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Chelsea droht der Worst Case

Chelsea droht der Worst Case
Chelsea droht der Worst Case

Der FC Chelsea steht vor richtungsweisenden Stunden und Tagen, denn der Verkauf des englischen Spitzenvereins rückt näher.

Wie die britische Tageszeitung Times berichtet, wird der bevorzugte Bieter für die West-Londoner der britischen Regierung in der Woche ab dem 18. April 2022 zur Genehmigung vorgelegt. Es eilt. (DATEN: Die Tabelle der Premier League)

Denn nach dem Aus in der Champions League und ohne Titelchance in der englischen Meisterschaft muss die Truppe von Thomas Tuchel jetzt die Weichen für die Zukunft schnellstmöglich stellen.

Ansonsten droht Chelsea auseinanderzubrechen. Seit der russischen Invasion in der Ukraine ist dem Klub von Noch-Besitzer Roman Abramowitsch untersagt, jegliche neue Deals abzuschließen. Was hat das für Folgen?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zur Zukunft der Blues.

An wen wird Chelsea verkauft? Und für wieviel?

Im Rennen um den Champions-League-Sieger gibt es vier Interessenten:

  • ein Konsortium unter der Leitung von Todd Boehly, Miteigentümer des Baseball-Teams LA Dodgers

  • Martin Broughton, ehemaliger Vorsitzende von British Airways

  • die Familie Ricketts, der die Chicago Cubs aus der MLB gehören

  • eine Gruppe um den Miteigentümer von Atalanta Bergamo und des NBA-Teams Boston Celtics, Stephen Pagliuca

Der Times zufolge wird davon ausgegangen, dass der Verein von der Stamford Bridge für einen Preis zwischen 2,9 und 3,3 Milliarden Euro verkauft wird.

Neben dem Finanzministerium muss der neue Eigentümer aber auch von der Premier League genehmigt werden - so wie zuletzt geschehen beim Verkauf von Newcastle United an die Saudis.

Ein Abschluss sollte alsbald über die Bühne gehen, denn den Blues sind bis dahin die Hände gebunden - derzeit dürfen weder Spieler verpflichtet noch verkauft, noch neue Verträge ausgehandelt werden.

Was geschieht mit den ablösefreien Blues-Stars im Sommer 2022?

Dabei laufen bei drei wichtigen Abwehrspielern die Verträge aus: Antonio Rüdiger, Andreas Christensen und César Azpilicueta könnten Chelsea genauso wie Charly Musonda Jr. im kommenden Sommer ohne Ablöse verlassen.

Während der Abschied des 25 Jahren alten Belgiers kaum ins Gewicht fällt, sind der deutsche, der dänische und der spanische Nationalspieler wichtige Leistungsträger an der Stamford Bridge. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Premier League)

Und die Top-Teams stehen bei Rüdiger (29 Jahre alt) und Christensen (26) Schlange. Zuletzt hieß es, dass beide sich dem FC Barcelona anschließen würden, was ein herber Verlust für Tuchels Truppe wäre.

Immerhin wurde der auslaufende Vertrag von Azpilicueta trotz der Sanktionen um ein weiteres Jahr verlängert. Tuchel bestätigte kürzlich, dass eine an Leistungen gebundene Klausel im Arbeitspapier des 32 Jahre alten Kapitäns gegriffen habe. „Ja, es war sehr knapp, aber jetzt ist es passiert. Das ist eine gute Nachricht für uns“, so der 48-Jährige. „Die Chancen, dass er bei Chelsea bleibt, sind jetzt sehr hoch.“

Eigentlich ist es dem Klub von Noch-Besitzer Abramowitsch untersagt, neue Deals abzuschließen. Da es sich bei der Klausel aber nur um die Ausweitung eines bereits bestehenden Kontraktes handelt und somit kein neuer Vertrag abgeschlossen werden musste, war die Verlängerung bis 2023 möglich.

Muss Chelsea bangen, weitere Spieler zu verlieren?

Stand jetzt - auf jeden Fall. Chelsea darf nicht einmal die Kaufoption für den bis zum Saisonende von Atlético Madrid ausgeliehenen Saúl Níguez ziehen. Diese liegt wohl bei 35 Millionen Euro.

Des Weiteren laufen auch von den Reservespielern Danny Drinkwater, Jake Clarke-Salter (beide verliehen), George McEachran, Thierno Ballo und Xavier Simons die Verträge im Sommer aus. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Premier League)

Bis auf den 19 Jahren alten Simons, der aber auf der Insel heiß umworben ist, planen die Blues laut englischen Medienberichten mit keinem dieser Spieler. Ein Aderlass im Westen Londons ist also ohne neuen Besitzer kaum zu vermeiden.

Und 2023 laufen gleich elf Verträge von namhaften Stars aus: N‘Golo Kanté, Jorginho, Thiago Silva, Marcos Alonso, Azpilicueta, Ross Barkley, Billy Gilmour, Michy Batshuayi, Kenedy, Marcus Bettinelli und Matt Miazga wären vertragslos.

Tuchels Kaderplanung ohne Verlängerungen von Leistungsträgern und Top-Talenten sowie ohne Neuzugänge gleicht fast einer Bankrotterklärung. Erst recht, wenn man bedenkt, dass die Blues auch bei den Ticket-Verkäufen, Sponsoren, Stadion-Tickets und vielem mehr sanktioniert wurden.

