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Ein krasser Fehler, an ihm festzuhalten

Hallo Liebe F1-Fans,

Red Bull lässt die Ohren der Konkurrenten wieder kräftig glühen. Die Fahrzeug-Philosophie des dominanten 2023er Fahrzeuges auf links zu drehen, obwohl man damit alle mit dem Nasenring durch die Manege gezogen hat, ist sehr mutig. Aber gekonnt umgesetzt. Wenn Mercedes, Ferrari, Aston Martin oder McLaren gehofft hatten, näher herangekommen zu sein, in dem man das Red Bull Konstruktionsbild kopiert, hat man in Bahrain eine Ohrfeige bekommen.

Red Bull geht konzeptionell einen deutlich anderen Weg als 2023 und festigt damit auf Anhieb die Rolle als Dominator. Verstappen und Pérez zeigen den anderen wieder die Rücklichter, die bei den Rückständen eher schon nicht mehr zu sehen sind am Horizont. Verblüffend, wenn von außen betrachtet auch alles andere als Spannung fördernd.

Ein Ferrari-Pilot ist von allen Fesseln befreit

Ferrari könnte ein echter Hot Spot des Jahres werden. Durch die Verpflichtung von Hamilton für 2025 ist Sainz von allen Fesseln befreit. Mag das Team Leclerc als klare Nr. 1 sehen - der Spanier wird alles dafür tun, sich selber ins Rampenlicht zu schieben im Kampf um ein Top-Cockpit für die kommenden Jahre.

Einen ersten Geschmack darauf hat Leclerc in Bahrain erhalten. Sainz hat ihn zweimal sehr konsequent mit vollem Risiko kassiert und gezeigt, dass er keineswegs als Lame Duck durch das Jahr rodeln will. Da wird es für Frederic Vasseur einiges zu managen geben hinter den Kulissen.

Leclerc, geschwächt durch das Problem, dass seine neue Rote Diva beim Bremsen auf der Vorderachse permanent nach rechts wegzog, dürfte mit dickem Hals aus Bahrain abgerauscht sein. Wie 2023 kein guter Saisoneinstieg für ihn. Im vergangenen Jahr hat er lange gebraucht, um seinen Rhythmus zu finden, und sich von den Rückschlägen in der Anfangsphase der Saison zu erholen.

Mercedes hat auf die Rennpace gehofft, die 2023 oft deutlich besser war, als die im Qualifying. Da verwachst Hamilton in Bahrain mit dem Setup, das angeblich zugunsten der Rennpace etwas vernachlässigt wurde. Die Rechnung ist nicht aufgegangen.

Hamilton bleibt von Startplatz 9 somewhere im Nowhere Land. Teamkollege Russell ist ordentlich unterwegs, vor allem in der Anfangsphase, verliert Platz 4 wegen eines eigenen Fahrfehlers gegen Leclerc. Ich befürchte, es wird kein schönes Abschiedsjahr für den Erfolg verwöhnten Lewis Hamilton.

McLaren nicht mehr der Watschenbaum aus dem Vorjahr

McLaren hat eine deutlich bessere Anfangsbasis als 2023, wo sie als Watschenbaum das erste Saisondrittel über die Strecken torkelten. Norris und Piastri sind gut dabei. Aber keineswegs die ersten Red Bull-Jäger, wie häufig in der zweiten Saisonhälfte des Vorjahres. Die Luft wird dünner, je weiter man nach oben kommt. Titelanwärter ist die Truppe von Zak Brown in beiden Wertungen bei weitem nicht. Und ich glaube, das werden sie im Laufe der Saison auch nicht werden.

Aston Martin hat mich in Bahrain total enttäuscht. Bahrain und Alonso passen eigentlich glänzend zusammen. Diesmal überhaupt nicht. Stroll hat Pech, von Hülkenberg in der Startphase in einen Dreher gejagt zu werden. Alonso spielt nicht wirklich eine Rolle, kommt als Neunter in die Punkte, Stroll als Zehnter ebenso. Aber prickelnd ist der Auftritt des Teams nicht wirklich.

Bei Sauber ist ein Wettunternehmen ein neuer großer Zampano als Geldgeber und Investor. Auf die eigenen Fahrer werden die Chefs aber dennoch nicht wetten. Das Auto ist zu langsam, um für fette Überraschungen sorgen zu können. Es ist eine zweijährige Übergangsphase, bis Audi offiziell übernimmt. Die Werkzeuge in Hinwil sollten nach und nach besser werden.

Bottas hat das Pech, sich in der Startphase den Frontflügel am Heck von Hülkenbergs Haas schief zu stoßen. Dazu eine klemmende Radmutter beim Boxenstopp. Zhou fährt ein sehr ordentliches Rennen, schnuppert permanent an einem Top-10-Platz. Prinz im Karpfenteich werden aber beide 2024 nicht werden.

