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Historischer Tiefpunkt für deutsche Piloten

Historischer Tiefpunkt für deutsche Piloten
Historischer Tiefpunkt für deutsche Piloten

Am Sachsenring wird Stefan Bradl im Sommer seine Runden drehen. „Ja, das ist fix“, sagt der Zahlinger dem SID, mit einer Wildcard geht der Honda-Testfahrer in der MotoGP an den Start und freut sich schon auf das Heimrennen.

Auch, weil er mittlerweile 34 Jahre alt ist und nicht weiß, wie oft er wohl noch in diesen Genuss kommen kann. Aber wenigstens einmal ist der frühere Weltmeister mindestens dabei, immerhin, denn einen deutschen Fixstarter gibt es in der Motorrad-WM erstmals seit einer Ewigkeit nicht.

Bei der Premiere 1949 war das so, auch 1950, ehe 1951 Hans Baltisberger den Anfang machte. Es ist also fast 75 Jahre her, dass die schwarz-rot-goldene Flagge wie am kommenden Wochenende beim Auftakt in Katar in den Startlisten fehlte.

Tulovic war der letzte Fahrer

Schon seit 2020 war jeweils nur ein deutscher Rennfahrer im Einsatz gewesen, Lukas Tulovic verabschiedete sich nach der vergangenen Saison in der Moto2 als letzter aus dem Teilnehmerfeld.

„Es ist schade, das hat man über die Jahre kommen sehen“, so Bradl. Ärgern will er sich nicht darüber, auch wenn er regelmäßig Kritik an der Förderung hierzulande übte. Wann es eine Trendwende geben und die Flaute enden werde, sei nicht seriös vorhersagbar. Bradl will da lieber „keine Prognose abgeben“.

Doch er möchte Abhilfe schaffen. Der Routinier hat vor einiger Zeit ein Nachwuchsprojekt („Stefan Bradl Rookie Days“) auf die Beine gestellt, damit sollen ganz junge Fahrerinnen und Fahrer entwickelt werden.

Neuerdings arbeitet Bradl im Rahmen des „Northern Talent Cup“ auch mit dem Team Kiefer Racing zusammen, also dem Rennstall, auf dessen Moto2-Maschine er 2011 den Weltmeistertitel geholt hatte. Ein Jahr später gewann sein Kumpel Sandro Cortese (Berkheim) die Moto3-Krone, seitdem ging es stetig bergab.

Aus Sieben mach Null

Sieben deutsche Piloten waren 2013 noch dabei, fünf 2016, drei 2019: Marcel Schrötter (Vilgertshofen), Philipp Öttl (Ainring) und Tulovic (Eberbach). Alle fahren zwar noch Rennen, aber nicht mehr auf der höchsten Ebene. Schrötter ist in der Supersport-, Öttl in der Superbike-WM unterwegs, Tulovic fährt in der MotoE eine Elektromaschine.

Damit mittelfristig Deutsche auch wieder ganz oben dabei sein können, gibt es weitere Maßnahmen. Der Deutsche Motor Sport Bund (DMSB) und die ADAC Stiftung Sport haben 2021 die Fördersystematik „Motorsport Team Germany“ eingeführt. In diesem Jahr werden 36 Talente aus zehn Automobil- und Motorraddisziplinen gefördert, sie erhalten Schulungen in den Bereichen Fitness, Mentaltraining, Sponsoring oder Medien.

Und auch hier ist Bradl eingebunden, als „Trainer und Fahrercoach“, wie er selbst sagt. In der Disziplin „Motorrad Rundstrecke“ sind 2024 vier Talente dabei, Fynn Kratochwil, Rocco Sessler, Anina Urlaß und Thias Wenzel. „Die Nachwuchsförderung ist für mich eine Herzensangelegenheit“, betont Bradl.

Im Optimalfall schaffen es Nachwuchspiloten wie etwa Sessler in den Red Bull Rookies Cup, für Bradl „der beste Weg“ Richtung WM. Doch dafür müsse das Können auch stimmen, sonst würden dem deutschen Nachwuchs nicht nur die vielen Spanier „um die Ohren“ fahren, sagt Bradl. Es gibt viel zu tun.