So unsicher sind Geschenkgutscheine

Der Handel mit Geschenkkarten boomt. Die Gutscheine im Scheckkartenformat gibt es mittlerweile in großer Auswahl selbst bei Kiosken, Supermärkten und Tankstellen zu kaufen. Das Prinzip ist simpel, bequem – und extrem gefährlich, wie Experten jetzt aufgedeckt haben. Demnach ist es für Betrüger ein Leichtes, sich das Guthaben unter den Nagel zu reißen.

Bei Geschenkkarten kauft man risikoreich ein (Bild: Retailo)

Gutscheinkarten sind für den Handel eine prima Sache. Ihr Geldwert wird erst mit dem Kauf an der Kasse aktiviert, sie müssen daher im Geschäft nicht extra gesichert werden. Für den Kunden hat das Prinzip ebenfalls unbestreitbare Vorteile. Schnell ist auf diese Art ein Geschenk gefunden, das der Empfänger auf denkbar einfache Weise einlösen kann. All diese Annehmlichkeiten haben aber einen hohen Preis. Wie das Fachmagazin „c’t“ herausgefunden hat, lassen sich die Guthaben von Geschenkkarten denkbar einfach stehlen.

„c’t“-Redakteur Mirko Dölle hält denn auch „Schlechtscheine“ für die korrektere Bezeichnung. Wenn man im Geschäft mit einer solchen Karte bezahlen will und gesagt bekommt, es sei kein Gutschein vorhanden, könne das „natürlich prinzipiell ein Computerfehler sein. Aber es könnte auch sein, dass man einfach Opfer von Betrügern geworden ist“, warnte Dölle im Videopodcast „c't uplink“. Für ihn ist das auf simplen Barcodes basierende System geradezu eine Einladung an Betrüger.  

Die meisten Geschenkkarten sind mit einem Barcode versehen und kleben auf einem Pappträger. Damit die Karte zum Scannen nicht abgelöst werden muss, befindet sich der identische Barcode auch noch auf der Rückseite des Pappträgers. Der Strichcode enthält Informationen über Geldwert und Kartennummer. Und so einfach geht der Guthaben-Klau: Der Dieb löst im Geschäft zwei identische Karten ab, klebt sie auf den jeweils anderen Pappträger und steckt einen der Gutscheine ein. Kauft nun ein Kunde die ausgetauschte Geschenkkarte, wird in Wahrheit die Karte des Diebs aktiviert.

„Das Schlimme ist, dass der Kunde faktisch nicht nachweisen kann, dass er die richtige Karte gekauft hat“, gab der „c’t“-Experte zu bedenken. Hinzu komme, dass der Betrüger im Besitz der Originalkarte sei. Zusätzliche Sicherheitsmerkmale wie eine aufgedruckte PIN nutzen deshalb rein gar nichts. Kriminelle können auch einfach den Barcode einer eigenen Karte kopieren und auf andere Gutscheine kleben. Werden diese gekauft, wird das Guthaben des Diebs aufgeladen. Laut dem Test sind auch Geschenkkarten mit Magnetstreifen mithilfe eines Lesegeräts einfach zu duplizieren.

In welchem Ausmaß derzeit mit Geschenkkarten betrogen wird, ist unklar. Vertreiber Retailo sprach laut „c’t“ nur von Einzelfällen in Europa. Deshalb gebe es bei den Sicherheitsvorkehrungen keinen Handlungsbedarf. Media Markt und Saturn sehen das anders: Sie planen die Umstellung auf fälschungssichere Gutscheine, wie Experte Dölle ankündigte.