Hülkenberg? Haas muss Kerze aus Dankbarkeit anzünden

Die Racing Bulls mit Tsunoda und Ricciardo solala. Ricciardo schielt auf den Sitz neben Verstappen als möglicher Pérez-Nachfolger. Tsunoda ist jetzt lange genug dabei, um endlich Kante zu zeigen. Das Auto sollte im Laufe der Saison besser werden, die Synergien mit Red Bull werden zunehmend ausgebaut und erweitert. Davon sollte das kleinere Schwesterteam profitieren. In Bahrain war das allerdings noch nicht wirklich zu sehen.

Williams hat im vergangenen Jahr einiges in Bewegung gebracht an Weiterentwicklung. In dieser Hinsicht ist in Bahrain Sand im Getriebe. Albon holt raus, was geht. Sargeant macht da weiter, wo er 2023 aufgehört hat. Ein eigener Fahrfehler katapultiert ihn komplett aus einer Form von Wettbewerbsfähigkeit raus. In meinen Augen ein krasser Fehler, an ihm festzuhalten. Das Cockpit ist für diese Saison verloren. Da hätte man einen jungen Fahrer fördern sollen.

Haas darf an jedem Tag eine Kerze aus Dankbarkeit dafür anzünden, dass sie Nico Hülkenberg haben. Die Basis des Fahrzeuges ist eine deutlich bessere, als im Vorjahr. Hülkenberg brilliert wieder einmal im Qualifying. Im Rennen ist zu sehen, dass die Reifen nicht mehr mit zunehmender Rundenzahl einfach zerbröseln. Pech für Hulk, dass er in der Startphase aufs Heck von Strolls Aston Martin knallt und den Frontflügel tauschen lassen muss.

Da Teambesitzer Gene Haas weiterhin kein Geld in die Hand nehmen will, werden die anderen im Mittelfeld fröhlich weiterentwickeln und Haas mit fliegenden Fahnen hinter sich lassen. Für Hülkenberg bleibt zu hoffen, dass er 2025 den Sprung in ein besseres Team schafft. Bei gut zwei Drittel der Fahrer laufen die Verträge aus, da sollten durchaus Türen aufgehen. Verdient hätte er es sich.

Formel-1-Saisonstart: Alpine ist komplett von der Rolle

Alpine ist das McLaren von 2023 - beim Saisonstart komplett von der Rolle, mit einer Tonne voller Enttäuschungen. Jetzt rächt sich das Team-Bingo des vergangenen Jahres, als man in Spa nahezu alle führenden Köpfe rollen ließ und austauschte. Für den Rest des Jahres konnte man da noch einiges kaschieren. Über den Winter nicht mehr.

Das Auto ist ein komplett neues. Verstehen tun sie es teamintern definitiv überhaupt nicht. Wo Gasly und Ocon rumeiern, ist erbärmlich und demotivierend. Und mir fehlt aufgrund der Team-Struktur der Glaube, dass die in absehbarer Zeit aus der Malaise rauskommen. Bitter für die beiden Kutscher.

Viele Neu-Entwicklungen, Evolutionen, nur drei Testtage in Bahrain auf der Strecke - und trotzdem kein technisch bedingter Ausfall, alle sind durchgekommen. Es ist schon bemerkenswert, auf welch hohem Niveau in der Formel 1 gearbeitet wird.

Da bis zum nächsten Rennen in Saudi-Arabien nur wenige Tage liegen, wird sich bis dahin nicht viel ändern. In Dschidda ist eher dasselbe zu erwarten, was wir in Bahrain gesehen haben.

Sollte jemand glauben, 2024 wird alles anders, deutlich schwieriger für Red Bull, muss ich ihn enttäuschen. Aus meiner Sicht bleiben die Roten Bullen unantastbar über die Distanz gesehen. Verstappen ist eine Maschine, nahezu fehlerfrei und längst nicht satt, was Siege und Trophäen angeht. Der Trubel hinter den Kulissen rund um die unappetitliche Affäre mit Christian Horner im Zentrum wird ihn nicht aus den Tritt bringen.

Pérez zeigt Zähne, wie eigentlich immer zu Beginn einer Saison, signalisiert, dass er um sein Cockpit bis zum Allerletzten fighten wird. Nicht viel Neues also in der Wüste von Sachir, wenn es um Titelträume und Ambitionen geht. Die Kämpfe mit harten Bandagen finden klar hinter Red Bull um den Titel als Best-of-the-rest statt.

Bleiben Sie gesund und der Formel 1 gewogen. PEDAL TO THE METAL.

Ihr Peter Kohl.