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Als Menschlichkeit den 1860-Aufstieg verhinderte

Als Menschlichkeit den 1860-Aufstieg verhinderte
Als Menschlichkeit den 1860-Aufstieg verhinderte

Im Alter von 14 Jahren schaffte es Miroslav Stevic, den alle nur Miki rufen, ins Internat von Partizan Belgrad. Dort formten ihn Partizan-Legenden wie Vladimir Kovacevic, der Ex-Dortmunder Branko Rasovic oder Florijan Matekalo zu einem Mittelfeldspieler internationalen Formats. Anfang der 90er-Jahre holte ihn Klaus Sammer als ersten Ausländer zu Dynamo Dresden.

Später wurde er unter Sohn Matthias Sammer mit Borussia Dortmund Deutscher Meister. Egal, wo Stevic spielte, immer entzückte er die Fans mit seiner gradlinigen, bodenständigen und kämpferischen Art und Weise. Nach seiner aktiven Karriere absolvierte Stevic, WM-Teilnehmer 1998, in Köln seinen Trainerlehrgang, doch bis auf zwei Jahre bei 1860 München als Sportdirektor arbeitete Stevic nie bei einem Verein.

Wieso er eigentlich viel lieber Maler geworden wäre, was er vom griechischen Philosophen Seneca gelernt hat, was bei 1860 schieflief und was er so an Udo Lattek liebte, all das erzählt der aktuelle Spielerberater Autor und Business-Coach Mounir Zitouni in einer sehr philosophischen Ausgabe des LEADERTALK.

Miki Stevic: „Mit Lienen hätten wir bei 1860 den Aufstieg geschafft.“

Von 2009 bis 2011 arbeitete Miki Stevic als Sportdirektor beim damaligen Zweitligist 1860 München. Danach wurde sein Vertrag beim Traditionsklub nicht mehr verlängert.

„Ich habe danach eine Phase gehabt, wo auch Enttäuschung da war“, räumt der Ex-Profi ein. Heute sagt Stevic über die Zeit: „Wir waren Sechster mit 1860. Und wenn man sieht und betrachtet, was danach aus Sechzig geworden ist, trotz des vielen Geldes, wo Sechzig jetzt spielt, wie Sechzig jetzt spielt, dann kann ich sagen, das war doch eine gute Zeit.“

Der Serbe räumt ein, dass es „ein Fehler gewesen war, dass ich Ewald Lienen zu Olympiakos Piräus habe gehen lassen“. Doch Stevic betont: „Das habe ich aus Menschlichkeit getan.“ Er ist sich sicher: „Mit Lienen hätten wir damals den Aufstieg geschafft.“

Beste Zeit seiner Karriere bei Borussia Dortmund

Die beste Zeit hatte Stevic in seinen dreieinhalb Jahren als Spieler bei Borussia Dortmund, wo er 2002 in einer Elf mit Tomas Rosicky, Heiko Herrlich, Fredi Bobic, Jürgen Kohler, Stefan Reuter oder Lars Ricken Deutscher Meister wurde. Trainer damals: Mattias Sammer.

„Matthias war als Trainer giftig, erfolgshungrig, der alles perfekt machen wollte. So wie er das auch als Spieler dirigiert hat.“ Was Stevic vor allem an Sammers Führung schätzte: die gelebte Streitkultur.

Stevic erzählt: „Matthias ist der Erste, der sich eine gute Streitkultur wünscht. Und ich bin sehr überzeugt davon, dass das sehr wichtig ist. Ohne diese Streitkultur wirst du nie was Großes erreichen können. Zu viel Harmonie ermöglicht dir eine gemütliche Zeit, aber du wirst nie eine Medaille am Hals tragen. Solange du Leistungssport betreibst, um was zu erreichen, musst du diese Streitkultur in der Kabine haben. Und dafür brauchst du die Typen, die das auf den Platz übertragen. Aber diese Typen gibt es immer weniger. Das ist das, was mir fehlt. Das globalisierte System versucht diese Typen kleinzumachen. Dieses Problem haben wir nicht nur im Sport, sondern auch in der Politik, überall“, beklagt Stevic, der seit seinem Ausstieg bei 1860 als Spielerberater arbeitet.

Mach das, was du liebst

Wichtig für Erfolg in seinen Augen: „Ich sage meinen jungen Spielern, meinen Kindern: Mach das, was du liebst. Nur wenn du das tust, wirst du das Maximum rausholen können.“ Stevic ist sich sicher: „Die Zuschauer, die Fans spüren es, wenn Leute mit Leidenschaft und Seele auf dem Platz stehen. Die Zuschauer kannst du nicht belügen, sie haben diese Sensoren.“

Für die innere Balance sollte sich jeder Fußballer auch mit Dingen beschäftigen, die abseits des Fußballplatzes stattfinden, ist Stevic überzeugt. „Es braucht Balance.“ Er selbst sagt heute: „Wenn ich nicht Fußballer geworden, wäre ich Maler, Schauspieler oder Schriftsteller geworden. Malen ist meine Liebe“, so Stevic, der mittlerweile auch schon mal Teil einer Filmproduktion in Belgrad gewesen ist.

Mounir Zitouni (53) war von 2005 bis 2018 Redakteur beim kicker und arbeitet seitdem als Businesscoach, betreut Führungskräfte in puncto Leadership, Kommunikation und Persönlichkeitsentwicklung. Der ehemalige Profifußballer (OFC, SV Wehen, FSV Frankfurt, Esperance Tunis) hat zuletzt die Autobiographie von Dieter Müller verfasst und veröffentlicht regelmäßig eine Kolumne auf www.sport1.de.