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Sonnen- und Windkraftanlagen auf 53 000 Hektar: Streit um Spaniens Stromgroßvorhaben

Die Felder von Méntrida in der Provinz Toledo südwestlich von Madrid sind die Lebensgrundlage für Hunderte von Menschen. Viele betreiben Landwirtschaft. Bald sollen hier Solarzellen zuhauf stehen, um mit der Kraft der Sonne Strom zu erzeugen.

Rund ein Drittel der Gemeindefläche wird dafür gebraucht. Spanien leidet ohnehin unter Landflucht. Méntrida werde durch die riesigen Solaranlagen weiter an Anziehungskraft verlieren, meinen sie hier.

Landbevölkerung begehrt auf

Pilar Jiménez-Landi vom Verein „Rettet das Land“ fragt: „Was wollen die tun? Wollen Sie unsere Landschaft, unsere landwirtschaftliche Lebensweise in vielen Dörfern zerstören? Und wozu? Damit andere Industriezweige die Energie bekommen und im Gegenzug die ganze Landschaft in einigen Gegenden Spaniens zerstört wird.“

Mehr als zweihundert Vereine und Initiativen haben sich gegen dieses und ähnliche Großvorhaben zusammengeschlossen, die ihrer Meinung kaum Arbeitsplätze schaffen werden. Die Regierung hat grünes Licht für 182 Wind- und Sonnenkraftanlagen erteilt, die auf einer Gesamtfläche von 53 000 Hektar errichtet werden sollen.

Spaniens Bedarf: 200 Gigawatt an erneuerbarem Strom

euronews-Mitarbeiter Jaime Velázquez berichtet: „Es wird geschätzt, dass Spanien 200 Gigawatt an erneuerbarem Strom braucht, um seine Ziele in Sachen Kohlenstoffneutralität zu erreichen. Die Frage ist, wie man das mit der Erhaltung von Umwelt und Landschaft in Einklang bringen kann.“

Im Weingut Viñedos del Río Tajo wird ein Pilotversuch durchgeführt: Solarzellen dienen nicht nur zur Stromerzeugung, sondern bei Bedarf auch als Schattenspender für die Pflanzen. Ein Algorithmus berechnet den Bedarf und verschiebt die Solarzellen. Bei zu starker Sonneneinstrahlung werden die Weinstöcke auf diese Weise vor dem Verdorren bewahrt.

Weinbauer Miguel Tejerina erläutert: „Für den Fall, dass die Solarzellen und die Weinstöcke gut zusammenwirken, könnte das auf Hunderttausende von Hektar im ganzen Land übertragen werden.“

Spanien übernimmt im Juli den Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Ministerpräsident Pedro Sánchez hat angekündigt, dass die Zukunft der Stromerzeugung eines der großen Themen der sechsmonatigen Amtszeit sein wird.