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Pakistans Ex-Diktator Pervez Musharraf ist tot

Islamabad (dpa) - Der frühere pakistanische Präsident und Militärmachthaber Pervez Musharraf ist tot. Er starb in Dubai nach langer Krankheit, wie seine Familie der Deutschen Presse-Agentur bestätigte. Musharraf wurde 79 Jahre alt. 2018 wurde bei Musharraf die chronische Stoffwechselkrankheit Amyloidose diagnostiziert. Seit vergangenem Jahr wurde er seiner Familie zufolge beatmet.

Musharraf wurde 1943 in Neu Delhi geboren. Nach der Teilung Indiens zog die muslimische Familie nach Pakistan. Sein Vater war Diplomat. Musharraf verbrachte als Kind sieben Jahre in der Türkei. Seine Soldatenlaufbahn begann an der pakistanischen Militärakademie. 1964 wurde er Offizier in einem Artillerieregiment und kämpfte 1965 und 1971 gegen Indien.

1998 wurde er zum Armeechef befördert. «Ich wurde bekannt als guter Anführer», schrieb er in seiner Autobiografie. «Ich bin stolz darauf zu sagen, dass ich von jedem unter meinem Kommando immer geliebt wurde.» Fast 50 Jahre lang trug er Uniform.

In dieser Uniform putschte er sich als Generalstabschef im Oktober 1999 auch an die Macht. Er kam so seiner Absetzung durch Nawaz Sharif zuvor. Er verteidigte sich damit, Sharif habe die Armee schwächen wollen. Im Ausland machte er sich dadurch unbeliebt, Pakistan wurde vorläufig aus der Commonwealth-Organisation ausgeschlossen.

Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in New York und Washington schloss sich Musharraf dem von US-Präsident George W. Bush geführten Antiterrorkampf an. Aus Sicht der einflussreichen Islamisten im Land wurde Musharraf damit zum Verräter - mehrere Mordanschläge und Todesdrohungen durch die Taliban folgten.

Auch wenn er sich offiziell auf die Seite der USA stellte - religiöse Extremisten ließ Musharraf lange Zeit weitgehend unbehelligt gewähren. Wegen seiner Hilfe für die USA wurde er auch als «Busharraf» verspottet. Pakistan wurde damals wie heute verdächtigt, ein doppeltes Spiel zu spielen.

Der Schlüsselmoment in seiner persönlichen Geschichte

Noch während seiner Amtszeit legte Musharraf 2006 eine Autobiografie vor. Sie heißt «In the Line of Fire» - In der Schusslinie. Musharraf stellt sich darin als einen geborenen Anführer dar. Doch viele Pakistaner hielten ihn schon damals für den falschen Präsidenten.

Als Zugeständnis an seine wachsenden Kritiker legte Musharraf 2007 die Uniform ab und trat als Militärchef zurück. Beobachter sahen dies als Schlüsselmoment in seiner persönlichen Geschichte. Damit verlor er seine wichtigste Machtbasis. Die Armee war dem Familienvater ein zweites Zuhause, die Uniform nannte er seine «zweite Haut».

Dann kündigte er eine freie und faire Parlamentswahl an. Die Wahl geriet zu einem Fiasko für den Präsidenten und die ihn unterstützende Regierungspartei, die Pakistanische Muslim-Liga. Musharraf stand zwar selbst nicht zur Wahl, die Abstimmung wurde aber als Referendum über seine Politik gewertet. Die Opposition siegte haushoch und trieb Musharrafs Entmachtung voran.

Nach seinem Rücktritt 2008 ging er ins selbstgewählte Exil. 2013 kehrte er nach Pakistan zurück, um bei der Parlamentswahl zu kandidieren, was ihm allerdings ein Gericht untersagte.

2019 zum Tode verurteilt

Die Jahre nach seiner Rückkehr waren von Anklagen und Prozessen gezeichnet. Musharraf wurde unter Hausarrest gestellt, und mehrere Gerichtsverfahren wurden gegen ihn eröffnet, darunter für die mutmaßliche Beteiligung an der Ermordung der Oppositionspolitikerin und ehemaligen Premierministerin Benazir Bhutto.

2014 später folgte eine Anklage gegen ihn wegen Hochverrats. Ihm wurde vorgeworfen, mit der Verhängung des Ausnahmezustandes 2007 die Verfassung außer Kraft gesetzt zu haben. Musharraf wies die Vorwürfe als politisch motiviert zurück. 2016 wurde ihm gestattet, das Land zu verlassen, um sich in Dubai medizinisch behandeln zu lassen. Zuvor hatte er versprochen, sich nach seiner Rückkehr allen Vorwürfen zu stellen.

Im Dezember 2019 verurteilte ein Sondergericht in der Hauptstadt Islamabad Musharraf überraschend zum Tode. Das Urteil wurde aber bereits weniger als einen Monat später wieder aufgehoben. In seine Heimat kehrte er nicht mehr zurück.