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Sensationswechsel von Verstappen?

Auf der Strecke hat man Max Verstappen (26) die Unruhe im Red Bull-Team, die auch an den Nerven des dreimaligen Weltmeisters zerrt, nicht angemerkt. Da dominierte der Niederländer mit 20 Sekunden Vorsprung auf seinen Teamkollegen Sergio Perez fast noch mehr als im Vorjahr.

Doch wer beim Jubel im Parc Fermée genau hinschaute, dem fiel auf: Erst herzte Verstappen ausgelassen Red Bull-Chefberater Helmut Marko und Superhirn Adrian Newey, die in der einen Ecke standen. Dann erst ging er etwas verhaltener zu Red Bull-Mehrheitsanteilseigner Chalerm Yoovidhya sowie Teamchef Christian Horner und holte sich dort auch die Gratulation von Manager Raymond Vermeulen sowie Vater Jos Verstappen ab.

Die Szene könnte besser kaum zeigen: Die Affäre um anzügliche Chatnachrichten und Vorwürfe einer Mitarbeiterin gegen Teamchef Horner hat Red Bull gespalten.

Auf der einen Seite die Österreicher mit Mateschitz-Erbe Mark Mateschitz, Sportchef Oliver Mintzlaff und eben Helmut Marko sowie Adrian Newey, die die mutmaßlichen Grenzüberschreitungen des Briten ernst nehmen und Konsequenzen für nötig halten. Auf der anderen Seite die 51-Prozent-Besitzer aus Thailand, die Horner stützen und um jeden Preis halten wollen.

Red-Bull-Drama: Horner flaniert mit Ex-Spice-Girl

Die Causa dominierte das Rennwochenende in Bahrain wie kein anderes Thema.

Doch obwohl ein vermeintlicher Leak der Beweise inklusiver peinlicher Fotos den Teamchef im Fahrerlager bloßzustellen versuchte, schaffte es Horner immer wieder über die Affäre hinwegzulächeln. Am Sonntag erschien er gar mit Ehefrau und Ex-Spice-Girl Geri Halliwell im Fahrerlager und präsentierte sich verliebt wie am ersten Tag.

Zwischen den Fronten - zumindest in der Öffentlichkeit - ist Sieger Max Verstappen. Ihm macht die Situation, so erfuhr SPORT1, mehr zu schaffen, als dem Dauer-Dominator anzumerken wäre.

Ein Auge für die Grabenkriege bei Red Bull hat Ralf Schumacher. „Das spricht Bände“, sagt der Sky-Experte über den großen Graben rund um den Parc Fermée: „Ich fand auch, dass Max sich verhalten gefreut hat. Die Zerreißprobe ist noch nicht vorbei - entweder sie müssen sich alle gegenseitig entschuldigen oder einer muss gehen. Der Schaden an der Marke ist gigantisch.“

Mercedes-Teamchef Wolff plaudert mit Verstappen-Vater

Auf dem Spiel steht nicht weniger als die sportliche Zukunft von Red Bull Racing.

Da passt es nur zu gut ins Bild, dass die Live-Kameras Mercedes-Teamchef Toto Wolff später im Fahrerlager beim vertrauten Plausch mit Verstappen-Papa Jos einfangen.

Eigentlich herrscht seit der Kollision zwischen Verstappen junior und Lewis Hamilton in Silverstone 2021 Funkstille zwischen beiden Parteien. Bahnt sich da angesichts des Red Bull-Dilemmas etwa ein Comeback der Freundschaft an?

Wie passend auch: Mercedes-Teamchef Wolff hat für 2025 noch ein Cockpit zu vergeben und sucht nach adäquatem Ersatz für keinen Geringeren als den siebenmaligen Weltmeister Lewis Hamilton.

Wolff spielt das Treffen zunächst runter: „Ich kenne den Jos 25 Jahre - mit Höhen und Tiefen und habe einfach zur Leistung seines Sohnes gratuliert. Max fährt in einer eigenen Galaxie.“

Verstappen als Hamilton-Nachfolger bei Mercedes?

Auf die Nachfrage, ob Verstappen 2025 im Mercedes landen könnte, versteht der Wiener erst den Wortlaut nicht, grinst dann aber selbst angesichts Verstappens Vertragslaufzeit bis 2028 vielsagend: „Alles ist möglich.“

Da sieht auch Ralf Schumacher so: „Bei Red Bull herrscht so viel Unruhe. Ich könnte mir vorstellen, Max Verstappen sagt, er macht ganz etwas Anderes. Ein Teamgefüge ist sehr fragil. Passiert so etwas wie jetzt bei Red Bull, bricht alles sehr schnell auseinander.“

Auch Chefdesigner Adrian Newey, der sich ebenfalls von Horner abgewandt hat, sieht er mittlerweile nicht mehr fix im Team des Energy-Drink-Multis: „Adrian hat alles erreicht und will nur noch in Ruhe Autos bauen. Dann steht Horner alleine da mit seinem Zeichenbrett.“

Schumachers Rat an die Red Bull-Entscheider: „Bevor ich Newey und Verstappen verliere, würde ich versuchen, eine andere Lösung zu finden. Der Frieden muss zurück ins Team.“

Formel 1: Marko blockt ab - aber Wolff hat Blut geleckt

Helmut Marko weiß das. Als Berater sind dem Weltmeistermacher aus Graz operativ aber die Hände gebunden.

Sein Lebenswerk steht auf dem Spiel - und das weiß er auch, obwohl er es nicht zugeben mag: „Die Diskussionen an diesem Wochenende waren nicht angenehm, aber wir haben versucht, uns aufs Sportliche zu konzentrieren. Wir haben heute gesehen, dass das Team eine unglaubliche Leistung gebracht hat und gehen davon aus, dass unsere Stärke und der Zusammenhalt erhalten bleiben.“

Ein Selbstläufer ist das nicht. Zumindest Toto Wolff hat jetzt Blut geleckt.