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Das schlechteste Team Europas

Das schlechteste Team Europas
Das schlechteste Team Europas

Rund 80 Minuten war sie da, die Hoffnung auf die Erlösung. Doch dann schockte am späten Montagabend ein Doppelschlag von Ex-Bundesliga-Profi Dodi Lukebakio und Luis Ocampos die Fans im Power Horse Stadium.

Immerhin: Marko Milovanovic erzielte in der Nachspielzeit noch den 2:2-Ausgleichstreffer für Unión Deportiva (UD) Almería gegen den FC Sevilla – es war das vierte Remis in den vergangenen fünf Ligaspielen. Doch das dürfte die Heimmannschaft kaum aufgemuntert haben.

Denn inzwischen steht das Team aus der andalusischen Hafenstadt bei sage und schreibe 31 Ligaspielen am Stück ohne Sieg. Das ist nicht nur Rekord in La Liga, Almería zog nun auch mit der legendär schlechten Mannschaft von Tasmania Berlin gleich, die in der Saison 1965/66 ebenfalls 31 Spiele ohne Sieg blieb und damit den Bundesliga-Rekord hält.

Negativ-Rekord: Almería wirft Trainer raus

Das Spiel gegen Sevilla war dann offenbar auch zu viel für die Bosse von Almería, am Mittwochnachmittag gab der Verein die Trennung von Trainer Gaizka Garitano bekannt. Für ihn übernimmt Pepe Mel, der zuletzt auf Kreta aktiv war, aber über große Erfahrung im spanischen Fußball verfügt.

Der 48-jährige Garitano hatte die Rojiblancos erst im vergangenen Herbst von Vicente Moreno übernommen, in 18 Ligaspielen kam das Team unter Garitano auf einen unterirdischen Punkteschnitt von 0,37 Punkten.

Zuletzt gewann Almería vor zehn Monaten ein Ligaspiel, am 35. Spieltag der vergangenen Saison gab es ein 3:0 gegen den RCD Mallorca. In der laufenden Saison sind die Andalusier das schlechteste Team in den Top-Fünf-Ligen, als einziger Klub noch ohne einen Ligasieg in dieser Spielzeit.

Kein Wunder, dass die Verantwortlichen genug gesehen haben. Die Verantwortlichen, das ist vor allem der saudische Funktionär Turki Al-Sheikh, der 2019 96 Prozent der Klubanteile für rund 20 Millionen Euro übernahm und weitere sieben Millionen in die Schuldentilgung steckte. Al-Sheikh gilt als enger Vertrauter des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Saudi-Besitzer investitionsfreudig

Seit seiner Übernahme sind die Ambitionen beim andalusischen Klub deutlich gestiegen. Das zeigt auch ein Blick auf die Transferzahlen, seit 2019 pumpte Almería knapp 150 Millionen Euro in neue Spieler.

Zum Start kam im Sommer 2019 unter anderem der junge Darwin Núnez für knapp 15 Millionen Euro von CA Penarol aus Uruguay. Eine stattliche Summe für einen damaligen Zweitligisten. Ein Jahr später wechselte der heutige Liverpool-Stürmer für 34 Millionen Euro zu Benfica Lissabon.

Die Taktik ging zunächst auf. Stück für Stück näherte sich Almeriá dem spanischen Oberhaus, in der vergangenen Saison 2022/23 war der Klub dann erstmals seit 2015 wieder erstklassig unterwegs. Mit 41 Punkten und Platz 17 entfloh Almería dem Abstieg hauchdünn, ein Punkt und die bessere Tordifferenz trennten die Andalusier vom direkten Wiederabstieg.

Zur aktuellen Saison zahlte der Klub 52 Millionen Euro für neue Spieler. Nur Real und Atlético Madrid gaben mehr Geld für Neuzugänge aus.

La Liga: Almería-Abstieg quasi besiegelt

Viel gebracht hat das offenbar nicht: In dieser Saison scheint eine Vorentscheidung in Sachen Abstieg schon gefallen zu sein. Mit zehn Punkten nach 28 Spielen und 14 Punkten Rückstand auf das rettende Ufer dürften nur die kühnsten Optimisten noch Hoffnung auf das Happy End haben.

Vor allem angesichts der Sieglos-Serie. Dabei war die Mannschaft, in der Sergio Arribas mit sechs Treffern bester Torschütze ist, durchaus das eine oder andere Mal nah dran, den Fluch zu beenden.

Anfang des Jahres lag Almería zur Halbzeit mit 2:0 gegen Real Madrid in Front, doch am Ende sprang dank eines ganz späten Treffers von Dani Carvajal (90+9. Minute) nicht mal ein Zähler heraus, am Ende verlor Alméria mit 2:3 gegen das Starensemble von Carlo Ancelotti.

Anschließend wütete der Verlierer. „Wir haben das Gefühl, dass wir beraubt wurden“, tobte Gonzalo Melero. Der Grund? In der 64. Minute hatte Almería das 3:1 erzielt, der VAR schaltete sich allerdings ein und wertete einen vorausgegangenen Zweikampf zwischen Jude Bellingham und Dion Lopy als Foulspiel des Almería-Akteurs. Der 21-Jährige hatte den Real-Star leicht im Gesicht erwischt.

Doch das ist Vergangenheit: Die Gegenwart und Zukunft heißen Pepe Mel und der wahrscheinliche Gang in Liga zwei. Klar scheint: Mit dem saudischen Besitzer Al-Sheikh dürfte der Wiederaufstieg das klare Ziel sein.