Werbung

"Der meist unterschätzte Formel-1-Fahrer aller Zeiten"

Die Formel 1 startet im März in Bahrain in ihre neue Saison. Vermarkter Liberty Media und alle außer Red Bull haben dann nur einen Wunsch: Dass es diesmal spannender wird als 2023, als Max Verstappen mit seinem Red Bull alles in Grund und Boden fuhr und seinen dritten Titel in Folge geradezu mit links zementierte.

Gut für den Niederländer und sein Team, aber schlecht fürs Geschäft und die weltweiten Quoten. Kult-Teamchef Eddie Jordan sieht im Gespräch mit SPORT1 nur einen ernstzunehmenden Konkurrenten für Verstappen - nicht unbedingt denjenigen, den alle erwarten würden.

Außerdem verrät der 75-Jährige, welchen Deutschen er für den am meistunterschätzten Fahrer der Formel-1-Geschichte hält.

Eddie Jordan: Nur Leclerc kann Verstappen gefährden

Der Ire, der Michael Schumacher in seinem Rennstall 1991 in Spa sein erstes Rennen in der automobilen Königsklasse ermöglichte, sieht nur einen „Challenger“, der an der Spitze ernsthaft angreifen könnte: „Das ist Charles Leclerc. Ferrari muss es gelingen, ihm in diesem Jahr ihm ein Auto auf Augenhöhe mit dem Red Bull zu bauen. Sonst sehe ich schwarz, was die Spannung betrifft.“

Als Fünfter der Gesamtwertung hinter Verstappen, Teamkollege Sergio Pérez und den Altmeistern Lewis Hamilton und Fernando Alonso erlebte der Monegasse Leclerc 2023 eine enttäuschende Saison. Dennoch glaubt Jordan: Leclerc ist noch eher eine Gefahr für Verstappen als die beiden Ex-Weltmeister.

„Wenn ich jetzt ein Topteam hätte und Max nicht bekommen würde, gäbe es nur eine Fahrerpaarung, die fähig wäre, den Kampf mit Verstappen aufzunehmen: Charles Leclerc und als Teamkollege Lando Norris“, entwirft Jordan ein Wunschszenario: „Lewis Hamilton und Fernando Alonso, wohlverdiente Champions fürwahr, traue ich wegen ihres schon fortgeschrittenen Alters einfach nicht mehr zu, mit Verstappen mithalten zu können.“

Frentzen „der meist unterschätzte Formel-1-Pilot aller Zeiten“

Jordan beruft sich bei seiner Prognose auf seine Erfahrung als ehemaliger Teambesitzer. „Ich habe schon eine Menge erlebt“, sagt er - und sieht Verstappen als einen, der in der allerobersten Liga spielt: „Max Verstappen ist für mich die Mischung aus Senna und Schumacher.“

Der langjährige Strippenzieher weiß, wovon er redet: Er war hautnah dabei, als Schumacher die Formel 1 im Sturm erobert hatte. „Bei Michael war schon nach den ersten Testfahrten in Silverstone klar: Er wird der Herausforderer von Ayrton Senna werden. Er war auf Anhieb so schnell, dass wir glaubten, die Stoppuhr spinnt“, erinnert er sich.

Jordan streicht in der Erinnerung an seine frühere Tätigkeit aber auch einen anderen Deutschen heraus: Heinz-Harald Frentzen, mit dem er 1999 und 2000 zusammengearbeitet hatte. „Für mich ist er immer noch der meist unterschätzte Formel-1-Pilot aller Zeiten“, sagt Jordan: „Er war ein begnadetes Naturtalent.“

Frentzen fuhr zwischen 1994 und 2003 156 Rennen in der Königsklasse und holte drei Siege, blieb auf hohem Niveau allerdings unvollendet: Seine beste Chance, Weltmeister zu werden, entging ihm zwischen 1997 und 1998, als er Teil des damaligen Top-Teams Williams war. 1997 wurde er Vize-Weltmeister hinter seinem damaligen Teamkollegen Jacques Villeneuve. (Heinz-Harald Frentzen: Mit diesem Look erkannten ihn Fans in diesem Jahr kaum wieder)

Marko: „Max ist noch nicht am Limit“

Bei Red Bull sieht man Jordans aktuelle Prognosen übrigens gelassen.

Chefberater Helmut Marko (80) dazu zu SPORT1: „Sicher sind Leclerc und auch Norris außergewöhnliche Talente. Aber beide haben in der Vergangenheit Schwächen in der Konstanz gezeigt. Dazu kommt: Max ist noch nicht am Limit. Er wird noch besser werden. Es ist unsere Aufgabe, ihm ein ähnlich gutes Auto wie 2023 zur Verfügung zu stellen. Dann wird er wieder der Maßstab sein.“

Fest steht: Die Prognosen von Eddie Jordan werden den Formel-1-Machern besser gefallen als die für sie düsteren Zukunftsaussichten von Helmut Marko. Die Wahrheit liegt am Ende wie immer auf der Strecke. Das erste Mal beim Saisonauftakt Anfang März in Bahrain.