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Die Sommerzeit ist wieder da, aber sparen Zeitumstellungen wirklich Energie?

Die Sommerzeit ist wieder da, aber sparen Zeitumstellungen wirklich Energie?

Am 31. März werden die Menschen in ganz Europa ihre Uhren um eine Stunde vorstellen, aber es könnte eines der letzten Male sein, dass dies geschieht.

Die europäischen Bemühungen um eine Abschaffung der Zeitumstellungen könnten durch eine Petition von Experten wiederbelebt werden.

Sie hoffen, dass das Thema bei den am 9. Juni stattfindenden Wahlen zum EU-Parlament aufgegriffen wird.

2018 hatte die Europäische Kommission vorgeschlagen, die zweimalige Zeitumstellung pro Jahr abzuschaffen. Das Europäische Parlament unterstützte diesen Vorschlag mit einer Resolution im März 2019 nachdem es bereits zuvor die Abschaffung gefordert hatte, als eine Öffentlichkeitskonsuktation der Kommission eine starke Unterstützung für die Abschaffung der Zeitumstellung ergeben hatte.

Der Vorschlag sollte 2021 in Kraft treten, wurde jedoch bis heute nicht umgesetzt, weil sich die EU-Mitgliedsstaaten noch nicht auf eine gemeinsame Regelung einigen konnten.

Eine der wichtigsten Fragen, die noch nicht abschließend beantwortet werden konnte, ist, ob die Sommerzeit tatsächlich den Energieverbrauch senkt.

Mehrere Studien haben ergeben, dass die Auswirkungen der Sommerzeit auf die Umwelt vernachlässigbar oder sogar negativ sind. Ist die Zeit also reif für ein Adieu an die saisonale Umstellung der Uhren?

Warum wurde die Sommerzeit in Europa eingeführt?

Im Vereinigten Königreich und in Deutschland wurde die Sommerzeit eingeführt, um während des Ersten Weltkriegs Kohle zu sparen. Nach Kriegsende wurde sie abgeschafft, aber in den 1980er Jahren wieder eingeführt, als die Notwendigkeit, Ressourcen zu sparen, aufgrund der weltweiten Ölkrise wieder aufkam.

Seit 2002 müssen alle Länder der Europäischen Union - mit Ausnahme von Island - ihre Uhren am letzten Sonntag im März und Oktober umstellen.

Verringert die Sommerzeit den Energieverbrauch?

Mehrere Studien in Europa und den USA zeigen, dass die Sommerzeit nur sehr geringe Auswirkungen auf die Energieeinsparung hat.

In Italien hat die Italienische Gesellschaft für Umweltmedizin errechnet, dass das Land allein durch die Verschiebung der Zeitumstellung von Ende Oktober auf Ende November 70 Millionen Euro an Brennstoffkosten einsparen würde.

Eine Studie von Forschern der Karlsuniversität in Prag verwendete stündliche Daten aus den Jahren 2010 bis 2017 und kam zu dem Ergebnis, dass die Sommerzeit in der Slowakei zu geschätzten Energieeinsparungen in Höhe von nur 0,8 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs führte.

In den USA ergab eine Studie des Verkehrsministeriums aus dem Jahr 1975, dass die Sommerzeit etwa 1 Prozent des Energieverbrauchs des Landes einspart.

Diese unbedeutende Einsparung könnte zum Teil darauf zurückzuführen sein, dass viele Menschen in den USA vor 7 Uhr aufstehen. Ein Großteil der Energie, die dadurch eingespart wird, dass das Licht abends nicht eingeschaltet wird, wird dadurch wieder ausgeglichen, dass es morgens eingeschaltet wird.

In einer Veröffentlichung aus dem Jahr 1993 über den Kraftstoffverbrauch (Gas, Kohle) in Frankreich und Belgien wurde ein Anstieg des Kraftstoffverbrauchs durch die Sommerzeit aufgrund zusätzlicher Fahrten festgestellt. Dies wurde durch Studien über die Ausbreitung von Schadstoffen untermauert.

Natürliche Zeitzonen, die so nah wie möglich an der Sonnenzeit liegen, dürften die täglichen Licht- und Temperaturkurven besser mit unseren Zeitplänen in Einklang bringen.

Dies könnte zu Energieeinsparungen bei der frühmorgendlichen Industrie- und anderen Beleuchtungen, beim frühmorgendlichen Heizen in den kälteren Monaten, wenn die Menschen eine Stunde später zur Arbeit gehen, und zu weniger Klimaanlagen im Auto auf dem Weg nach der Arbeit und am Abend zu Hause führen.

Wird Europa seine Uhren nicht mehr umstellen?

Letztes Jahr forderten Experten den Rat der Europäischen Union auf, das Thema der Abschaffung der Zeitumstellung auf seine Tagesordnung zu setzen.

Da der Vorschlag zur Abschaffung der Zeitumstellung noch nicht umgesetzt wurde, hoffen die Befürworter der Abschaffung, dass das Thema nun beim Europawahlkampf behandelt wird.

Die Time Use Initiative hat ein EU-Manifest zur Zeitpolitik veröffentlicht, das zwölf notwendige Änderungen enthält, die Europa vornehmen sollte, um das "Recht auf Zeit" für alle Europäer zu gewährleisten.

"Die EU muss auf die negativen Auswirkungen falsch eingestellter Uhren reagieren, indem sie sich für die Einführung dauerhafter Zeitzonen in Europa einsetzt, die so nah wie möglich an der Sonnenzeit (natürliche Zeit) liegen", heißt es in dem Manifest.

"Falsch eingestellte Uhren, die den Zeitplan früher beginnen lassen als der natürliche Tag-Nacht-Zyklus, führen zu Schlafmangel und haben negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit, Wirtschaft und Sicherheit. Die EU hat die Macht, dies zu ändern."