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Pikanter Verdacht nach dem deutschen Doping-Hammer

Pikanter Verdacht nach dem deutschen Doping-Hammer
Pikanter Verdacht nach dem deutschen Doping-Hammer

Seit Dienstagnachmittag ist die deutsche Leichtathletik in Aufruhr.

Sara Benfares, eine der besten deutschen Mittel- und Langstreckenläuferinnen, wurde positiv auf EPO und Testosteron getestet, wie ihr Verein LC Rehlingen zunächst dem Saarländischen Rundfunk mitteilte. Später bestätigte auch der Deutsche Leichtathletik-Verband entsprechende Meldungen.

„Für uns als Verein ist das ein Schock, eine ganz schwarze Stunde“, sagte Thomas Klein, Vorsitzender des LC Rehlingen. „Wir sind immer noch der Hoffnung, dass sich alles zugunsten der Athletin auflöst.“

Zumindest bis zur Öffnung der B-Probe ist Benfares, die selbst Pharmazie studiert, vom Team Saarland ausgeschlossen und muss wohl ihre Hoffnungen auf die Olympischen Spiele im Sommer in Paris begraben.

Bei SPORT1 spricht der anerkannte Doping-Experte und Pharmakologe Professor Fritz Sörgel über den Fall. Der 74-Jährige erklärt, dass Benfares nach derzeitigem Stand kaum eine Chance haben dürfte, um eine lange Sperre herumzukommen.

„Die Kombination von EPO und Testosteron ist durchaus gängig“

SPORT1: Herr Sörgel, nach längerer Zeit ist mal wieder eine deutsche Leichtathletin auf verbotene Substanzen getestet worden. Was haben Sie gedacht, als Sie davon hörten?

Fritz Sörgel: Die Sache hat mich schon etwas überrascht, da in der Szene momentan recht wenig los ist, aber es kommt dann doch immer wieder vor. Ich gehöre zu den Leuten, die sagen, dass es zwar Tricks gibt, um die Methoden zu umgehen, frage mich aber auch, wie ein Sportler sowas machen kann, ohne dass er von einer dritten Person Informationen bekommt, wie man dopt, ohne entdeckt zu werden.

SPORT1: Benfares wurde positiv auf EPO und Testosteron getestet. Ist diese Kombination für eine Mittel- und Langstreckenspezialistin überhaupt leistungsfördernd?

Sörgel: Die Kombination von EPO und Testosteron ist durchaus gängig, da sie beide die Produktion von roten Blutkörperchen steigern können. Daher kann man probieren, wenig EPO und wenig Testosteron zu nehmen, um die Dosis zu reduzieren und trotzdem die gleiche Wirkung zu bekommen. Und damit die einzelnen Stoffe nicht nachweisbar sind. Die Kombination kann auf einer Strecke von 1.500 Metern jedenfalls eine Wirkung haben, keine Frage.

SPORT1: Für den Deutschen Leichtathletik-Verband, der seit einigen Jahren vehement für sauberen Sport kämpft, dürfte die Nachricht ein Schock gewesen sein...

Sörgel: Es ist immer schwer, das von einzelnen Personen auf den gesamten Verband zu beziehen. Wie verseucht der Sport jetzt wirklich ist, erfährt man meistens dann von den Mitathleten. Das wird immer per Mund-zu-Mund-Propaganda weitergegeben und kommt dann irgendwann raus.

„Vielleicht hat sie den gelehrten Stoff falsch verstanden“

SPORT1: Benfares ist Pharmaziestudentin und müsste also genau wissen, was sie tut...

Sörgel: Es ist spannend, dass sie Pharmazie-Studentin ist, da man dort sehr viel kennenlernt. Vor allem solche Fragen, wie Substanzen wirken, wenn man sie zusammengibt. Aber vielleicht hat sie den gelehrten Stoff auch falsch verstanden und ihr eigenes Rezept entwickelt. Das wäre fatal und der Fall könnte auch Konsequenzen für sie haben, wenn sie nach vollendetem Studium – falls sie das jetzt noch machen kann - nicht die Approbation als Apothekerin erhält. Diese setzt voraus, dass die Anwärterin zur Apothekerin straffrei ist. Ob sie eine Anzeige im Rahmen des Anti-Dopinggesetzes bekommt, ist die große Frage.

SPORT1: Glauben Sie, dass es ein Einzelfall im DLV-Team ist?

Sörgel: Wenn der Sport so sauber sein sollte, wie er glaubt zu sein, muss man dies als Einzelfall sehen und schauen, wie eine einzelne Person so geschickt dopen kann. Eine angehende Apothekerin zum Beispiel?

SPORT1: Einen Analysefehler kann man aus Ihrer Sicht ausschließen?

Sörgel: Ich würde jetzt nicht annehmen, dass es einen Fehler beim Nachweisverfahren gegeben hat, da es in Deutschland gemessen worden ist und würde mich daher darauf verlassen, dass es alles seine Richtigkeit hatte. Aber natürlich könnte dies als Erklärungsversuch kommen.

SPORT1: Eine lange Sperre dürfte dann unumgänglich sein, oder?

Sörgel: Es ist jetzt vor kurzem der Fall mit der russischen Eiskunstläuferin Walijewa durchgekommen und sie wurde vier Jahre gesperrt. Auch der HSV-Spieler Vuskovic dürfte – Stand heute - keine Chance haben, um eine vierjährige Strafe herumzukommen.