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VAR-Ärger! "Eine Entwicklung, wo ich Angst habe"

Die Füchse Berlin halten in der Handball-Bundesliga weiterhin mit Titelverteidiger und Spitzenreiter THW Kiel Schritt. Die Hauptstädter feierten im Verfolgerduell mit Vizemeister und Champions-League-Sieger SC Magdeburg mit 31:26 (14:12) im dritten Spiel den dritten Sieg und zogen dadurch mit Kiel gleich.

Nach dem Spiel wird aber hauptsächlich über den neu eingeführten Videobeweis gesprochen. In der 54. Minute wurde Füchse-Star Mathias Gidsel unglücklich im Unterleib getroffen. Nach Studium des Videomaterials - der zweite Videobeweis in diesem Spiel - wurde Übeltäter Janus Smarason mit einer Roten Karte in die Kabine geschickt.

Zusätzlich gab es noch die Blaue Karte, womit eine weitere Strafe droht. Jedoch hat der Verein bereits Einspruch gegen die Blaue Karte eingelegt.

„Mein Gefühl ist, dass die Blaue Karte zu viel ist. Es war unglücklich“, sagte der Magdeburger nach dem Spiel zu Bild und fügte hinzu: „So ist Handball, das war keine Absicht.“ Nun hofft der 28-Jährige, dass es keine weitere Sperre seitens der Liga gibt. „Das würde ich richtig finden, aber mal sehen. Ich hoffe, dass ich gegen Hamburg spielen kann.“

Kritik am Videobeweis

SCM-Coach Bennet Wiegert war ebenfalls überrascht von der Entscheidung. „Ich muss die Entscheidung akzeptieren. Ich war erschrocken, als ich Rot gesehen habe. Da dachte ich: Okay, was ist jetzt passiert? Habe ich irgendwas übersehen?“

Nach dem Spiel konnte er sich die Szene ansehen. „Jetzt, wo ich es mir noch mal angeguckt habe, finde ich, dass Janus versucht, den Ball zu treffen. Und er trifft dann halt unglücklich Mathias Gidsel.“

Mit der aktuellen Auslegung des Videobeweises zeigte sich Wiegert aufgrund dieser Szene mehr als unzufrieden. „Mir macht das ein bisschen Sorgen, ob der Videobeweis wirklich dafür da ist, um daraus eine Blaue Karte zu machen. Ich versuche, mich da zurückzuhalten. Das tut natürlich mit einer Niederlage noch mal mehr weh, weil das sicherlich eine Sperre nach sich ziehen wird.“

Daher fordert er nun eine Art Erklärung, wie es im Fußball mittlerweile üblich ist. „Das ist schon hart, was heute mit dem Videobeweis war. Das ist eine Entwicklung, wo ich wirklich Angst habe, in welche Richtung das geht. Also da eine Blaue Karte zu geben und die Wertigkeit zu kennen ist schon viel. Ich würde mir wünschen, dass jetzt mal die Schiedsrichter befragt werden. Im Fußball würden dazu jetzt auch der Schiedsrichter befragt werden.“

Unterstützung bekam er dabei ausgerechnet vom Gegner. Füchse-Sportvorstand Stefan Kretzschmar, der sogar vor dem Videobeweis warnt. „Es kann sein, dass ich bei der Regelauslegungsschulung nicht richtig aufgepasst habe im Sommer. Aber ich empfinde es als gefährlich. Ich finde, dass da ein bisschen mehr Augenmaß auch im Sinne der Sportler wichtig wäre.“

Erster Rückschlag für Magdeburg

Magdeburg fiel durch seine erste Saisonniederlage auf den fünften Platz zurück (4:2 Punkte). Zu einem Nutznießer des Dämpfers für den Klub-Weltmeister avancierte die TSV Hannover-Burgdorf, die trotz ihres ersten Punktverlustes beim 33:33 (16:14) beim früheren Rekordmeister VfL Gummersbach mit 5:1 Zählern auf Rang drei vor die MT Melsungen (4:0) kletterte.

Melsungen ist vor seinem Spiel am Donnerstag gegen den HSV Hamburg (19 Uhr) die einzige Mannschaft im Oberhaus, die neben dem Spitzenduo noch eine blütenweiße Weste besitzt. Der Meister kann allerdings am Donnerstag durch einen Erfolg im Nordderby bei der SG Flensburg-Handewitt (ab 20.30 Uhr im SPORT1-Liveticker) seinen vorherigen Zwei-Punkte-Vorsprung wiederherstellen.

In den unteren Tabellenregionen holte der HC Erlangen durch einen 28:27 (15:15)-Erfolg im Duell zweier zuvor punktloser Mannschaften gegen den Bergischen HC seinen ersten Sieg. Wie das neue Schlusslicht BHC ebenfalls noch ohne Erfolgserlebnis ist Frisch Auf Göppingen nach dem 24:27 (11:15) beim ThSV Eisenach. Im Keller hofft die HSG Wetzlar am Donnerstag (19 Uhr) gegen den TBV Lemgo Lippe im dritten Anlauf auf die erste Punktausbeute.

In Berlin lieferten sich die Füchse und der SCM im ersten Durchgang lange ein Duell auf Augenhöhe mit mehrfach wechselnden Führungen. Nach dem Seitenwechsel setzten sich die Gastgeber allerdings immer mehr ab und hielten Magdeburg in der Folgezeit auf Distanz.

Berlins treffsicherste Werfer waren Rechtsaußen Hans Lindberg und Linksaußen Jerry Tollbring mit jeweils acht Torerfolgen, während Lasse Andersson auch noch sechs Tore für die Hauptstädter erzielte. In Magdeburgs Mannschaft war Michael Damgaard mit vier Treffern der erfolgreichste Spieler.