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Vielleicht passiert etwas, das niemand auf dem Zettel hat

Es sieht nicht gut aus für den 1. FC Köln. Das Heimspiel gegen Aufsteiger Heidenheim (1:1), da sind sich die Beobachter rund um die Klubzentrale „Geißbockheim“ einig, hätten sie gewinnen müssen. Reißleine gezogen, neuer Trainer da - doch es wurde wieder nichts.

Die Darbietung war erschreckend. In der zweiten Hälfte, als es ja eigentlich um alles ging, fehlte dem Kölner Auftritt komplett die Energie. Kein Funke sprang über, viel zu gehemmt wirkte das, was die Gastgeber unten auf dem Rasen anboten. Nach Spiel eins unter einem neuen Trainer sah das überhaupt nicht aus.

Podolski: “Das war zu wenig“

Auch Vereinslegende Lukas Podolski, der den Neu-Start in seiner Loge verfolgte, war total enttäuscht. „Leblos, mutlos. In der 70. Minute wurde beim Stand von 1:1 nicht mehr gepresst. Da wird kein Feuer entfacht“, urteilte Podolski im Express: „Man spielt zu Hause, mit den Fans im Rücken. Das war zu wenig.“

Es gibt tatsächlich wenig, das in dieser Rückrunde für den 1. FC Köln spricht. Die Mannschaft wirkt zu schwach, um plötzlich eine Serie zu starten. Dazu kommen viele andere Sorgen. Aber vielleicht liegt genau darin auch die allerletzte Chance. Dass im Grunde kaum ein Experte noch etwas auf diesen großen Traditionsverein gibt.

Die Chefs, sowohl Sportchef Christian Keller als auch der neue Trainer Timo Schultz, sind komplett unerfahren im Bundesliga-Abstiegskampf. An wen sollen die Spieler glauben, zu wem aufschauen? Schultz hat gegen Heidenheim sein erstes Spiel überhaupt in der höchsten deutschen Spielklasse gecoacht. Vielleicht wäre in dieser bedrohlichen Situation ein erfahrener Fußballlehrer wie Friedhelm Funkel, beispielsweise mit Klublegende Jonas Hector an seiner Seite, die bessere Lösung gewesen. Die Meinung kreist in Köln.

Kriegt der 1. FC Köln noch die Kurve?

Dazu steckt der Verein im absoluten Transfer-Dilemma. Top-Talente wie zum Beispiel Justin Diehl, 19 Jahre, können den FC verlassen, aber dürfen wegen des CAS-Urteils nicht nachbesetzt werden. Die Kölner dürfen in diesem Jahr keinen einzigen Spieler holen. Da aber einige gehen werden, erst recht im Abstiegsfall, wird der Kader schwächer und schwächer.

Die Sperre zu verhindern, sich mit der Streitpartei Olympia Ljubljana vielleicht außergerichtlich zu einigen, wäre aus sportlichen Gründen für den Verein extrem wichtig gewesen. Mit Luca Waldschmidt, Davie Selke und Mark Uth fehlen die wichtigsten Angreifer jetzt wochenlang, doch der FC darf für die Rückrunde keinen anderen Stürmer ausleihen. Das Leistungsniveau sinkt.

Und nun kommt Samstag der BVB, plötzlich euphorisch mit seinen Winter-Neuzugängen, zum Beispiel Jadon Sancho, der beim 3:0 in Darmstadt direkt Marco Reus einen Treffer vorlegte. Auch auf der Dortmunder Trainerbank brennt mit den Co-Trainern Nuri Sahin und Sven Bender neues Feuer. Da braucht es keine Kristallkugel, um aus Kölner Sicht eine akute Abschussgefahr festzustellen.

Vielleicht kriegt der 1. FC Köln noch die Kurve. Vielleicht passiert etwas, das niemand auf dem Zettel hat. Doch so viel Realismus sollte sein: Es braucht definitiv ein mittelgroßes Wunder. Der Bundesliga, das ist ganz klar, wäre der Kölner Klassenerhalt mehr als zu wünschen.