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Rapper Alligatoah: “Angetreten, um Kontroversen auszulösen”

Als Alligatoah (33) im November das Aus seiner Karriere verkündete, konnten sich viele schon denken, dass das nicht das letzte Wort des Rappers ('Musik ist auch keine Lösung') war. War es auch nicht, denn nun erscheint ein Metal-Album.

Das Internet ist ein Spielplatz

Mit den neuen Tönen möchte Lukas Strobel, wie er mit bürgerlichem Namen heißt, neue Fans erreichen und seiner Meinung hat er das schon geschafft. In Wacken beim berühmten Festival hatte er gute Erfahrungen gemacht – auch wenn es ein ziemliches Gemaule im Internet gab, dass er sich dorthin wagte. Aber da blieb der Niedersachse cool. "Was im Internet steht, nehme ich relativ analytisch wahr, und mit einer Distanz, als hätte das gar nichts mit mir zu tun", erzählte der 'Watson'. "Das mag kalt und abgebrüht klingen, aber für mich ist das Internet ein Spielplatz, der nichts mit der echten Welt zu tun hat. Was für mich am Ende zählt, ist vielmehr, was vor Ort passiert. Denn auch beim Wacken wurde zuvor kontrovers diskutiert, und was ich dann gesehen hab, war, dass der Bereich vor der Bühne komplett voll mit ausrastenden Menschen war." Er hakt das nun als Erfolg ab.

Alligatoah will den Leuten auf den Schlips treten

Allerdings weiß Alligatoah auch, dass man nicht so einfach die Metal-Szene erobert und ein gewisser Gegenwind aus der Fangemeinde normal ist. Aber auch das ficht ihn nicht an. "Das ist für mich ein gutes Zeichen, weil ich dort in der Lage bin, den Leuten noch auf den Schlips zu treten und sie aus ihrer Komfortzone rauszukitzeln. Genau da will ich hin", gab der Star bekannt. "Es nervt mich, nur positive Kommentare zu lesen, weil ich dann das Gefühl habe, nur Menschen zu erreichen, die es eh gut finden. Sowas ist schön und gut, aber ich bin auch angetreten, um Kontroversen auszulösen und das schafft man nur, wenn es auch Hate gibt."

Und natürlich waren einige Fans nicht begeistert, als er sich von ihnen werbewirksam abwandte und seinen "Karrieretod" verkündete. Den er übrigens schon Jahre vorher angedeutet hatte und angeblich nicht drumherum kam. "Die zehn Jahre (sind) um und ich muss mich... ich muss mich an meinen Gag halten. Ich bin am Ende des Tages ein Sklave meines Witzes.", erklärte Alligatoah vollmundig in seinem Kurzfilm 'Lost Documentary' von seinem musikalischen Tod. Aber der hielt ja nicht so lange an.

Bild: picture alliance/dpa | Bernd von Jutrczenka