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Nachwuchs-Zoff in Football-Deutschland

Drei NFL-Spiele auf deutschem Boden und mit der ELF eine professionelle Football-Liga auf europäischem Boden – der Sport mit dem Football-Ei befindet sich in Europa derzeit massiv im Aufschwung.

Doch wenn man zumindest in Deutschland genauer hinschaut, ist zu erkennen, dass in der Entwicklung des American Football nicht alles Gold ist, was glänzt. Die Das neue Präsidium des deutschen Dachverbands AFVD um Fuad Merdanovic wollen eigentlich eine neue Ära einleiten, in der nicht zuletzt Transparenz und vertrauensvoller Umgang mit den Vereinen im Vordergrund stehen.

Diese Idee hat jedoch einen schweren Rückschlag erlitten. „Aktuell haben wir in Football-Deutschland ein massives Wachstumsproblem und die Entscheidung des Verbandes wird das leider nur massiv intensivieren“, ärgert sich Alexander Naretz, Vereinsboss und Head Coach der ersten Mannschaft der Münster Blackhawks, bei SPORT1.

AFVD reformiert die GFL Juniors

Anstoß seiner deutlichen Kritik ist die Mitte November vom Verband verkündete Reform der Jugend-Bundesliga GFL Juniors. Die einstige U19-Spielklasse, in der Spieler vom 16. bis 19. Lebensjahr spielen durften, wurde um den U20-Jahrgang erweitert.

Doch der Verband beschloss noch weitere Anpassungen an der GFLJ. So gibt es nur noch zwei Gruppen statt vier, eine Nord- und eine Süd-Staffel. Dabei landen die Troisdorf Jets in der Süd-Staffel, während die Lokalrivalen aus Köln und Düsseldorf im Norden spielen.

Zudem reduzierte der AFVD die Ligagröße von 19 auf 18 Teams und verweigerte den sportlich qualifizierten Aufsteigern den Sprung in die höchste Spielklasse. Somit mussten die Cologne Falcons den schweren Gang in eine tiefere Klasse antreten, während die Hannover Grizzlies und Blackhawks nicht aufsteigen durften.

„Wir sind fest davon überzeugt, dass diese Entscheidung des AFVD unrechtmäßig ist und werden entschlossen dagegen vorgehen“, kommentierte Fabian Kratz, Head Coach der Falcons, die Entscheidung auf Facebook.

„Werden alleine gelassen!“ Vereine schießen gegen Football-Verband

Auch in Hannover ist der Frust groß. „Hier ist ein Frustrationsfeld geschaffen worden und damit werden wir jetzt alleine gelassen, dürfen zusehen, wie wir das alleine beackern“, moniert der stellvertretende Sport-Vorstand Erik Wickinger auf SPORT1-Nachfrage.

Er fürchtet nun, dass viele seiner Spieler zur naheliegenden Konkurrenz nach Hildesheim oder Braunschweig wechseln. „Allen Teams, vor allem den potentiellen Aufsteigern wäre mehr damit geholfen, wenn die Reform so stringent geändert wird, dass auch Auf- und Abstieg vor der Saison verbindlich festgelegt werden“, meint er.

Mit dieser Kritik ist er nicht alleine. Vielen Vereinsbossen ist die fehlende Einbindung in die Entscheidung ein Dorn im Auge. „Wir waren sehr verärgert und auch verwundert über die nicht vorhandene Kommunikation des AFVD-Verantwortlichen Andreas Kegelmann (Vorstand Sport, Anm. d. Red.) im Vorfeld. Dieser hatte den Kontakt zur Führungsebene der Vereine erst in letzter Instanz gesucht und hatte es im Vorfeld eher bevorzugt, über dieses Thema in der U19-Head-Coach-Whats-App-Gruppe zu diskutieren. Kein Head-Coach in der GFLJ verfügt über die Kompetenz und Entscheidungsmacht eine solche Entscheidung abzusegnen“, teilen die Stuttgart Scorpions schriftlich auf SPORT1-Nachfrage mit.

Scorpions können wegen Reform nicht für die GFL2 melden

Welche Auswirkungen diese Reform hat, musste der Traditionsverein am eigenen Leib erfahren. Es wurde spontan ein Platz in der GFL2 frei, da die ifm Ravensburg Razorbacks in die erste Bundesliga aufrückten. Dort hatten sich die Marburg Mercenaries aufgrund des Vorwurfs von gefälschten Spielerpässen und einer daraus folgenden Durchsuchung seitens der Staatsanwaltschaft für einen Neustart in der Regionalliga entschieden.

Durch die Aufstockung der Jugend-Bundesliga mit dem U20-Jahrgang konnte der sportliche Absteiger dies allerdings nicht wahrnehmen. „Die Umstellung hat uns nahezu alle hochgerückten jungen Spieler gekostet, da diese nun noch eine weitere Saison in unserer U20 verbleiben“, begründet der Traditionsverein. „Wir finden das gemeinsame Trainieren und auch Spielen von fünf Jahrgängen wirklich grenzwertig. Der Entwicklungsstand von 16- und 20-jährigen liegt sowohl physisch als auch psychisch massiv auseinander.“

Klub-Boss fordert mehr Professionalität

Eine große Abwanderungswelle konnte der letztjährige Playoff-Halbfinalist aber dank der Gründung einer U19-Mannschaft, die in der Regionalliga antreten wird, verhindern. Dies gelang jedoch nur, da die Mannschaft auf knapp 100 Spieler angewachsen ist. Andere Teams verfügen allerdings über nicht solch große Kader, um zwei Mannschaften zu melden.

Beispiele wie solche bestätigen den Eindruck von Naretz. „Ich wünsche mir wesentlich mehr Transparenz und besonders Struktur und Professionalität“, meint der erste Vorsitzende der Blackhawks.

Für Verwunderung sorgt bei dem Funktionär zudem die Tatsache, dass die Düsseldorf Panther bereits am 20. Oktober auf ihrem Instagram-Kanal verkündeten, dass die Änderung bereits beschlossen ist. „Das war drei Wochen vor der entscheidenden Sitzung“, kritisiert er.

„Völlig überhastet“: Football-Vereine sauer

Der Verband hat zu den Vorwürfen der Vereine bisher keine Stellung bezogen. Ein Fragenkatalog von SPORT1 blieb seitens des Verbandes ohne Antwort.

Nicht zuletzt deswegen regt sich bei den Vereinen Protest, weil sie vor allem die kurzfristig und fehlende Einbindung in den Prozess stört. „Eigentlich ist die Reform ein guter Ansatz. Die Umsetzung ist meiner Einschätzung nach nur völlig überhastet und wird auf Biegen und Brechen umgesetzt“, meint Wickinger.

Münsters Coach Naretz wird noch deutlicher: „Football-Deutschland fährt aktuell unaufhaltsam gegen die Wand - und das ist ein hausgemachtes Problem, das sehr simpel zu verhindern wäre. Aber es wird nur schlimmer.“