Wie sehen die Transfer-Planungen von Tuchel für 2022/23 aus?

Im Tor ist Edouard Mendy unumstritten und gesetzt. 80-Millionen-Euro-Mann Kepa dagegen sollte eigentlich verkauft oder zumindest ausgeliehen werden, um sich wieder attraktiv für andere Klubs zu machen. Nur dann wäre ein neuer Backup-Torhüter geholt worden. Ausgang nun offen.

Die Abwehr ist Tuchels größte Baustelle - und bereitet dem Deutschen am meisten Bauchschmerzen: Thiago Silva ist mit 37 Jahren nicht mehr der Schnellste, Rüdiger und Christensen kaum zu ersetzen.

Ohne Nachverpflichtungen oder Verlängerungen müsste der Chelsea-Coach also die gelernten Außenverteidiger Marcos Alonso und Azpilicueta vermehrt innen einsetzen, da Malang Sarr (23) und Ethan Ampadu (21) ihre Klasse bisher nicht nachgewiesen haben. Einzig Innenverteidiger Trevor Chalobah (22) ließ sein Können immer wieder aufblitzen. Hinten rechts und links müssten dann aber Ben Chilwell und Reece James verletzungsfrei durch die kommende Saison kommen.

Im zentralen Mittelfeld gibt es an Kanté, Jorginho, Mateo Kovacic und Mason Mount kein Vorbeikommen. Ruben Loftus-Cheek und Ross Barkley galten ebenfalls als Verkaufskandidaten, damit Declan Rice von West Ham United verpflichtet werden kann.

Ohne neuen Eigentümer ist das nicht zu realisieren, denn der englische Nationalspieler steht auch bei anderen Premier-League-Klubs weit oben auf dem Zettel. Ein kleiner Lichtblick ist jedoch die starke Entwicklung von Leihspieler Conor Gallagher (13 Torbeteiligungen für Crystal Palace), der somit Rice‘ Kaderplatz wohl einnehmen wird.

Werden Havertz und Werner Chelsea verlassen?

In der Abteilung Attacke hat Tuchel auch ohne Transfers die Qual der Wahl: Kai Havertz, Hakim Ziyech, Christian Pulisic, Callum Hudson-Odoi, Romelu Lukaku und Timo Werner müssen sich vor niemandem verstecken und waren bis auf den belgischen Sturmtank mitverantwortlich für den Champions-League-Sieg 2021.

Fraglich war zuletzt nur, ob Lukaku in London wirklich noch glücklich ist. Denn nach nur zwölf Treffern in 36 Einsätzen musste der 113-Millionen-Euro-Einkauf meist mit der Bank vorliebnehmen. Ein Jahr zuvor bei Inter glänzte der 28-Jährige dagegen mit 40 Scorer-Punkten in 44 Spielen - davon ist der Mittelstürmer aber leistungstechnisch meilenweit entfernt.

Immerhin haben sich die Leihspieler Batshuayi bei Besiktas Istanbul und Armando Broja beim FC Southampton mit zahlreichen Toren Selbstvertrauen erarbeitet. Der Ex-BVB-Star kann in 36 Einsätzen 14 Treffer und fünf Vorlagen verweisen, der albanische Nachwuchsstürmer hingegen entwickelte sich unter Saints-Trainer Ralph Hasenhüttl blendend und steht bisher bei zehn Torbeteiligungen in 32 Spielen.

Während Broja in der kommenden Saison ein willkommener Backup-Stürmer sein wird, sollte der belgische Nationalstürmer zu Geld gemacht werden für etwaige Transfers. Doch alle möglichen Verkaufsgespräche sind solange auf Eis gelegt, bis Chelsea einen neuen Besitzer hat.

Das wird dem ehrgeizigen Tuchel natürlich nicht schmecken, doch eine Hauruck-Entscheidung des deutschen Trainers ist vorerst auszuschließen, wenngleich er bei einigen Top-Klubs heiß begehrt ist.

Ist Tuchels Zukunft bei Chelsea ungewiss?

Zuletzt schloss der 48-Jährige einen Rücktritt auch aus: „Es gibt überhaupt keinen Zweifel, dass ich bis zum Saisonende bleibe. Die Situation ist klar, der Klub steht zum Verkauf, und hoffentlich geht das durch, damit die Dinge gelöst werden.“

Und gab sich kämpferisch: „Solange wir genügend Trikots und einen Bus haben, werden wir dabei sein und hart kämpfen.“ Havertz sah es ähnlich und sagte, es sei eine „harte Zeit für alle“, in der man zusammenstehen müsse.

Nach seiner schwierigen Zeit bei Paris Saint-Germain weiß Tuchel (noch), was er bei Chelsea hat. Sollte sich aber ein Eigentümer-Wechsel über Wochen oder Monate hinziehen oder die finanzielle Lage bei den Blues sich weiter verschlechtern, ist nicht auszuschließen, dass Tuchel das Weite suchen könnte.

Dann aber würde ein Spieler-Exodus mit einhergehen und Chelsea komplett auseinanderbrechen. Es droht das Worst-Case-Szenario.