Werbung

„Schwierige Tage“: Hamilton schlägt Alarm

Back in Black: Zurück in der schwarzen Lackierung der deutlich erfolgreicheren Jahre 2020 und 2021, ist die Mission für Mercedes in der neuen Formel-1-Saison klar: Die Silberpfeile wollen nach dem Seuchenjahr 2022 endlich wieder regelmäßig um Siege mitfahren und Weltmeister Max Verstappen herausfordern.

Doch der Testauftakt in Bahrain wird für das Team von Lewis Hamilton diesbezüglich zum Rückschlag: Während Red Bulls schneller RB19 läuft wie ein Uhrwerk und sich auch Ferrari bisher solide präsentiert, haben die Stuttgarter zunächst mit deutlich mehr Schwierigkeiten zu kämpfen.

Die bei Testfahrten grundsätzlich eher unwichtige Zeitentabelle, in der Mercedes nicht mit der Spitze mithalten kann, ist dabei noch das kleinste Problem.

Besonders der mittlere von drei Testtagen geht für Mercedes in die Hose: George Russell bleibt mit einem Hydraulikdefekt auf der Strecke liegen, das Team verliert dadurch über anderthalb Stunden wertvolle Fahrzeit und kann die 100-Runden-Marke am Freitag nicht knacken.

Noch alarmierender sind aber die vielen anderen Baustellen am neuen W14: Vor allem die Vorderachse bereitet Probleme, das Handling stimmt noch nicht. Die Piloten rutschen viel und sind auch mit der Traktion aus den Kurven raus wenig zufrieden.

Mercedes-Verantwortlichen sorgenvoll nach Testfahrten

Grund genug für die Verantwortlichen, im Anschluss an den zweiten Testtag kurzerhand ein außerplanmäßiges Krisenmeeting mit den Fahrern und einigen Ingenieuren anzuberaumen, um den Ursachen für den plötzlichen Performanceverlust auf den Zahn zu fühlen. An der kleinen Nachschicht nimmt neben Teamchef Toto Wolff und den Piloten Hamilton und Russell auch Chefingenieur Andrew Sholvin teil.

„Wegen eines Zuverlässigkeitsproblems auf der Strecke zu stranden, ist natürlich nie gut. Wir hatten aber auch Mühe bei den wechselhaften Bedingungen eine gute Fahrzeugbalance zu finden“, räumt der Brite ein. „Wir haben deshalb einige Untersuchungen eingeleitet, um herauszufinden, warum es so eine Herausforderung war - zumal der Auftakt für uns eigentlich ziemlich unkompliziert lief“, so Shovlin.

Auch Teamchef Wolff rätselt: „Wir sind ein bisschen ratlos und wissen nicht genau, wo wir jetzt stehen. Gerade am Morgen war das Auto nicht richtig ausbalanciert. Es ist hier sehr heiß und dafür haben wir nicht das richtige Setup gefunden, was wohl zum Lernprozess mit einem neuen Auto gehört.“

Trotzdem treibt dieser Umstand Wolff Sorgenfalten auf die Stirn. „Ja, definitiv: Denn es ist nicht der Fahrer, der die Reifen überfährt oder zu hart pusht, es ist das Auto, das ihm am Heck nicht genug Grip liefert. Das müssen wir aussortieren“, fordert der Österreicher.

Gerade mit Blick auf die Hitze in Sakhir stimmt auch Rekordweltmeister Hamilton seinem Boss zu: „Die hohen Temperaturen hier machen es schwierig, weil die Reifen schnell überhitzen.“ Hamilton räumt ein: „Wir hatten ein paar schwierige Tage, vor allem gestern (Freitag, Anm. d. Red.), nachdem der erste Tag nicht so schlecht war. Heute lief es auch schon wieder bisschen runder, ich hoffe also, dass wir mit dem Setup jetzt schon in einer besseren Position sind und es hinbekommen.“

Hamilton zurückhaltend vor Saisonstart

Bei allen Sorgen ist Hamilton aber auch erleichtert: Denn zumindest das verhasste Bouncing, 2022 noch der mit Abstand größte Hemmschuh bei Mercedes, sind die Silberpfeile mit dem neuen Auto offensichtlich endlich losgeworden. „Das Bouncing ist weg und das ist ein sehr großer Schritt für uns, um das Auto endlich wieder normal fahren zu können“, freut sich der Brite.

Auch Teamkollege Russell gibt deshalb insgesamt leichte Entwarnung: „Die Kurveneingangsphase hat sich im Vergleich zu letztem Jahr deutlich verbessert. Wir haben noch Probleme mit der Balance in der Kurvenmitte, das ist aber leichter zu regeln: Quasi ein besseres Problem, wenn man so will“, lacht der Brasilien-Sieger von 2022.

Rekordweltmeister Hamilton macht sich trotz Russells Galgenhumor keine Illusionen: „Es gibt noch viele Dinge, die wir adressieren müssen. Einige Faktoren limitieren unsere Balance noch und sind noch vom letzten Jahr präsent. Da müssen wir uns jetzt einfach durcharbeiten“, sagt der 38-Jährige.

Prognosen über die Rangordnung an der Spitze will er daher noch keine anstellen: „Es ist schwer zu sagen. Prinzipiell muss man rational bleiben: Wir glauben definitiv, dass wir irgendwann ein Auto haben werden, das in der Lage ist, wieder in den Kampf (um Siege und die WM; d. Red.) einzugreifen. Dass das aber schon nächstes Wochenende (beim Saisonstart am 5. März, Anm. d. Red.) soweit sein wird, ist meiner Meinung nach ein bisschen weit hergeholt.“

Allerdings gibt Hamilton zu bedenken: „Mit so wenig Testzeit und nur anderthalb Testtagen (pro Fahrer, Anm. d. Red.) ist es für alle hart. Wir sind aber alle Profis und versuchen im Idealfall gleich beim ersten Rennen voll ins Schwarze zu treffen.“ Zumindest bei den Testfahrten ist Mercedes das aber augenscheinlich nur mit der Lackierung gelungen.