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Sehnsuchtsland Fußballdeutschland: TV-Doku begleitet den Traum zweier Geflüchteter

Die gebürtigen Albaner Elidon (rechts) und Erion Bilali hoffen in "Flucht und Fußball. Die Geschichte der Brüder Bilali" auf ein neues Leben - und einen Profivertrag. (Bild: WDR Kommunikation / Redaktion Bild)
Die gebürtigen Albaner Elidon (rechts) und Erion Bilali hoffen in "Flucht und Fußball. Die Geschichte der Brüder Bilali" auf ein neues Leben - und einen Profivertrag. (Bild: WDR Kommunikation / Redaktion Bild)

Ihre Mutter ist tot, ihr Vater weg, aber die Brüder Elidon und Erion Bilali aus Albanien haben einen Traum: Als Geflüchtete kommen sie nach Deutschland und wollen Fußballprofi werden. Eine WDR-Doku begleitet die Brüder von 2015 bis 2023 - und veranschaulicht die integrative Wirkung des Fußballs.

Im Jahr 2015 kamen zahlreiche Geflüchtete in Deutschland an, vornehmlich aus Kriegsgebieten. Mit der Aussicht auf ein besseres Leben machten sie sich auf den Weg nach Deutschland. Nur die wenigsten dürften ein so klares Ziel verfolgt haben wie die Brüder Elidon (damals 18) und Erion Bilali (15) aus der albanischen Hauptstadt Tirana: "Wir sind nur zum Fußballspielen hergekommen", erklärt Elidon zu Beginn der sehenswerten "Sport inside"-Langzeitdoku "Flucht und Fußball. Die Geschichte der Brüder Bilali" (Donnerstag, 30. November, 23.15 Uhr, WDR). Es ist nicht nur die Geschichte einer Muster-Integration, der Film dokumentiert insbesondere die integrative Kraft des Fußballs, wenngleich sich der ganz große Traum vom Profifußball wohl nicht erfüllen wird.

Chronologisch schildert der Dokumentarfilm von Tom Theunissen die Geschehnisse um die Brüder von 2015, nachdem sie sich ganz alleine über die Balkan-Route auf den Weg machten, bis heute, und zeichnet ihren Weg von der Erstaufnahmeeinrichtung über Schule und Ausbildung bis zur Hochzeit nach. Dabei dient der Fußball einmal mehr als verbindendes Element und in dunklen Zeiten als Hoffnungsschimmer.

"Wir haben im Fernsehen gesehen, dass viele Leute nach Deutschland einreisen. Vielleicht haben wir eine Möglichkeit", berichtet Elidon über den Entschluss der alleinreisenden Teenager. Seine erste sportliche Station heißt 2015 FC Horizont International. So nennt sich das Team der Erstaufnahmeeinrichtung in Rees am Niederrhein, trainiert vom sich aufopferungsvoll kümmernden Freizeitpädagogen Chris Terhart. Fußball ist für die jungen Männer ein Ventil, die regelmäßigen Trainingseinheiten und Spiele powern sie aus und vertreiben die omnipräsente Langeweile, arbeiten darf schließlich keiner. Weniger Stress in der Einrichtung, in der acht Männer zusammen in einem Zimmer Schlafen, sei die Folge.

Die sehenswerte Doku "Flucht und Fußball. Die Geschichte der Brüder Bilali" begleitet zwei Teenager bei den Hürden der Integration. (Bild: WDR Kommunikation / Redaktion Bild)
Die sehenswerte Doku "Flucht und Fußball. Die Geschichte der Brüder Bilali" begleitet zwei Teenager bei den Hürden der Integration. (Bild: WDR Kommunikation / Redaktion Bild)

"Ohne Fußball wäre ich nicht so weit gekommen in Deutschland"

Mit ihrem Talent stechen die Brüder in Terharts Truppe heraus, wenngleich Erion noch deutlich zu jung ist. "Ich hoffe, eines Tages bei Arminia Bielefeld zu spielen", sagt sein älterer Bruder Elidon zu Beginn der Doku. Warum ausgerechnet der damalige Zweitligist? Hier findet sein erstes Probetraining statt.

Sein Bruder Erion begleitet ihn, gefahren wird er von Chris Terhart, der den Tag mit Handyvideos festhält. Mit dem Vertrag wird es nichts, er schnürt die Schuhe stattdessen für den kleinen Verein Amisia Rheine. Was wie ein herber Rückschlag klingt, erweist sich als Glücksgriff: Der Vorsitzende verschafft Elidon zunächst ein Praktikum, dann einen Ausbildungsplatz in seiner Gewerbehalle, wo er Wandbilder versandfertig verpackt.

Da ihre Mutter verstorben ist und der Vater verschwunden, werden Elidon und Erion schließlich geduldet. Für Albaner, oft als sogenannte "Wirtschaftsflüchtlinge" deklariert, ist dieser Status sehr ungewöhnlich - und für die beiden ein Glücksfall. Und der Profifußball-Traum? In weiteren Probetrainings bei Rot Weiss Ahlen und Preußen Münster fällt der Albaner durchs Raster, schließlich landet er bei einem Landesligisten mit dem klangvollen Namen SV Hönnepel-Niedermörmter. Doch immerhin lässt sich auf gehobenem Amateurniveau schon etwas verdienen. Der Preis dafür: Elidon muss umziehen und sein minderjähriger Bruder, der ebenfalls eine Ausbildung angefangen hat, weitestgehend alleine klarkommen.

Abseits des Platzes läuft es aber ganz hervorragend. Elidon heiratet bereits mit 18 Jahren seine Melisa, inzwischen haben die Brüder den deutschen Pass. Auch, wenn Elidon 2023 als Vertragsamateur in der Oberliga beim 1.FC Kleve spielt, wirkt der inzwischen 26-Jährige glücklich: "Ich denke mal, ohne Fußball wäre ich nicht so weit gekommen in Deutschland."