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Ein beeindruckendes Comeback

„Die haben geglaubt, sie schlagen uns hier, dann ist die Ernüchterung umso schmerzhafter.“ Die Worte von Red Bull-Chefberater Helmut Marko treffen Ferrari tief ins rote Herz. Denn der Grazer hat recht: Im freien Training und den ersten beiden Quali-Segmenten sah es noch nach einem Ferrari-Durchmarsch aus. Am Ende steht trotzdem wieder Max Verstappen im Red Bull ganz vorn.

Der Zweitplatzierte Carlos Sainz kann sich deshalb auch nur teilweise freuen. „Wenn man mir vor zwei Wochen gesagt hätte, ich würde in Australien um die Pole kämpfen, hätte ich das hundertprozentig genommen“, räumt er ein. „Trotzdem ist es etwas enttäuschend, wenn man nach Q1 und Q2 noch auf Platz eins lag und weiß, dass man Zeit verloren habt.“ Tatsächlich fuhr der Spanier im Qualifying-Finale nur vier Tausendstelsekunden schneller als im zweiten Abschnitt, während Verstappen knapp 0,4 Sekunden gewann.

Dabei kann Sainz eigentlich stolz auf sich sein. Denn vor eben jenen zwei Wochen lag er noch auf dem OP-Tisch in Saudi-Arabien. Eine Blinddarmentzündung riss ihn aus dem zweiten Rennwochenende des Jahres und ermöglichte Oliver Bearman einen starken Einstand auf Platz sieben.

„Es waren ein paar harte Wochen“, verrät er. „Ich musste lange abwarten, ob ich es überhaupt hierher schaffen würde. Ich will nicht lügen: Ich fühle mich nicht zu 100 Prozent gesund, aber das geht auch nicht, wenn man sieben bis zehn Tage im Bett lag.“

„Es fühlt sich komisch an“

Schmerzen hat der Spanier keine, „aber es fühlt sich komisch an“, berichtet er. „So als würde sich beim Bremsen und in Kurven in meinem Bauch alles bewegen. Alex Albon (fuhr ebenfalls schon mal nach einer Blinddarm-OP) hatte mir das schon angekündigt. Aber ich komme damit klar.“

Der kleine Fehler in Kurve neun rührt jedenfalls nicht von seiner Verletzung: „Der weiche Reifen ist für meinen Geschmack nicht stabil genug“, erklärt Sainz. „Das Auto hat mich an der Stelle überrascht. Vielleicht fehlen mir da auch das Qualifying und das Rennen in Saudi-Arabien, um es besser zu verstehen.“ Eine kleine Stellschraube, die ihn die Pole gekostet hat.

Doch Sainz ist Realist genug um zu wissen: „Man muss 100 Prozent geben, um Max zu schlagen. Das habe ich heute nicht geschafft. Morgen wird es dasselbe, aber ich gebe alles, denn es ist schon eine Weile her, dass ich ganz oben auf dem Podium stand.“

Sainz landet erneut vor Leclerc

Zur Erinnerung: In Singapur war der Sohn des amtierenden Dakar-Siegers Carlos Sainz der letzte Fahrer, der Max Verstappens Siegesserie unterbrechen konnte. Fest steht: Der Spanier macht seitdem beste Werbung für sich. Ende des Jahres muss er bei der Scuderia für Lewis Hamilton Platz machen. Audi und Mercedes haben Sainz jr. längst ins Visier genommen. Zumal er auch Ferraris einstigen Heilsbringer Charles Leclerc immer öfter in den Schatten stellt.

So wie heute in Australien. Da hatte Leclerc auf Platz fünf nach einem Fehler noch mal fast drei Zehntelsekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen. Doch Teamchef Vasseur nimmt den Monegassen in Schutz: „Vielleicht war er heute ein klein wenig zu aggressiv unterwegs. Wir müssen pushen und wenn man am Limit ist, geht man manchmal auch darüber hinaus. Das ist Teil des Spiels.“

Und das hat Carlos Sainz im Ferrari am Samstag im Melbourne Park trotz OP-Narbe besser gespielt