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DOSB hält an Russland-Ausschluss fest

DOSB hält an Russland-Ausschluss fest
DOSB hält an Russland-Ausschluss fest

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) plädiert weiterhin für den Ausschluss russischer und belarussischer Sportlerinnen und Sportler.

Über diese Haltung unter dem Eindruck des fortwährenden russischen Angriffkriegs in der Ukraine informierte der DOSB nach der Sitzung seines Präsidiums am Freitag.

Sie steht im Kontrast zu den Bemühungen einzelner internationaler Fachverbände und des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Russen und Belarussen in absehbarer Zeit und unter Erfüllung gewisser Voraussetzungen wieder zuzulassen.

Der DOSB hatte bei der Rechtsexpertin Patricia Wiater von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg ein Rechtsgutachten in Auftrag gegeben, um die menschenrechtliche Dimension der Fragestellung eingehend zu prüfen. Dieses wird dem IOC laut DOSB zur Verfügung gestellt.

DOSB widerspricht IOC-Präsident Bach

IOC-Präsident Thomas Bach hatte jüngst erklärt, ein Ausschluss „wegen eines Passes oder des Geburtsorts“ verstoße gegen das Diskriminierungsverbot und sei daher nicht dauerhaft haltbar.

Gutachterin Wiater kommt zu einer gegensätzlichen Schlussfolgerung. "Der Ausschluss russischer Athlet*innen von internationalen Sportwettkämpfen ist im Ergebnis trotz der damit verbundenen Ungleichbehandlung aufgrund von Nationalität nicht als Verstoß gegen internationale Diskriminierungsverbote zu klassifizieren und somit zulässig", schrieb sie.

Es gebe mehrere "legitime Zwecke", die mit einem Ausschluss verfolgt werden können. Ein Aspekt sind "friedenspolitische Gründe", wenn ein Ausschluss der jeweiligen Sportlerinnen und Sportler "bezweckt, einer kriegspropagandistischen Instrumentalisierung von Sportereignissen entgegenzutreten und dadurch einen Beitrag zur Deeskalation des Angriffskriegs zu leisten".

Der DOSB teilte weiter mit, man habe sich mit Mitgliedsorganisationen, Athletinnen und Athleten sowie Wirtschaftspartnern ausgetauscht. Auch habe man sich von Expertinnen und Experten en aus Politik und der Wissenschaft beraten lassen.

Die dabei erhaltenen "Rückmeldungen bestärken uns im Präsidium in unserer bisherigen Haltung: Wir sind weiterhin für den Ausschluss", sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert: "Wir werden nun diese Erkenntnisse, insbesondere auch das Rechtsgutachten, bei dem die Mehrdimensionalität von menschenrechtlichen Abwägungen zum Ausdruck kommt, dem IOC für seine Konsultationen zur Verfügung stellen."

Entscheidung zu Russland-Ausschluss Ende März

Der Internationale Fechtverband (FIE) hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, dass Russen und Belarussen wieder an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Das IOC wird sich Ende März (28. bis 30.) auf der Sitzung seines Exekutivkomitees mit der grundsätzlichen Frage auseinandersetzen.

„Unabhängig von der Entscheidung des IOC und der internationalen Sportfachverbände hinsichtlich einer Wiederzulassung (...), lehnen wir einen Boykott von internationalen Wettkämpfen, insbesondere der Olympischen und Paralympischen Spiele Paris 2024, aus grundsätzlichen Erwägungen ab“, hieß es in der DOSB-Mitteilung.

Ein Boykott würde einzig die deutschen Sportlerinnen und Sportler treffen, "die ihre möglicherweise einzige Chance zur Realisierung ihres olympischen Traums verpassen würden."

Der Druck auf den DOSB war zuletzt gewachsen. Aus der Politik in Berlin waren Forderungen lauter geworden, dass der deutsche Dachverband sich in der Frage klarer positionieren sollte.