Sex im Fernsehen: Was ist erlaubt, was verboten?

Willy Flemmer
Freier Autor für Yahoo

Nacktheit und Sex hat sich in den letzten Jahren zunehmend ins Internet verlagert. Das Fernsehen wurde in dem Zuge immer braver. Verboten ist Sex im TV allerdings nicht, wenngleich die Sender strikte Regeln beachten müssen. Was aber darf im Fernsehen in puncto Sex und Nacktheit gezeigt werden und was ist verboten?

Ist eine solche Liebesszene schon zu freizügig für das deutsche Fernsehen? (Bild: Getty Images)

Wer in den 1980er- und 1990er-Jahren mit dem Fernsehen kultiviert wurde, der weiß: Das Programm war damals deutlich freizügiger als heute. Da tanzten zur Primetime in einer Erotiksendung wie “Tutti Frutti” Kandidaten und Models schon mal halb nackt auf der Bühne. Und am Wochenende gab es regelmäßig vor allem bei den Privatsendern Sex-Streifen zu sehen – stilistisch schwankend zwischen den Weichzeichner-Erotikfilmen eines David Hamilton und Klamotten a lá “Beim Jodeln juckt die Lederhose”. Sender wie RTL und Sat. 1 waren im Aufstreben begriffen und publikumswirksame Sexfilme halfen ihnen, in der Branche Fuß zu fassen.

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Braves Fernsehen, prüde Gesellschaft

Heute ist das Fernsehen braver. Explizite Erotikfilme sind auf den Sendeplätzen großer Fernsehanstalten Mangelware. Wer nackte Haut und Sex sehen will, geht ins Internet. Das Überangebot an sexualisierten Inhalten auf den einschlägigen Portalen dürfte auch der Grund sein, warum sich das Fernsehen dem Thema immer seltener widmet. Auf YouPorn, PornHub und Co. geht es richtig zur Sache, wen kümmern angesichts des vielfältigen Porno-Angebots schon die Juckreize in bayerischen Lederhosen und die weichgezeichnet-entblößten Brüste von Emmanuelle und Co.?

Auch scheint unsere Gesellschaft insgesamt prüder geworden – ein weiterer Grund, warum der Fernsehen-Sex heute eher unter der Bettdecke stattfindet. Das Fernsehen ist also puritanisch, weil auch wir es sind – das ist auch die Meinung des Medienwissenschaftlers Gerd Hallenberger: “Sex im Film oder in der Werbung war das Symbol eines den Sinnen und der Welt zugewandten Lebens, in dem Lust und Genuss im Vordergrund standen”, so der Medienexperte in einem Zitat der Stuttgarter Nachrichten. “Diese Zeiten sind vorbei, nackte Haut hat für viele Zielgruppen keinen Reizwert mehr oder ruft sogar Ablehnung hervor …”.

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Freizügigen Sex bis hin zur Pornographie finden die Zuschauer heute eher im Internet. (Bild: Getty Images)

Gänzlich verschwunden ist Sex und Nacktheit von der Mattscheibe indes nicht. Es wird sich noch immer geliebt in den Szenen von Filmen und Serien. Dabei kommt durchaus auch mal nackte Haut zum Vorschein. Hier schimmert sogar schon mal eine weibliche Brust durch, dort sieht man auch mal den Penis des Mannes. Sex sells eben – nach wie vor. Doch wie freizügig dürfen TV-Sendungen eigentlich sein? Bis zu welchem Ausmaß dürfen nackte Haut und sexuelle Handlungen gezeigt werden? Wie explizit dürfen entblößte Körperteile und Geschlechtsverkehr ins Bild gerückt werden?

Was darf gezeigt werden, was ist verboten?

Nach wie vor gilt: Pornografie im Fernsehen ist ein großes Tabu. Bei pornografischen Inhalten jeglicher Art sehen die Wächter des seit 1. April 2003 geltenden Jugendmedienschutzes rot. Sendungen also, die grobe Darstellungen von sexuellen Handlungen zum Inhalt haben, die den Sexualtrieb anregen und Menschen zu Objekten degradieren, sind verboten. Erst recht gilt das für die sogenannte harte Pornografie. Damit sind Darstellungen gemeint, die zusätzlich zu pornografischen Inhalten auch sexuellen Missbrauch, Gewalt und sexuelle Handlungen von Mensch und Tier zeigen.

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Wie explizit dürfen sexuelle Handlungen im Fernsehen sein? (Bild: Getty Images)

Aber auch bei nicht pornografischen Inhalten, die aber mit Nacktheit und Sexualität zu tun haben, sind die Frauen und Männer in der Kommission für Jugendmedienschutz und der Landesmedienanstalt in Alarmbereitschaft. An sie oder den Jugendschutzbeauftragten sollen sich die Fernsehredakteure/innen in Zweifelsfällen wenden. Dazu gehört auch die Darstellung von Oralverkehr. Ebenso befinden sich Bilder und Szenen, die einen erigierten Penis und Onanie zum Inhalt haben, in der gesetzlichen Grauzone. Und: Je nach Härtegrad der Darstellung liegen auch Motive wie Sadomaso, Gruppensex und Prostitution im Ermessen des Betrachters.

Fazit: Darstellungen von Nacktheit und Sex ist im Fernsehen erlaubt, weshalb entsprechende Szenen in den TV-Formaten durchaus vorkommen – wenngleich sie seltener geworden sind. Zum Schutz vor allem des jungen Publikums gibt es jedoch Grenzen. Werden die überschritten, fallen die entsprechenden Darstellungen der Schere zum Opfer.

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