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"Pack!" Es war nicht Nagelsmanns erste Entgleisung

Es war der Aufreger des vergangenen Wochenendes!

Alassane Pléa lief in der 8. Minute beim Spiel von Borussia Mönchengladbach gegen den FC Bayern frei auf Yann Sommer zu, um die Borussia in Führung zu schießen. Doch Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano verfolgte seinen Landsmann und brachte ihn womöglich durch einen minimalen Kontakt an der Schulter aus dem Tritt.

Schiedsrichter Tobias Welz entschied auf Rote Karte wegen Notbremse, ohne sich die Szenenoch einmal genauer am Monitor anzuschauen. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

„Ich hatte mich natürlich mit dem Videoassistent abgestimmt. Er hat ja auch lange geprüft – der VAR hätte mir auch keine anderen Bilder liefern können als die, die ich auf dem Platz wahrgenommen habe. Deswegen bin ich auch nicht mehr rausgegangen“, begründete Welz sein Vorgehen im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.

Bayern-Trainer Julian Nagelsmann konnte die Entscheidung des Unparteiischen überhaupt nicht verstehen - und ließ sich nach Abpfiff von seinen Emotionen leiten: „Das ist doch ein Witz, will der mich verarschen oder was?“, brüllte er in der Mixed-Zone und wurde noch deutlicher: „Mein Gott, mein Gott. Ein weichgespültes Pack!“. (DATEN: Spielplan der Bundesliga)

Zwar entschuldigte sich der 35-Jährige im Anschluss auf der Pressekonferenz sowie in den sozialen Medien für seine Wortwahl, es war jedoch nicht die erste Entgleisung des oft emotionalen Trainers. SPORT1 blickt auf weitere Aussetzer des 35-Jährigen, der sich allerdings auch schon Anfeindungen anderer gegenübersah. (NEWS: Nach Entgleisung: Das muss Nagelsmann klar sein)

Nagelsmann empört die Feuerwehr

Im April des vergangenen Jahres sah sich Nagelsmann einer Debatte ausgesetzt, die er nicht kommen sah. Im Rahmen der Pressekonferenz vor dem Kracher gegen Borussia Dortmund war er darauf angesprochen worden, ob sich seine Stars im Falle eines vorzeitigen Titelgewinns zurücklehnen würden. Seine Antwort sorgte bei einigen Journalisten für ein Schmunzeln, bei der Feuerwehr jedoch für Ärger.

„Das ist ja auch unser Beruf. Wir sind ja nicht ehrenamtlich unterwegs. Wir können uns nicht entscheiden. Wir haben Bock zu haben! Wir sind nicht bei der Freiwilligen Feuerwehr Südgiesing, sondern beim FC Bayern München. Und da geht‘s drum, dass man in jedem Spiel versucht, eine ordentliche Leistung abzuliefern.“

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Ein sicherlich mit Augenzwinkern gemeintes Statement des Bayern-Coaches, das allerdings höhere Wellen schlagen sollte. Johann Eitzenberger, Vorsitzender des Landesfeuerwehrverbandes Bayern, nahm die Äußerung kritisch wahr und empfahl Nagelsmann einen Besuch bei der Feuerwehr.

„Wir sind bestürzt über die Äußerung, weil sie das Engagement unser Retter diskreditiert. Wir laden Herrn Nagelsmann gerne ein, sich mal eine Wache der Freiwilligen Feuerwehr in Bayern anzuschauen, um mögliche Missverständnisse auszuräumen“, erklärte er der Bild.

Tatsächlich besuchte Nagelsmann nach dem Titelgewinn die Feuerwache 4 der bayerischen Landeshauptstadt, um sich vor Ort über die Arbeit der Feuerwehr zu informieren. Für seinen flapsigen Spruch entschuldigte sich der Bayern-Coach ebenfalls: „Ich bin der letzte, der irgendein Ehrenamt diskreditiert. Ich hatte vorher gehofft, dass man mir das nicht zutraut, aber anscheinend ist das schon der Fall. Ich entschuldige mich bei allen, die es in den falschen Hals bekommen haben.“

Der Flaschenwurf von Sinsheim

Auch am 28. Oktober 2017 hieß wie am vergangenen Wochenende der Gegner Borussia Mönchengladbach, als Nagelsmann - damals noch Trainer der TSG Hoffenheim - im Heimspiel der Kraichgauer die Sicherungen durchbrannten. Nach dem 1:1-Ausgleichstreffer von Thorgan Hazard warf Nagelsmann eine Wasserflasche auf die Tribüne.

Die Plastikflasche erwischte einen Mann, der hinter den Trainerbänken auf den Rängen saß. Nagelsmann hielt nach der Aktion sofort inne und entschuldigte sich bei dem Opfer des Flaschenwurfs. Auch nach dem Spiel bezog er nochmals Stellung zu seinem Aussetzer.

„Das war keine Absicht. Ich wollte an die Mauer werfen und dann prallt die Flasche ab und trifft den Fan. Es war eine dumme und dämliche Aktion, die mir nicht passieren darf und die mir nicht mehr passieren wird. Ich habe mich entschuldigt, es tut mir leid“, sagte der Trainer damals bei Sky.

Bereits zwei Monate zuvor hatte Nagelsmann mit einem Flaschenwurf auf sich aufmerksam gemacht. In der Champions-League-Qualifikation gegen Liverpool hatte er nach einer vergebenen Chance eine Flasche gegen die Wand gefeuert.

Nagelsmann lässt Wut am Koffer aus

Borussia Mönchengladbach und Nagelsmann - das passt irgendwie nicht. Auch am 15. Dezember 2018 leistete er sich einmal mehr gegen die Fohlen einen kleinen Wutausbruch, als ihn der Hoffenheimer Chancenwucher zur Weißglut trieb.

