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Darum gibt es bei der WM so lange Nachspielzeiten

Die Fußball-WM in Katar bricht gerade Rekorde, was die längste Nachspielzeiten betrifft. Schiedsrichterchef Pierluigi Collina hat schon vor dem Turnier erklärt, warum das so ist.

14 Minuten Nachspielzeit beim Spiel England-Iran (Bild: Getty Images)
14 Minuten Nachspielzeit beim Spiel England-Iran (Bild: Getty Images)

14 Minuten Nachspielzeit zeigte das Schiedsrichterteam am Ende der Partie England gegen Iran an, dem zweiten Spiel der WM in Katar. Mehdi Taremi nutzte den Bonus und erzielte in der 13. Minute der Nachspielzeit den Ehrentreffer der Iraner zum 2:6. Es war das späteste WM-Tor seit der detaillierten Datenerfassung im Jahre 1966.

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Durch eine Verletzung des iranischen Torhüters Ali Beiranvand und einem zeitraubenden Videobeweis schienen die 14 Minuten einigermaßen berechtigt. Doch in den folgenden WM-Partien zeigte sich, das Iran-England kein Einzelfall war. Nachspielzeiten zwischen fünf und zehn Minuten waren eher die Regel als die Ausnahme. Und zwar zum Ende beider Halbzeiten. Selbst bei Spaniens 7:0 Sieg hatten die Referees kein Einsehen mit dem hoffnungslos unterlegenen Kickern aus Costa Rica. Sie mussten acht Minuten Nachspielzeit durchstehen.

Schiedrichterchef Collina kündete sieben bis neun Minuten Nachspielzeit an

Viele Fans wundern sich über die exzessiven Nachspielzeiten. Dabei hat Pierluigi Collina die Maßnahmen schon vor dem Turnier angekündigt. "Wir werden die Nachspielzeit sehr sorgfältig kalkulieren und versuchen, die Zeit auszugleichen, die durch Zwischenfälle verloren geht", hatte der Schiedsrichterchef der FIFA damals bekannt gegeben. "Wir wollen nicht, dass es in einer Halbzeit nur 42 oder 43 Minuten aktives Spiel gibt, das ist nicht akzeptabel".

Die Nettospielzeit, die durch Verletzungspausen, Torjubel oder Auswechslungen verloren gehen, sollen nun aber konsequent nachgespielt werden. "Diese Zeit muss berücksichtigt und am Ende vergütet werden", sagte Collina. Mit sieben bis neun Minuten Nachspielzeit müsse man künftig rechnen, meinte der ehemalige Starschiedsrichter.

Die Anweisungen habe es übrigens bereits bei der WM 2018 in Russland gegeben. Damals haben die Unparteiischen sie aber nicht in diesem Maße umgesetzt.

Kommt die Stop-Clock im Fußball?

Collinas Rechnung, dass mit sieben bis neun Minuten Nachspielzeit pro Hälfte der Ball auch wirklich 90 Minuten rollt, geht aber nicht ganz auf. Denn Statistiken zufolge gibt es im Fußball eine Nettospielzeit von nicht einmal einer Stunde. In der Bundesliga beträgt die Spielzeit etwa gerade einmal 52 Minuten.

Schon länger wird über eine Stop-Clock nachgedacht, wie es sie etwa im Basketball oder Handball gibt. Sobald das Spiel unterbrochen wird, halten die Schiris die Uhr an. Der britische Ex-Schiri Mark Clattenburg hatte etwa eine Stop-Clock vorgeschlagen, die eine tatsächliche Spielzeit von 60 Minuten garantiert. Auch die Regelhüter der International Football Association Board (Ifab) prüfen diese Option.

Manche Beobachter sehen die langen Nachspielzeiten dieser WM als Vorstudie für eine Stop-Clock.

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