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Neue Bayern-Hoffnung ließ Gegner verzweifeln

Da hat Bayerns Sportdirektor Christoph Freund einen echten Überraschungs-Coup eingetütet. Bryan Zaragoza wechselt zur kommenden Saison vom FC Granada zum deutschen Rekordmeister. Das vermeldete der FCB am Mittwochmittag offiziell.

Der 22 Jahre alte Flügelspieler kostet nach SPORT1-Informationen knapp 15 Millionen. Beim Bundesliga-Schwergewicht erhält er einen langfristigen Vertrag bis 2029.

Erster Bayern-Transfer - ein echter Freund-Deal

Mit Zaragoza als erstem Neuzugang von Sportdirektor Freund hatte wohl niemand so richtig gerechnet, doch dieser hat den Spanier nach SPORT1-Informationen in den vergangenen Monaten intensiv beobachtet und ist voll vom Gesamtpaket überzeugt.

„Er ist ein antrittsstarker, sehr schneller und extrem wendiger Flügelspieler, der auf beiden Seiten einsetzbar ist. Er ist unberechenbar, torgefährlich und sehr gut in Eins-gegen-Eins-Situationen“, erklärte Freund bei der Verkündung des Transfers und verriet: „Bryan ist einer der Senkrechtstarter in Spanien und schon länger auf unserem Schirm.“

Zaragoza ist ein echter Freund-Transfer: Der 46-Jährige hatte schon in Salzburg oft Spieler mit hohem Entwicklungspotenzial geholt, die noch vergleichsweise günstig waren und sich trotzdem direkt auf hohem Niveau liefern konnten. RB Leipzig soll auch stark am Spanier interessiert gewesen sein, zog im Tauziehen mit dem FC Bayern aber den Kürzeren.

Doch wer ist dieser in Deutschland noch unbekannte Spieler vom aktuell 19. der spanischen La Liga? SPORT1 stellt Bayerns neuen Flügelflitzer vor.

Zaragoza kämpft sich aus der 4. Liga nach oben

Vor knapp einem halben Jahr war Zaragoza wohl nur absoluten Fachleuten des spanischen Fußballs ein Begriff, denn der 22-Jährige ist in Zeiten von hoch-gehypten Supertalenten ein echter Spätstarter.

2020/21 wechselte er beim FC Granada aus der Jugend in den Herrenbereich, damals aber nicht etwa in die erste Mannschaft, sondern erstmal zu Granada B. Für eine spanische U-Nationalmannschaft hatte Zaragoza in den Jahren zuvor nie gespielt, auch in einem Nachwuchs-Leistungszentrum war er nie.

Nach einigen Monaten wurde er dann zum Club Polideportivo El Ejido in die 3. spanische Liga verliehen, wo er sich aber nicht wirklich durchsetzen konnte und in elf Ligaeinsätzen nur auf ein Tor kam.

Zurück in Granada ging er in der Saison 2021/22 für Granada B in der 4. spanischen Liga auf Torejagd. Hier verdiente er sich in 33 Einsätzen mit sieben Toren einen Platz in der ersten Mannschaft für die Saison 2022/23.

Auch in der ersten Mannschaft erkämpfte er sich einen Stammplatz und war maßgeblich am Aufstieg Granadas in La Liga beteiligt.

„Geschoss“ Zaragoza schlägt voll ein

Dort angekommen ging Zaragozas Höhenflug ungebremst weiter. Der nur 1,64m-große Flügelspieler verzauberte mit seinen schnellen Dribblings gleich die spanische Eliteklasse. Auch in Spaniens Oberhaus ist er bisher von seinen Gegenspielern kaum zu halten – fünf Tore und zwei Vorlagen in 14 Einsätzen unterstreichen seine bisher starke Debütsaison.

Die spanischen Zeitung Marca betitelte ihn nach einer Galavorstellung gegen den FC Barcelona, als er beim 2:2 beide Granada-Tore erzielte, gar als „Geschoss“ - und dieses Geschoss hatte spätestens mit dem Auftritt gegen Barca auch endgültig auf der großen Fußballbühne eingeschlagen.

Bereits nach 17 Sekunden hatte er den Aufsteiger im Heimspiel gegen die Katalanen in Führung gebracht, nach einer knappen halben Stunde erhöhte er dann nach einem traumhaften Sololauf auf 2:0.

Zaragoza entwischte Barca-Verteidiger Jules Koundé nach einem Steilpass. Zwar hätte der Flügelstürmer bereits zu diesem Zeitpunkt abziehen können, dies tat er jedoch nicht. Stattdessen schob er seinem Gegenspieler den Ball noch einmal zwischen den Beinen durch, täuschte in der Folge einen Schuss an, schlug noch einen weiteren Haken und schloss erst dann via Außenrist erfolgreich ins kurze Eck ab.