Als seine Mannschaft nach rund 30 Minuten viel zu langsam von hinten herausspielte, trat er einen Koffer mit voller Wucht um und ließ seine angestaute Wut raus. Viel bringen sollte die Explosion nicht, am Ende trennten sich die Teams trotz einer Torschussbilanz von 25:4 für die Kraichgauer mit 0:0.

Brych erbost Nagelsmann

Grund zum Ärger hatte Nagelsmann auch beim bitteren 1:1 der TSG bei RB Leipzig im Februar 2019. Damals machte Nagelsmann Schiedsrichter Dr. Felix Brych als Hauptschuldigen aus. Der Unparteiische pfiff den Kraichgauern vor dem Last-Minute-Ausgleich zu Unrecht drei Mega-Chancen wegen angeblicher Abseitsstellungen ab.

„Mein Gott, mein Gott, mein Gott! Das ist ein Champions-League-Schiri – Wahnsinn!“, fluchte er nach Spielende im Kabinentrakt und suchte das Vier-Augen-Gespräch mit dem FIFA-Schiedsrichter.

Ausgerechnet Brych war einmal mehr mitverantwortlich dafür, dass Hoffenheim unter dem heutigen Bayern-Trainer im Kampf um die internationalen Plätze einen erheblichen Rückschlag erlitt. Zwei Spielzeiten zuvor leitete er mit zwei gravierenden Fehlern die 1:2-Niederlage der TSG bei Borussia Dortmund ein, durch die Hoffenheim den dritten Champions-League-Platz an die Schwarz-Gelben verlor.

Auch damals brodelte es in Nagelsmann, der sich aber zurückhalten konnte. Lediglich ein kleiner Seitenhieb gen Brych ging damals von ihm aus: „Wir waren besser als Dortmund. Außer in den letzten Minuten kann ich mich an keine Großchance von Dortmund erinnern, die nicht der Schiedsrichter eingeleitet hat.“

Nagelsmann: „Dann klicken die Handschellen“

Keinen einfachen Abend sollte auch Schiedsrichter Christian Dingert am 9. Dezember 2016 bei der Partie von Eintracht Frankfurt gegen Hoffenheim haben. Der Unparteiische wirkte beim 0:0-Giftduell oftmals unsicher und traf vermehrt falsche Entscheidungen. Eine klare Tätlichkeit von David Abraham gegen Sandro Wagner wertete Dingert nicht als Rote Karte, weshalb Nagelsmann in den Kabinengängen der Kragen platzte.

„Wenn ich irgendwo sehe, wie ein Mann einem anderen mit dem Ellbogen in dieser Art und Weise ins Gesicht schlägt, klicken die Handschellen. Der wird das Tageslicht so schnell nicht mehr wiedersehen. Da fehlt mir die Relation zwischen dem Sport und dem realen Leben“, regte sich der 29-Jährige damals nach der Begegnung auf.

Auch rund vier Jahre später gerieten Nagelsmann und Dingert aneinander. Nagelsmann, damals bereits Trainer in Leipzig, verlor mit RB am 23. Januar 2021 mit 2:3 bei Mainz 05 - und machte Dingert mitverantwortlich für die Pleite. Während der 90 Minuten schimpfte er wiederholt über die Entscheidungen des Unparteiischen und fragte, was Dingert „für eine Scheiße“ zusammenpfeife.

Nagelsmann, der „kleine Pisser“

Doch nicht nur Nagelsmann teilte aus und ließ seiner Wut freien Lauf. Auch er sah sich Anfeindungen anderer ausgesetzt, wie er am 17. März 2018 - wieder mal gegen Gladbach - am eigenen Leib erfahren musste.

Kurz nach dem 1:1-Treffer der Borussia im Bundesligaspiel gegen Hoffenheim kam es zu einer emotionalen Auseinandersetzung zwischen Gladbachs Sportdirektor Max Eberl und dem TSG-Trainer.

Vorausgegangen war ein Foulspiel von Hoffenheims Benjamin Hübner an Thorgan Hazard in der 36. Minute, für das Hübner die Gelbe Karte sah. Im Anschluss machte Eberl in Richtung Nagelsmann eine Geste, bei der er sich den Finger unter der Nase rieb. Offenbar warf er ihm Hochnäsigkeit vor. Eberl ließ sich außerdem dazu verleiten, Nagelsmann als „kleinen Pisser“ zu bezeichnen, was TV-Mikrofone belegen konnten.

Der heutige Geschäftsführer Sport von RB Leipzig entschuldigte sich nach der Partie bei Nagelsmann: „Auch ich bin nicht frei von Fehlern. Ich war hochemotionalisiert. Dabei habe ich etwas gesagt, was sich nicht gehört. Ich habe mich bereits bei Julian entschuldigt“, sagte er bei Sky. „Es passierte aus der Emotion heraus.“

Roger Schmidt beschimpft Nagelsmann als „Spinner“

Dickes Fell musste Nagelsmann auch im Oktober 2016 beweisen, als er mit der TSG zum Gastspiel in Leverkusen antrat. Beim Stand von 2:0 für Nagelsmanns Elf ließ sich Bayer-Trainer Roger Schmidt nach einem Zweikampf an der Seitenauslinie auf ein Wortgefecht mit dem TSG-Coach ein, bei dem er ihn lautstark anbrüllte.

„Was bist du denn für ein Spinner? Das war doch nichts. Halt doch mal die Schnauze!“ Nagelsmann hatte in der Aktion ein Foul erkannt. Blöd für Schmidt: Die Mikrofone fingen seine Entgleisung auf. Später ordnete Nagelsmann die Aktion ein: „So etwas kann in der Hitze der Emotion passieren. Ich lege das nicht auf die Goldwaage.“