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Atlético am Boden: João Félix bald auf dem Markt?

Der Abschied von Atlético Madrid aus dem Europapokal bringt den Klub in eine sportliche und finanzielle Schieflage.

Die Europa League hätte den Rückschlag in der Champions League etwas abfedern können. Doch jetzt deutet vieles auf einen Ausverkauf bei Atleti im Januar hin.

Zerfällt die Truppe von Coach Diego Simeone nun? (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Porto stürzt Atlético in finanzielle Probleme

Die 1:2-Pleite in der Königsklasse beim FC Porto wird bei den Colchoneros Spuren hinterlassen. Beim Arbeiterklub hatten die Verantwortlichen zuvor gedacht, dass Leverkusen das Schlimmste gewesen wäre, allerdings brach die Mannschaft in Porto noch mehr zusammen.

Abschied von der Champions League, Abschied von der Europa League. Für Atlético ist das Aus extrem bitter, immerhin galt der Finalist von 2014 und 2016 als klarer Favorit in der Gruppe. Stattdessen gelangen nur ein Sieg sowie zwei Remis bei drei Pleiten. Zudem schossen die Spanier magere fünf Treffer und wurden Letzter in der Gruppe B!

Dabei ging es am letzten Spieltag im O Dragao nur um Schadensbegrenzung - um das Absichern von Platz drei und der damit einhergehenden Qualifikation für die Europa League. Doch selbst das misslang - und Atlético gehen jede Menge benötigte Einnahmen flöten.

„Die wirtschaftliche Frage ist unsere Angelegenheit. Was immer wir brauchen und was wir übrighaben, ist unser Problem“, erklärte Präsident Enrique Cerezo noch vor dem Porto-Spiel patzig.

Aus der Sicht des Vereins schätzte man laut spanischer Medien, dass man durch das vorzeitige Ausscheiden aus der Königsklasse etwa 30 Millionen Euro verlieren würde. Das Loch wird sich nun auch nicht durch einen langen Ritt in der Europa League stopfen lassen.

Atleti-Ausverkauf nach Europa-Aus?

Cerezo wird sich also nach anderen Wegen umsehen müssen. Alle Augen richten sich jetzt wohl auf die Mannschaft. Es wird Abgänge geben, und alles deutet darauf hin, dass diese bereits im Wintertransfer-Fenster erfolgen werden.

Zum einen, weil Atléticos Konten, die schon seit geraumer Zeit angespannt sind, diese Einnahmen brauchen, die nun nicht mehr von den europäischen Abenden kommen werden. Zum anderen, weil sich die sportliche Planung komplett geändert hat.

Im Falle eines Sieges in Porto hätten die Colchoneros weiterhin auf drei Hochzeiten (La Liga, Copa del Rey und Europa League) getanzt und aufgrund der hohen Belastung einen tiefen, breiten Kader gebraucht.

Durch die unerwartete Niederlage bleibt der Mannschaft von Simeone aber nur noch die spanische Liga und der Pokal. Für diese Reise wird wohl ein Kader mit weniger Spielern ausreichen, vor allem in einigen Bereichen, denn in anderen gibt es sogar ein Defizit, wie zum Beispiel im Abwehrzentrum.

Für die sportliche Leitung und den Trainerstab wird es Zeit, eine Bestandsaufnahme zu machen und zu sehen, welche Spieler entbehrlich für mögliche Transfers oder Ausleihen sind.

Gerüchte um Verkauf von João Félix kochen hoch

João Félix wird bereits seit dem vergangenen Sommer als Verkaufskandidat gehandelt - unter anderem zeigte der FC Bayern Interesse - und im Januar sollte es um den Portugiesen nicht gerade ruhiger werden.

Mit 23 Jahren hat der 127-Millionen-Stürmer sowohl das größte Einsparpotenzial als auch den größten Wiederverkaufswert. Zudem gibt es immer wieder Gerüchte um einen Abschied der Angreifer Matheus Cunha und Alvaro Morata sowie den Mittelfeldspielern Rodrigo de Paul, Marcos Llorente, Yannick Carrasco und Thomas Lemar.

Aus all diesen Gründen war Europa für die Mannschaft auch so wichtig, denn je mehr Spiele, desto mehr Chancen für alle. Jetzt werden die Spielminuten jedoch reduziert, vor allem für diejenigen Spieler, die entbehrlich sind.

Die Europa League hätte immerhin Duelle mit namhaften Gegnern wie Manchester United, FC Arsenal, Juventus Turin, Ajax Amsterdam und den anderen spanischen Vertretern bieten können. Das wären spannende Spiele gewesen, wie es 2018 der Fall war, als Atlético den Titel gewann. Und sie hätten dringend benötigtes Geld durch Ticket-Verkäufe und Sponsorengelder eingebracht. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Hinzu kommt die UEFA-eigene Verteilung für die Ergebnisse: Das Erreichen des Achtelfinales bringt 1,2 Millionen ein, das Viertelfinale 1,8 und das Halbfinale 2,8 Millionen Euro. Das Erreichen des Finales in Budapest wird weitere 4,6 Millionen einbringen, der Gewinn des Finales weitere vier Millionen.

WM als einziger Lichtblick für Simeones Spieler

Für Atleti, das im vergangenen Sommer bereits große Anstrengungen unternommen hatte, um keinen wichtigen Spieler zu verlieren, wäre das mehr als (überlebens-)wichtig gewesen. Der doppelte europäische K.o. stellt also in jeglicher Hinsicht den stolzen Klub vor große Probleme.

Es wird schwierig sein, die Fans nun für das (grundsätzliche) Ziel zu begeistern, sich für die nächste Champions League zu qualifizieren, wenn Real Madrid und der FC Barcelona in La Liga bereits außer Reichweite sind und neun bzw. acht Punkte Vorsprung haben.

Darüber hinaus stehen bis zur WM-Pause nur noch ein Pokalspiel sowie zwei Ligaspiele an. Es bleibt also das Gefühl, dass die Saison sehr lang sein und das Vakuum der kontinentalen Wettbewerbe sich ab Februar wieder bemerkbar machen wird.

Kurzfristig gesehen bleiben Espanyol, Mallorca und Almazán - Spiele, in denen es wenig zu gewinnen, aber umso mehr zu verlieren gibt. Und dann eine Pause, die krampfhaft und scheinbar ewig dauern wird.

Nur die WM 2022, bei der zwischen zehn und zwölf Atlético-Spieler erwartet werden, wird die Stimmung mit einigen individuellen Leistungen etwas heben können. Auf der anderen Seite wird Katar aber auch als Schaufenster für einige Spieler mit ungewisser Zukunft dienen.

Denn ohne Europa droht Simeones Truppe im Wintertransfer-Fenster auseinander zu brechen. Ein unrühmliches Ende für den stolzen Argentinier und spanischen Top-Klub bahnt sich an.

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