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Hat Vettel zu früh aufgehört?

Die Story um das Formel-1-Comeback von Sebastian Vettel wird als eine der größten Enten in die Formel-1-Geschichte eingehen.

SPORT1 weiß: Vettel war nie ein Thema, den bei einem Fahrradunfall verletzten Stammpiloten Lance Stroll bei Aston Martin zu ersetzen. Aus zwei Gründen.

Erstens wussten die Verantwortlichen von Aston Martin, dass der Deutsche nach seinem Rücktritt im letzten Jahr ohne Training und Lust nicht bereit war, in das neue Auto seines letzten Teams zu springen.

Vettel war mit der Familie im Wohnmobil am Polarkreis unterwegs, um die fast unberührte Natur in der Nähe des Nordpols zu genießen, als Stroll seinen Unfall mit dem Fahrrad hatte, bei dem er sich an beiden Handgelenken verletzte. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Ob er das Missgeschick seines Teamgefährten überhaupt mitbekommen hatte, ist zu bezweifeln. Der viermalige Weltmeister aus Heppenheim mit Wohnsitz in der Schweiz war völlig abgetaucht, sein Handy meistens ausgeschaltet, selbst engsten Vertrauten teilte er mit, er stünde erst Anfang März wieder zu Gesprächen zur Verfügung.

Vettel spielte bei Aston Martin keine Rolle

Zweitens: Aston Martin plante stets nur mit zwei Optionen. Vettel spielte nie eine Rolle. Ziel Nummer eins war es, den verletzten Sohn des Teaminhabers Lawrence Stroll für den Saisonauftakt am Sonntag in Bahrain wieder fit zu bekommen (wie bereits bestätigt).

Hätte das nicht geklappt, sollte der brasilianische Ersatzpilot Felipe Drugovich sein Cockpit übernehmen. Der amtierende Formel-2-Champion sprang deshalb bereits bei den Testfahrten für Stroll ein. Seine brasilianischen Sponsoren zahlten einen höheren Millionenbetrag, damit ihr Schützling ans Steuer darf, wenn einer der Stammpiloten ausfällt.

Hat Vettel zu früh aufgehört?

Anders als die müßigen Comeback-Gerüchte ist eine Frage durchaus ein Thema: Hat Vettel seine Karriere zu früh beendet? (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Hintergrund: Fernando Alonso (41), Nachfolger des Deutschen, legte beim Test in Bahrain sensationelle Zeiten hin. Der Doppelweltmeister aus Spanien strotzte danach nur so vor Selbstvertrauen.

„Am dritten Tag sind wir eine Rennsimulation gefahren, also 57 Runden, genauso viele, wie wir am kommenden Sonntag fahren werden. Wir haben für diese 57 Runden vollgetankt, wir haben die GP-Simulation mit jener Abstimmung gefahren, die wir für die beste halten, wir haben auch Reifen gewechselt, so wie wir das für den WM-Auftakt planen“, erklärte Alonso.

„Ferrari war zur gleichen Zeit ebenfalls für eine Simulation auf der Bahn, sie hatten den Tank voll wie wir, sie haben ebenfalls Boxenstopps gemacht – und wir waren schneller“, ergänzte er: „Wir waren nun drei Tage lang konkurrenzfähig, und im Auto steckt noch reichlich Potenzial. Wir wollen gemessen an 2022 einen markanten Schritt nach vorne machen, und ich glaube, wir sind dafür gut aufgestellt.“

Wird Aston Martin zur großen Überraschung?

Fest steht: Weltmeister Max Verstappen scheint mit seinem Red Bull noch unantastbar, aber dahinter könnte Alonso für Überraschungen sorgen. Und das mit einem Auto, das im letzten Jahr noch mit Vettel am Steuer gerade mal siebtbestes von zehn Teams werden konnte. Das aber lag nicht am Deutschen, dessen Potenzial von den Experten immer noch ähnlich wie das von Alonso bewertet wird.

„Alonso war und ist ein Superfahrer, aber ich denke, das gilt auch für Sebastian“, sagt beispielsweise Formel-1-Rückkehrer Nico Hülkenberg (35) zu SPORT1. Vielmehr hat das Team des kanadischen Milliardärs Lawrence Stroll schon im Sommer vergangenen Jahres erkannt, dass das letztjährige Auto eine Fehlkonstruktion war – und kein Stein mehr auf dem anderen gelassen.

Man engagierte Dan Fallows von Red Bull als neuen Technikchef. Der entschied, für 2023 ein völlig neues Auto zu bauen und nicht wie alle anderen Teams eine Weiterentwicklung des aktuellen Modells zu konstruieren. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Vettel hätte von neuer Stärke profitieren können

Ein Aston-Martin-Insider zu SPORT1: „Madows ist der entscheidende Schritt gewesen. Er ging in die Schule von Red-Bull-Einstein Adrian Newey und ist einer der Schlüssel zum Erfolg. Dazu kommen Alonso und Teamchef Mike Krack, der eine optimale Ergänzung zu Madows ist.“

Kurios: Der Luxemburger Krack, der früher bei BMW war und deshalb mit seiner Familie noch in der Nähe von München wohnt, nahm sogar Dichtungsringe, die für den Test in Bahrain dringend gebraucht wurden, persönlich im Handgepäck mit zum Test. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Fest steht: Aston Martin könnte zur großen Überraschung werden und mit ein wenig Glück sogar Siege einfahren. Von der neuen Stärke hätte auch Vettel profitieren können – wenn er nicht aufgehört hätte.