Dieses Tor zeigt deutlich, worauf sich auch der FC Bayern in Zukunft freuen darf: einen echten Eins-gegen-Eins-Experten, der in Spanien sogar aktuell als bester Dribbler überhaupt gilt. „Ich spiele, um zu dribbeln“, verriet Zaragoza in einem DAZN-Interview: „Ich spiele nicht, um dem Ball hinterherzulaufen.“

Gegenspieler fordert: „Hör auf, zu rennen!“

Und mit diesen temporeichen Dribbling-Aktionen lässt er einige Gegner in La Liga ins Leere laufen. Er selbst zwingt seine Gegenspieler, etwas zu tun, worauf er selbst keine Lust hat – dem Ball hinterherzulaufen. Und ihm selbst gleich mit.

Geht Zaragoza ins Dribbling, müssen seine Gegenspieler hellwach sein! Denn der mit 1,64-Meter Körpergröße naturgemäß sehr wendige Spanier sorgt mit Ball für absolute Alarmbereitschaft in der Defensive. Oft ist er nur mit einem Foul zu stoppen.

Der 22-Jährige nervt seine Kontrahenten dabei teilweise so sehr, dass sogar Gegenspieler mit Bitten auf ihn zukommen. Bei Zaragozas Gala gegen Barca soll sich ausgerechnet Barca-Verteidiger Ronald Araujo, der auch mit Bayern in Verbindung gebracht wird, gebeten haben, einen Gang rauszunehmen.

„Während des Spiels sagte er mir: ‚Hör auf, zu rennen!‘“, erzählte Zaragoza nach der Partie. Diesen Gefallen tut er den Verteidigern aber in der Regel nicht – Ruhe haben seine Gegenspieler eher selten.

Zusätzlich zu seinen starken Dribblings zeichnet sich der Flügelspieler durch seine Vielseitigkeit aus. In seiner Karriere kam er schon auf sieben Positionen zum Einsatz und ist in der Offensive flexibel einsetzbar. Besonders stark agiert er aber auf Linksaußen, wo er nach einem Dribbling nach innen ziehen und mit seinem starken rechten Fuß wuchtig abschließen kann.

„Straßenfußballer“ schafft Sprung in Nationalmannschaft

Seine guten Leistungen haben in diesem Jahr nicht nur den FC Bayern, sondern auch den spanischen Nationaltrainer Luis de la Fuente auf den Plan gerufen. Dieser nominierte den Youngster für die Länderspiele gegen Schottland und Norwegen im Oktober. Beim 2:0-Heimerfolg gegen die „Bravehearts“ kam Zaragoza dann sogar direkt zum Debüt bei der Furia Roja, als er zur zweiten Hälfte eingewechselt wurde.

Mit diesem Einsatz wurde ihm nun also eine Ehre zuteil, die er im Jugendalter nie erreichte: Er bestritt ein Länderspiel für sein Heimatland und krönte seinen kometenhaften Aufstieg so endgültig. Auch eine Teilnahme mit Spanien im kommenden Sommer bei der Europameisterschaft in Deutschland scheint für den Shootingstar möglich zu sein.

„Alles, was ich aktuelle erlebe, ist wie ein Traum, es ist unbezahlbar“, erklärte Zaragoza nach der Normierung im Gespräch mit dem spanischen Sportportal Plaza Deportiva.

„Meine ganze Familie weinte“

An den emotionalen Moment, als er von der Nominierung erfuhr, erinnert er sich gerne zurück: „Ich wurde nach dem Spiel gegen Barcelona von unserem Sportdirektor in ein Büro gebracht und meine ganze Familie weinte dort. Sie gaben mir das Telefon und es war ein Delegierter der Nationalmannschaft, der mir mitteilte, dass ich nominiert bin. Es war ein einzigartiger und besonderer Moment, an den ich mich mein ganzes Leben lang erinnern werde.“

Richtig aufgeregt war er trotz dieses Meilensteins dabei aber nicht. „Ich fühle mich wie ein Straßenfußballer. Ich habe mein ganzes Leben lang in der Nachbarschaft gespielt. Es hat mir viel Persönlichkeit und Selbstvertrauen gegeben“, kommentierte er seinen Erfolg.

Unbekümmerte Art als Faustpfand beim FC Bayern?

Diese unbekümmerte Art könnte ihm beim neuen Klub sehr zugutekommen. Denn im Haifischbecken Bayern München wird die Konkurrenzsituation und die Herausforderung natürlich noch einmal deutlich größer als beim FC Granada.

Um sich beim deutschen Rekordmeister durchzusetzen, muss sich Zaragoza definitiv noch einmal steigern und an seiner Konstanz arbeiten. In La Liga wartet er nun nach seinem fulminanten Start mit fünf Toren aus den ersten neun Begegnungen seit dem Spiel gegen Barcelona im Oktober auf einen weiteren Treffer.

Trotzdem könnte der 22-Jährige sehr gut zum FC Bayern und dessen Spielweise passen, gerade weil er im Vergleich zu den Spielen mit dem FC Granada (45 % Ballbesitz im Schnitt) deutlich mehr Aktionen mit dem Ball bekommen wird und so seine Stärken noch besser ausspielen kann.

Schon jetzt ist der Aufstieg des einstigen Viertliga-Spielers zum FC Bayern bemerkenswert - und Zaragozas Karriere macht Hoffnung, dass er den Biss und das Talent hat, sich auch in München durchzusetzen.