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Ende einer Rekord-Karriere: "Ich habe mich irgendwie selbst gekillt"

Ende einer Rekord-Karriere: "Ich habe mich irgendwie selbst gekillt"
Ende einer Rekord-Karriere: "Ich habe mich irgendwie selbst gekillt"

Die Fans im slowenischen Skisprung-Mekka brachen in euphorische Jubelstürme aus, während ihr Held von seinen Teamkollegen auf die Schulter genommen wurde - und einen würdigen Abschied zelebrieren konnte.

Nach fast vier Jahren Durststrecke feierte Peter Prevc beim Heimspiel in Planica endlich seinen 24. Weltcup-Sieg - einen Tag, bevor die große Karriere des slowenischen Wintersport-Idols dann endete: Mit 31 Jahren hängt Prevc Sprunganzug und Skier an den Nagel.

Die Szene verliert das prominenteste Mitglied einer Familiendynastie, einen Weltmeister, Gesamtweltcup-, Olympia- und Vierschanzentourneesieger, mehrfachen Rekordhalter. Und den langjährigen Rivalen eines deutschen Aushängeschilds.

Spannende Duelle mit DSV-Adler Severin Freund

Prevc und der frühere deutsche Topspringer lieferten sich einen jahrelangen Konkurrenzkampf auf höchstem Niveau - unfassbarer Höhepunkt: das Duell um den Gesamtweltcup 2014/15. Prevc und Freund standen am Ende punktgleich bei jeweils exakt 1.729 Zählern. Am Ende musste die Anzahl der Siege entscheiden, DSV-Adler Freund hatte da die Nase vorn.

In der Folgesaison 2015/16 legte der damals 22 Jahre alte Prevc dafür eine Saison hin, die an Perfektion grenzte und bis heute ihresgleichen sucht.

Der Slowene - mit historischen 15 Siegen und 813 Punkten Vorsprung vor Freund. Zudem nahm er den Adler bei der 64. Vierschanzentournee mit nach Hause und wurde auch Skiflug-Weltmeister. Auch das hatte vor ihm innerhalb einer Saison noch keiner geschafft. Doch nicht nur deswegen wurde der Slowene, der sich stets durch sein ruhiges Gemüt auszeichnete, 2016 zum Rekordmann: Auch seine 15 Saisonsiege sind bis heute Bestmarke.

Weder Freund noch Prevc konnten nach ihren beiden großen Jahren an ihre Leistungen von damals anknüpfen: Den 2022 zurückgetretenen Freund warfen Verletzungsprobleme zurück, bei Prevc lag der Fall komplizierter. Der Versuch, an seine Fabelleistungen von 2015/16 anzuknüpfen, schien psychische Blockaden auszulösen.

„Ich habe mich irgendwie selbst gekillt“, gestand Prevc im Vorfeld seines Abschieds in einem Gespräch mit seinem Wegbegleiter Severin Freund, der heute als Experte für das ZDF tätig ist. Die eigenen Ansprüche, wieder besser zu werden, hätten ihn stattdessen schlechter gemacht und einen Teufelskreis ausgelöst, den er nicht durchbrochen hätte: „Ich war zu hart zu mir und habe keinen Ausweg gefunden“

Der Name Prevc bleibt

Prevc führte bei der Gelegenheit aus, warum er nun den Zeitpunkt gekommen sah, den Schlussstrich zu ziehen: „Es gibt hundert Gründe weiterzumachen, aber auch hundert Gründe aufzuhören. Es ist der richtige Zeitpunkt, solange ich noch jung genug bin und neu beginnen kann, etwas anderes zu machen - und mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.“

Mit dem Sieg am vergangenen Wochenende konnte sich Prevc noch einmal selbst beweisen, dass er weiterhin dazu fähig war, der Beste von allen zu sein - zumindest für einen Tag.

Und auch nach seinem Abtritt wird der Name Prevc den Skisprungzirkus weiter aufmischen: Peters Schwester Nika gewann nur wenige Tage vor dem letzten Sprung ihres ältesten Bruders den Gesamtweltcup bei den Frauen - und machte damit die familieninterne Wachablösung zu einem Zeitpunkt perfekt, der passender nicht hätte sein können.