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Ein Leben im Grenzbereich

Ein Leben im Grenzbereich
Ein Leben im Grenzbereich

Robert Lewandowski arbeitete sich an seiner Bestmarke ab, und auch Harry Kane versucht es bislang vergeblich: Der Rekord von Dieter Müller ist bis heute unerreicht. Die Legende von sechs Treffern in einem Bundesligaspiel wird dieser Tage wieder aufgewärmt. Müller wird am Ostermontag 70 Jahre alt.

„Bei allem, das mir widerfahren ist, müsste ich eigentlich älter sein“, sagte Müller anlässlich seines runden Geburtstags im DFL-Magazin. Es sind die wunderbaren Ereignisse, die ihm der Fußball schenkte, aber auch Schicksalsschläge wie der Tod seines Sohnes Henry, der 1997 im Alter von 16 Jahren an einem Hirntumor starb, die Müller bis heute prägen.

„Das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann“

„Das war das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann. Er war ein wunderbarer Junge, ein 1A-Schüler, ein großartiger Sportler und aus dem Nichts ist er zusammengebrochen“, sagte Müller im Podcast LEADERTALK im vergangen Jahr über den Verlust seines Sohnes.

„Die Diagnose war ein Glioblastom, Stufe 4 (Anmerkung: Gehirntumor). Er war damals 16 und ich musste ihn dann pflegen und habe ihn ein dreiviertel Jahr begleitet. Das hat mich an die Grenzen meiner Belastbarkeit gebracht. Das war schwierig“, erklärte die Bundesliga-Legende weiter.

Danach habe er „zwei Jahre die Orientierung verloren, habe viel getrunken und mich für eine kurze Zeit auch von meiner jetzigen Frau getrennt, weil ich allein sein musste. Das hat natürlich mein ganzes Leben verändert und geprägt.“

2012 überlebte der gebürtige Offenbacher einen 31-minütigen Herzstillstand ohne bleibende Beeinträchtigungen. Wahrhaftige Dramen und sportliche Höhenflüge: Ein Leben im Grenzbereich.

Kurz, aber erfolgreich beim DFB

Sportlich schaut Müller auf eine glanzvolle Karriere zurück. Zwei Mal war der Jubilar Bundesliga-Torschützenkönig und gewann mit dem 1. FC Köln die deutsche Meisterschaft (1978) und den DFB-Pokal (1977 und 1978).

Auch französischer Meister war er mit Girondins Bordeaux (1984 und 1985). Ob in Köln, beim VfB Stuttgart, in Bordeaux, in Saarbrücken oder im Herbst seiner Karriere bei Kickers Offenbach: Tore erzielte Müller eigentlich immer und in rauhen Mengen.

Das war in der Nationalmannschaft nicht anders, wo seine Karriere kurz und heftig geriet. Müller trug zwar nur zwölf Mal den Adler auf der Brust. Doch bei der Europameisterschaft 1976 avancierte er als Debütant zum besten Torjäger des Turniers und trug maßgeblich dazu bei, dass es Deutschland bis ins Endspiel schaffte.

Zwei Jahre später bei der WM in Argentinien konnte dann aber auch Müller die Schmach von Cordoba nicht verhindern. Die 2:3-Niederlage des damals amtierenden Weltmeisters in der Zwischenrunde gegen Österreich markierte zugleich Müllers letztes Länderspiel.

„Das ist heute unvorstellbar“

Unvergessen bleiben aber vor allem die sechs Müller-Tore beim 7:2-Sieg der Kölner im Bundesligaspiel gegen Werder Bremen am 17. August 1977. Was heutzutage fast noch erstaunlicher anmutet als der Fakt an sich: Müllers legendären Auftritt gibt es nicht im Video, einzig Fotos und Erzählungen zeugen von den Momenten an einem Mittwoch in den Siebzigern, als dem Torjäger Sport-Historisches gelang.

„Das ist heute unvorstellbar“, sagte Müller im vergangenen Jahr der ARD-Sportschau. Er sei „schon ein bisschen stolz“ auf diese Bestmarke. „Es gibt nicht viele Rekorde in der Bundesliga, die so lange Bestand haben.“