Interest" Regie. Das Werk wurde mit zwei Oscars ausgezeichnet - doch seine Dankesrede wird scharf kritisiert. (Bild: 2024 Getty Images / Rodin Eckenroth)

Bei den diesjährigen Oscars wurde der Holocaust-Film "The Zone of Interest" mit zwei Preisen ausgezeichnet. Nun steht Regisseur Jonathan Glazer wegen seiner Dankesrede in der Kritik: Über 450 jüdische Kreative und Führungskräfte unterschrieben einen offenen Brief gegen den 58-Jährigen.

Zwar ging Sandra Hüller bei den Oscars leer aus, dafür konnte sich Holocaust-Film "The Zone of Interest", in dem die deutsche Schauspielerin mitwirkte, in den Kategorien "Bester internationaler Film" und "Bester Ton" ausgezeichnet. Die Dankesrede hielt der britische Regisseur Jonathan Glazer, nun wird er von jüdischen Filmschaffenden für ebendiese kritisiert: Stand jetzt unterschrieben mehr als 450 jüdische Kreative, Führungskräfte und Hollywood-Profis einen offenen Brief, der die Oscar-Rede anprangert.

Wie das US-Branchenblatt "Variety" zitierte, heißt es in der Erklärung: "Wir lehnen es ab, dass unser Jüdischsein zu dem Zweck missbraucht wird, eine moralische Gleichsetzung zwischen einem Naziregime, das versucht hat, eine Rasse von Menschen auszurotten, und einer israelischen Nation, die versucht, ihre eigene Ausrottung abzuwenden, zu ziehen."

Zu den Mitunterzeichnern gehören Debra Messing, Tovah Feldshuh und "La La Land"-Produzent Gary Gilbert. Auch Filmemacherin Amy Sherman-Palladino ("The Marvelous Mrs. Maisel") und Jennifer Jason Leigh ("The Hateful Eight") unterschrieben den Brief. Seit der ersten Veröffentlichung des Briefes haben circa 50 weitere Personen ihren Namen unter die Erklärung gesetzt.

"Verzerrt die Geschichte"

Das Schreiben bezieht sich auf die Rede von Jonathan Glazer, nachdem dieser den Oscar in der Kategorie "Bester internationaler Film" entgegengenommen hatte. "Alle unsere Entscheidungen wurden getroffen, um uns in der Gegenwart zu reflektieren und zu konfrontieren. Nicht um zu sagen: Schaut, was sie damals getan haben, sondern schaut, was wir heute tun", erklärte er auf der Bühne.

Glazer weiter: "Gerade jetzt stehen wir hier als Männer, die ablehnen, dass ihr Jüdischsein und den Holocaust von einer Besatzung gekapert wurde, die für so viele unschuldige Menschen zu einem Konflikt geführt hat. [...] Ob die Opfer des 7. Oktobers in Israel oder des andauernden Angriffs auf Gaza, alle Opfer dieser Entmenschlichung. Wie können wir Widerstand leisten?"

"Die Verwendung von Wörtern wie 'Besatzung', um ein einheimisches jüdisches Volk zu beschreiben, das ein jahrtausendealtes Heimatland verteidigt und von den Vereinten Nationen als Staat anerkannt wurde, verzerrt die Geschichte", heißt es in der Erklärung der Briefunterzeichner weiter. Sie unterstütze ein Narrativ, das den "wachsenden antijüdischen Hass in der ganzen Welt, in den Vereinigten Staaten und in Hollywood schürt".