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Kommentar: Jetzt kauft sich Qatar für die Fußball-WM auch noch eigene Fans

Es ist nur konsequent: Beim wichtigsten Fußballturnier der Welt in Qatar wird genügend im Argen liegen. Da wollen sich die Organisatoren wenigstens lästige Fans vom Leibe halten. Die WM-Farce erhält eine weitere Fortsetzung.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Ein Blick auf die Küstenstraße Corniche in Doha (Bild:  REUTERS/Ibraheem Al Omari)
Ein Blick auf die Küstenstraße Corniche in Doha (Bild: REUTERS/Ibraheem Al Omari)

Die Herrschenden in Qatar haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt. Sie wollen beweisen, dass man sich mit Geld alles kaufen kann. So haben sie nicht nur die Ausrichtung der Fußball-WM ergattert, sondern schnitzen sich gleich die eigenen Fans. Denn Kontrolle muss schon sein in einem Regime.

So verwundert auch nicht die neueste Meldung aus Doha: Um die 1600 Fans aus allen teilnehmenden Ländern sind nach Qatar eingeladen worden, um auf Staatskosten die Spiele zu genießen. Bedingungslos ist diese Geste nicht: Sie sollen bei der Eröffnungsfeier schön singen, möglichst vorbereitet, gute Laune verbreiten und für hübsche Bilder sorgen.

Während also die „normalen“ Fans horrende Preise dafür zahlen müssen, um in Containern untergebracht zu werden, oder schlaflose Preise für Vier-Sterne-Hotels, kriegt diese Spezies von Fans sogar eine Tageszulage. Das Fan-Hauptquartier der deutschen Nationalmannschaft wird gar nicht erst in Qatar aufgeschlagen werden, sondern in Dubai; denn für solch Kokolores ist es in Qatar zu klein. So werden zu einzelnen Spielen zahllose Fans ein- und ausgeflogen werden. Dass die Spiele angeblich klimaneutral organisiert werden, liegt nur daran, dass die qatarischen Ausrichter noch tiefer in die Tasche langen und entsprechend Emissionszertifikate aufkaufen. Der Ablasshandel wird auf die Spitze getrieben.

Fan ist in Doha ein dehnbares Wort

Und die „offiziellen“ Fans? Sie wurden von einem angeblichen internationalen Fan-Netzwerk ausgewählt, von dem niemand zuvor gehört hat. Persönlich ausgewählt wurden sie. Erzähle keiner, da werde niemals ein Buddy seinen Buddy auf die Liste setzen…

…aber dafür muss auch einiges geleistet werden: Sie sollen über Liken und Teilen die vom Ausrichter vorbereiteten Inhalte in die Sozialen Medien bringen, in denen aller supidupi sein wird. Ein kritisches Wort, und sei es nur über die Linsensuppe am Straßenrand, wird so wahrscheinlich sein wie Schneefall in Doha zu Weihnachten. Und klar, „verunglimpfen“ des Gastlandes sei sehr „unangemessen“, schreiben die Einlader vorausschauend. Darüber hinaus werden diese „Fans“ aufgefordert, selbst kritische Inhalte auf Social Media zu melden, möglichst per Screenshot. Sie werden eine Fan-Polizei werden. Was hat das eigentlich noch mit Fans zu tun?

Die Pille wurde verkauft

Klar, nichts. Aber so ist es, wenn das Turnier an ein Land geht, in dem die deutsche Innenministerin sich vom qatarischen Regierungschef das Versprechen abholen muss, dass Fans sich frei bewegen dürften. Ein Land, dass zwei Apps entwickelt hat, damit Bewegungen von Fans über ihre Handys genau nachverfolgt werden können und daher Besucher schon jetzt in Deutschland darauf hingewiesen werden, besser nicht mit eigenem Smartphone anzureisen.

Natürlich werden die Ausrichter dieses Riesenturnier zu stemmen versuchen und damit an einigen Stellen scheitern, schließlich ist Qatar ein Zwergstaat, der vorwiegend von Gas- und Öleinnahmen lebt. Da kauft man sich die Dienstleistungen von anderen Ländern ein. Und nun eben auch die Fans.

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