Schumachers Woche: In der Steinzeit wie heute: Es gilt das gemalte Wort

Steinzeitmenschen hatten es leichter - zumindest, was die Kommunikation anging, meint Hajo Schumacher.

Der Steinzeitmensch war ein schlaues Kerlchen. Er ernährte sich, ganz paläo, weitgehend kohlehydratfrei, womit er karge Wochen mit Pulverdrinks verhinderte. Vor allem aber kommunizierte er hocheffektiv, was ihm Shitstorms oder zumindest böse Leserbriefe ersparte. Mit Kohle rasch ein Strichmännchen an die Höhlenwand gekritzelt, das einen Stock über dem Kopf schwingt. Waffe? Werkzeug? Selfie-stick? Bis heute rätseln Kunstsinnige in aller Welt. So wenig Kohle, so viel Wirkung. Facebook funktioniert umgekehrt.

Doch die Evolution hat ein Herz, sie funktioniert manchmal rückwärts. Nach ein paar Jahrhunderten lästigen Lesens und Schreibens und aller seiner Reformen sind wir wieder an der Höhlenwand angekommen. In Zeiten, da sich der Mensch auch mit Kopfhörern verständigen muss, ist das Prinzip Höhlenwand zurück. Geschriebenes gilt im Digitalozän als Zeitverschwendung, weshalb die einstmals texthaltige SMS heute oft mit Emojis auskommt, gezeichneten Gefühlen. Statt wortreicher Ostergedichte postet der moderne Mensch auf Instagram ein Maiglöckchen, den Vom-Eise-befreit-Schmus darf sich der goethefeste Empfänger denken.

Gänsefüßchen mit Fingern in die Luft posten

Schwieriger wird es da schon bei der persönlichen Kommunikation, bei der ein Trend zur Scharade zu erkennen ist. Immer mehr Menschen posten beidhändig mit Mittel- und Zeigefinger Gänsefüßchen in die Luft, wenn sie "Dingsbums" sagen. Die Botschaft: Weil ich vorwiegend in Bildern denke und deswegen den korrekten Begriff nicht parat...

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