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Die brisante Ausbootung einer Sport-Ikone

Die brisante Ausbootung einer Sport-Ikone
Die brisante Ausbootung einer Sport-Ikone

Ist der Fall Irina Viner eine geplante Verschwörung gegen die russische Sportszene?

Viner, bekannteste Trainerin der rhythmischen Sportgymnastik und Ikone im russischen Sport, wurde kürzlich für ihr Fehlverhalten bei den Olympischen Spielen 2021 in Tokio von der GEF (Gymnastics Ethics Foundation) für zwei Jahre gesperrt.

Die Strafe beginnt erst, wenn Russland nicht mehr von internationalen Sportwettbewerben verbannt ist.

Ashram-Gold bei Olympia sorgt für Diskussionen

Doch wofür wird Viner gesperrt?

Die Israelin Lincy Ashram hatte in Tokio für eine märchenhafte Erfolgsgeschichte gesorgt. Im Einzelwettbewerb der rhythmischen Sportgymnastik holte sie die erste Goldmedaille überhaupt für Israel und setzte sich dabei gegen die favorisierte Russin Dina Averina durch.

Der Sensationssieg war in der Sportgemeinschaft kontrovers diskutiert worden. Die Israelin hatte zu dem Beat von Beyonces „Crazy in Love“ in ihrem letzten Auftritt ihr Band fallen gelassen. Die Schiedsrichter hatten Ashram dennoch zur Siegerin gekürt. Mehrere Länder hatten daraufhin Protest eingelegt.

Viner kritisierte in der TV-Übertragung von RT Channel die Entscheidung der Jury scharf: „Dina hat nicht verloren, sie gewann. Aber unglücklicherweise war das Urteil ungeheuer ungerecht. Es war einfach ein beschämendes Urteil für die rhythmische Gymnastik.“

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums Maria Zakhavora unterstützte die Trainer-Ikone in einer öffentlichen Stellungnahme und forderte die Schiedsrichter dazu auf, ihrer Verantwortung bewusst zu sein: „Ein Betrug vor der ganzen Welt. Die, die den Krieg gegen die russische Sportszene begonnen haben, können diesen Sieg nicht zulassen.“ (NEWS: Olympia-Tickets in Paris viel zu teuer?)

Viner: „Die russische Vorherrschaft musste gestoppt werden“

In den sozialen Medien wurde durch die Aussagen der russischen Trainerin eine Hetzjagd auf die Olympiasiegerin Ashram gestartet, sodass sogar ihre Kontrahentin Averina die Leute dazu aufforderte, sie in Ruhe zu lassen.

Am Tag danach verlor Russland den Mannschaftswettbewerb gegen die Außenseiter aus Bulgarien. Viner skizzierte das Geschehen in den russischen Staatsmedien: „Jeder hat genau verstanden, dass das passieren musste. Die russische Vorherrschaft musste gestoppt werden.“

Der internationale Gymnastik-Verband FIG, angeführt von Natalia Kuzmina, fand im Nachhinein keine Hinweise für Voreingenommenheit und Verstöße seitens der Jurymitglieder bei den Olympischen Spielen 2021.

Ungereimtheiten bei FIG-Personalie

Die Erkenntnis sorgte in Russland für Aufregung. Im September 2021 verkündete Viner, dass der russische Verband Kuzmina nicht für die Wahlen des technischen Direktors der FIG nominieren würde.

Im folgenden Monat kam heraus, die FIG würde Kuzmina in die Liste der Kandidaten einbeziehen. Diese Nominierung wurde öffentlich kritisiert.

Im November 2021 dann der nächste Aufreger. Eine unabhängige Ethische Kommission entfernte die kontrovers diskutierte Persönlichkeit als Kandidatin für die Wahl zur Leiterin des technischen Ausschusses der rhythmischen Sportgymnastik der FIG.

Das eingeleitete Verfahren der GEF gegen Viner stand mutmaßlich im Zusammenhang mit dem Rückzug der Kandidatur Kuzminas.

Russland fühlt sich ungerecht behandelt

Als entscheidender Faktor der Verbannung galt, dass es bereits ihr zweites Vergehen war. 2008 wurde sie wegen öffentlichen Äußerungen verwarnt, die als Verstoß der damaligen Ethikregeln verstanden worden waren.

Der russische Sportgymnastik-Verband und die in Usbekistan geborene Russin weigerten sich, bei der Untersuchung mitzuhelfen.

Die Untersuchungen wurden von der GEF angeführt. Der stellvertretende russische Ministerpräsident Dimitry Chernyshenko sprach im Staatsnachrichtensender TASS von einer Verschwörung gegen Russland: „Die Entscheidung der FIG, Irina Viner abzusetzen, ist ein weiterer Beweis für den Eingriff in die Unabhängigkeit des Sports gegenüber westlichen politischen Funktionären.“

Viner als Putin-Freundin bekannt

An Viner scheiden sich die Geister. Ihre Unterstützer bezeichnen sie als einflussreichste Persönlichkeit der rhythmischen Sportgymnastik. Unter ihr blühten die späteren Olympiasiegerinnen Yulia Barsukowa und Jewgenija Kanajewa auf. Ihre Kritiker stellen sie als kühle Perfektionistin dar, die ihre Athletinnen für den Erfolg opfern würde.

In der 2017 erschienenen Dokumentation „Over The Limit“ wurde ihr kontroverser Trainingsansatz porträtiert. Dabei stach ihr verbaler Missbrauch gegenüber ihren Schützlingen nachhaltig heraus.

Geprägt ist ihre Außendarstellung auch von ihren Beziehungen. Viner war mit dem russischen Oligarchen Alischer Usmanow 30 Jahre lang verheiratet. Sie ist außerdem eine enge Freundin von Wladimir Putin.