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Was Eberls Ankunft für die Bayern-Führungsriege bedeutet

Das „fehlende Commitment“, das Max Eberl in Leipzig vorgeworfen wurde, dürfte in München kein Problem darstellen. Schließlich hat Eberl nie einen Hehl aus seiner besonderen Beziehung zum FC Bayern gemacht.

Immer wieder wurde daher sein Name gehandelt, wenn es um die Besetzung des seit der Trennung von Hasan Salihamidzic im Mai vakanten Postens des Sportvorstands beim FC Bayern ging. Wie Sky am Montag berichtete, sollen im Rahmen einer Aufsichtsratssitzung Ende Februar Fakten geschaffen und Eberl in die Führungsriege der Münchner berufen werden.

Der 50-Jährige gilt vor allem als Wunschkandidat von Ehrenpräsident Uli Hoeneß. Eberl schwärmte 2020 im Gespräch mit SPORT1 in den höchsten Tönen vom langjährigen Bayern-Macher: „Er ist für mich ein Vorbild. Er ist für mich auch ein Mentor.“

Nun soll Eberl sich beim Rekordmeister daran versuchen, das Erbe von Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge fortzuführen. Und dabei wie einst Hoeneß als Sprachrohr des FC Bayern fungieren. Schließlich wurde die Außendarstellung in der Analyse der gescheiterten Ära der Ex-Bosse Oliver Kahn und Salihamidzic als ein zu verbessernder Schwachpunkt erkannt.

Eberl passt ins Profil der Bayern

Wie SPORT1 bereits Ende September berichtete, sollte der gesuchte Sportvorstand Stärke, Erfahrung und Medienkompetenz als Charaktereigenschaften mitbringen. Alles Dinge, die Eberl auszeichnen.

Sein Profil schärfte er vor allem während seiner 17-jährigen Tätigkeit bei Borussia Mönchengladbach, davon über 13 Jahre als Sportdirektor. Dass er seinen Posten wegen einer Burnout-Erkrankung aufgab und öffentlich unter Tränen darüber sprach, hat ihm viel Respekt eingebracht. Doch als er später bei RB Leipzig anheuerte, obwohl Eberl zuvor immer auf der Seite der Traditionsklubs gestanden hatte, bekam sein Image einige Kratzer ab.

Gepasst hat es bei RB offenbar von beiden Seiten nicht, schließlich wurde Eberl im vergangenen September freigestellt. „Er hat mir gesagt, dass er sich da nicht wohlgefühlt und die Chemie einfach nicht gestimmt hat“, berichtete Hoeneß im Herbst in einem RTL-Interview.

Eberls Schritt zum FC Bayern ist auch eine Rückkehr zu seinen Wurzeln. Der gebürtige Niederbayer hat als Nachwuchsspieler alle Jugendmannschaften des FCB durchlaufen. Zwar reichte es dann nur für einen Profieinsatz im Trikot der Roten in der Bundesliga, doch an „Commitment“ zum Klub dürfte es Eberl wohl kaum mangeln.

Eberl soll Vorgesetzter von Freund werden

Als Sportvorstand bei den Bayern soll Eberl strategisch eher im Hintergrund arbeiten und Sportdirektor Christoph Freund, der erst seit September 2023 im Amt ist, bei der Kaderplanung unterstützen.

Droht da etwa ein Kompetenzgerangel? Die Gerüchte um Eberl begleiten Freund seit seinem Amtsantritt bei den Bayern - und er hat sie stets weggelächelt. „Er hat bei RB Leipzig gearbeitet, ich bei Red Bull Salzburg. Wir kennen uns schon länger aus der Fußballszene, auch davor schon aus Gladbach“, betonte Freund im Herbst. Wie die SZ berichtet, soll Freund von vornherein klar gewesen sein, dass noch ein Sportvorstand geholt werden soll, der eine Hierarchieebene über ihm agieren soll.

Es wird jedenfalls spannend zu sehen sein, welche Rolle Freund in Zukunft genau ausfüllen wird. Schließlich ist der 46-Jährige nach seinem Wechsel von Salzburg nach München gerade selbst noch dabei, sein Profil als Bayern-Sportdirektor zu schärfen. Ein Mann wie Eberl an seiner Seite kann durchaus eine wertvolle Hilfe dabei sein.

Entlastung für Tuchel - was wird aus Neppe?

Eberl würde auch Thomas Tuchel etwas entlasten, schließlich musste der Bayern-Coach - wie schon sein Vorgänger Julian Nagelsmann - in Ermangelung eines präsenten Sportvorstands öffentlich immer wieder Stellung beziehen zu Themen außerhalb seines Kompetenzbereichs. Und mit öffentlichen Transferforderungen verbrannte sich Tuchel auch schonmal den Mund. In Eberl gewinnt er nun einen kompetenten Ansprechpartner hinzu, um die Dinge intern zu klären.

Offen wäre dann noch die Frage, wie es mit Marco Neppe weitergeht. Der Technische Direktor und frühere Salihamidzic-Assistent überstand das Bosse-Beben im vergangenen Jahr - und spielte anschließend bei den Verpflichtungen von Harry Kane und Min-jae Kim eine wichtige Rolle.

Im Dezember schrieb die Sport Bild, dass Neppe sich weiter intensiv um die Themen Scouting und Transferstrategie kümmere. Nicht auszuschließen, dass Eberl auch weiterhin auf Neppes Expertise setzt. Diese Fragen dürften sich nach Eberls offiziellem Commitment für seine neue Aufgabe bei Bayern klären.