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In zehn Tagen wissen wir, wie es beim BVB wirklich aussieht

Liebe Fußball-Freunde,

zu Beginn möchte ich erstmal meine besten Genesungswünsche in Richtung von Dr. Felix Brych schicken. Das war schon richtig bitter - und dann auch noch in seinem Rekordspiel. Wir hatten ihn ja letzte Woche hier (im Doppelpass, Anm. d. Red.), da hat er pure Freude ausgestrahlt. Jetzt wird er außer Gefecht gesetzt mit einem Kreuzbandriss, was in dem Alter eine Ausfallzeit zwischen sechs und neun Monaten heißt. Ich wünsche ihm natürlich, dass er zurückkommt und noch einige Rekorde knackt.

Doch nun zum Sportlichen und damit zu Borussia Dortmund. Ja, das Team von Edin Terzić hat gegen Borussia Mönchengladbach für ordentlich Spektakel gesorgt. Und auch ja: Man könnte behaupten, dass sie Moral gezeigt haben. Nach knapp 30 Minuten 0:2 zurückzuliegen und das Spiel dann noch vor der Halbzeit zu drehen, ist schon eine starke Leistung.

Das fehlt Dortmund zur Spitzenmannschaft

Dennoch bleibt am Ende des Tages übrig, dass die Dortmunder einmal mehr ihre zwei Gesichter gezeigt haben. Für eine Spitzenmannschaft haben sie einfach zu viele Höhen und Tiefen im Spiel. Normalerweise zeichnet sich ein Titelanwärter über die Saison hinweg durch Stabilität aus. Das sehe ich beim BVB jedoch nicht.

Andererseits haben sie zwei Punkte mehr auf dem Konto als in der vergangenen Saison zu diesem Zeitpunkt. Terzić hat gefordert, dass man weniger sexy und dafür erfolgreicher sein wolle. Auf dem Papier scheint der Plan also aufzugehen.

Aber in zehn Tagen wissen wir definitiv, wie es aussieht. Dann haben sie die Champions League, in der Bundesliga Leipzig und im Pokal Stuttgart hinter sich. Dann können wir mehr über Dortmund sagen.

Der VfB macht Spaß

Was man allerdings jetzt schon sagen kann: Der VfB Stuttgart macht richtig Spaß. Vor sechs Monaten mussten die Schwaben noch durch den Notausgang Relegation, um den vierten Abstieg der Vereinsgeschichte zu verhindern. Jetzt stehen sie auf Rang drei und schicken sich an, die große Überraschung der Saison zu werden.

Sie verteidigen sehr offensiv und rücken schnell nach. Dazu haben sie starke Spieler in der Offensive, die den Unterschied ausmachen. Ich kann sie nur loben. Sie sind auch unfassbar stabil. Wenn sie so weiter performen, können sie bis zum Ende oben dabeibleiben.

Einen großen Anteil daran hat Sebastian Hoeneß. Er findet genau die richtigen Worte für die Jungs. Die Kommunikation ist ganz wichtig. Jeder Spieler ist anders. Aber ich denke, das beherrscht er in Perfektion. Die Kommunikation ist das A und O.

Infolgedessen sind sie schnell als Mannschaft zusammengewachsen und präsentieren sich nun auch dementsprechend. Das hat man auch gegen Eintracht Frankfurt gesehen. Deniz Undav schießt den VfB mit seinen zwei Toren zum Sieg und Serhou Guirassy freut sich auf der Bank fast noch mehr als der Torschütze selbst. Da stimmt es einfach im Team.

Daher glaube ich nicht, dass die Stuttgarter in der Saison groß einbrechen werden. Auch die Abstellungen zur Afrika- und Asienmeisterschaft werden die Stuttgarter nicht aus der Bahn werfen. Zum einen hat man im Winter die Möglichkeit, nachzurüsten, zum anderen sind sie so stabil, dass sie den Kurs halten werden.

DFB? Rudi Völler hat es bewiesen

Den Kurs hält aktuell leider auch das DFB-Team. Dabei will ich mich über die Spiele gegen Österreich und die Türkei gar nicht aufregen. Man muss einfach festhalten: Aktuell sind wir nicht in der Lage, gegen solche Teams zu gewinnen. Das ist die Realität. Da sind wir angekommen, das muss man dann auch mal verstehen. Das sind die Gegner, die wir aktuell nicht schlagen können, weil wir nicht besser sind.

Ob Julian Nagelsmann der richtige Mann ist, die Nationalmannschaft wieder zu alter Stärke zu führen, kann ich nicht beantworten. Aber es ist schon auffällig, dass Rudi Völler mit denselben Spielern gegen Frankreich gewinnt. Da hat die Mannschaft all die Tugenden gezeigt, von denen immer gesprochen wird: Einsatz, Wille und Gier.

Völler hat einfach die richtige Ansprache. Das sieht man auch bei den Interviews. Wenn Völler redet, dann höre ich ihn, weil ich ihm glaube, was er sagt. Das ist genau das, was auch die Spieler in der aktuellen Situation brauchen.

Völler würde ihnen das einfache Fußball-ABC schon wieder einbläuen: Einsatz, Zweikämpfe, Verteidigung, Mannschaftsgeist. Wenn sie das alles hinkriegen, kann man sich auf die EM 2024 freuen.

Bis bald,

Euer Stefan Effenberg

Stefan Effenberg hat 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewonnen. Mit den Bayern und Borussia Mönchengladbach wurde er zudem mehrmals Deutscher Meister und Pokalsieger. Seit Sommer 2018 gehört der 55-Jährige zum festen Experten-Team des STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.