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Unwirkliche Szenen in Berlin: "Weiß nicht, was gerade passiert ist"

Unglaubliche Bilder in der Mercedes-Benz-Arena: Der Färöer-Wahnsinn bei der Handball-EM geht weiter – und wie!

Nach dem sensationellen 26:26 gegen Norwegen glich die Berliner Halle einem Tollhaus. Bei der ersten Teilnahme an einer Europameisterschaft gelang der Inselgruppe in der zweiten Partie der erste Punkt – und das gegen Mitfavorit Norwegen!

„Das ist das Größte, was ich je erlebt habe. Es ist definitiv ein Tag, an den ich mich immer erinnern werde“, sagte Kreisläufer Teis Horn Rasmussen bei SPORT1.

Kiel-Profi wird zum Färöer-Helden

Wenige Sekunden vor dem Ende verwandelte Elias Ellefsen á Skipagotu den entscheidenden Siebenmeter zum Ausgleich. Dabei hatte Norwegen in der 58. Minute noch mit drei Toren in Front gelegen.

Dann wurde aber Harald Reinkind mit einem verfehlten Wurf sowie einem kostspieligen Ballverlust und einer anschließenden Regelwidrigkeit in den Schlusssekunden zur tragischen Figur – und Ellefsen á Skipagotu zum Helden.

Die Spieler stürmten zu ihren 5000 mitgereisten heimischen Fans - es war die Krönung einer stimmungsvollen, spannenden und dramatischen Handball-Party. „Unwirkliche Szenen in Berlin“, war auf der offiziellen EM-Website zu lesen.

„Ich war schon nervös“, gab der Profi des THW Kiel bei SPORT1 zum finalen Höhepunkt an: „Aber das zeigt, dass es um etwas geht. Es ist ein historischer Tag für unser Land. Wir sind sehr glücklich.“

Färöer-Stars ungläubig: „Weiß nicht, was gerade passiert ist“

Während Ellefsen a Skipagotu, der zum Spieler des Spiels gewählt wurde, in der Mixed Zone fast schon abgeklärt wirkte, ließen Cousin Óli Mittún vom schwedischen Erstligisten IK Sävehof und Horn Rasmussen (Aarhus HC aus Dänemark) ihrer Euphorie freien Lauf.

„Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, was gerade passiert ist. Wir haben 26:26 gegen eines der besten Teams der Welt gespielt. Das ist unsere erste Teilnahme bei einer EM. Das ist für mich das Größte überhaupt“, schwärmte Mittún.

„Das ist alles, wovon wir immer geträumt haben. Wir spielen in einer Arena vor etwa 12.000 Zuschauern gegen Spieler, zu denen wir aufgeschaut haben. Und dann spielen wir 26:26 gegen sie. Da ist ein Traum wahr geworden.“

„Unglaublich, einfach nur verrückt“

Und Horn Rasmussen meinte: „Ich kann meine Gefühle gerade gar nicht in Worte fassen. Es ist unglaublich, einfach nur verrückt. Ich bin fast sprachlos. Wir haben heute das beste Spiel in der Geschichte unserer Nationalmannschaft gespielt und uns so einen Punkt verdient. Das ist einfach fantastisch.“

Der Kreisläufer ergänzte: „Es ist wirklich der Wahnsinn. Wir schaffen es immer wieder, Geschichte zu schreiben.“

Ellefsen á Skipagotu als genialer Regisseur

Von Beginn an lieferte der Underdog dem EM-Dritten von 2020 einen harten und leidenschaftlichen Kampf. Hinten half Nicholas Satchwell mit zahlreichen Paraden, im Angriff glänzte vor allem Ellefsen á Skipagotu mit Toren (am Ende 5) und genialen Anspielen. Satte zehn Assists hatte der 21-Jährige am Ende auf dem Konto.

Auch von Drei-Tore-Rückständen (7:10, 9:12) ließ sich die Mannschaft von Trainer Peter Bredsdorff-Larsen nicht verunsichern, lag zur Pause nur mit einem Treffer zurück. Nie konnte sich Norwegen komplett absetzen.

Als in der 39. Minute Norwegen-Trainer Jonas Wille beim Stand von 17:17 zur Auszeit rief, kochte die Halle bereits. Erst recht, als sich die Färöer-Spieler noch Richtung Fans wandten und sie zu weiterer Unterstützung pushten – und diese dem Wunsch nachkamen und noch lauter wurden als ohnehin schon.

Fan-Wahnsinn bei Färöer-Inseln: „Unglaublich“

„Es ist unglaublich. Ohne sie wäre all das nicht möglich. Es ist großartig“, sagte Ellefsen á Skipagotu über die Anhänger, die bereits bei der Niederlage gegen Slowenien am Freitag verblüfft hatten: „Wir sind ihnen zu großem Dank verpflichtet.“

Mittún war fast fassungslos: „Da stehen 5000 Färöer-Fans in der Halle und feiern. Es ist, als hätten wir die Europameisterschaft gewonnen. Das ist wirklich, wirklich groß für uns.“

Norwegen klar vorne: „Es sah schwarz aus“

Als die Schlussphase anlief, schien der Favorit aber doch noch mit einem blauen Auge davonzukommen, zumal die Rote Karte für Petter Overby durch eine unnötige Zeitstrafe von Ellefsen á Skipagotu (53.) gekontert wurde.

„Es sah schwarz aus für ein paar Minuten. Wir haben ein paar dumme Fehler gemacht, ich habe die Zwei-Minuten-Strafe bekommen und wenig später einen dummen Wurf folgen lassen“, sagte der Spielmacher. „Aber wir sind zurückgekommen und das ist fantastisch.“

Denn nach dem 26:23 durch Alexander Blonz verwarfen Tobias Grondahl, der nach dem Spiel bediente und im Interview mehr oder weniger nach Erklärung suchende Top-Star Sander Sagosen (“So ist Handball“) und Reinkind für die Skandinavier, zudem handelten sich Kristian Björnsen und Reinkind Zeitstrafen ein.

Und auf der Gegenseite trafen Jóhan á Plógv Hansen und Ellefsen á Skipagotu – ehe letzterer mit seinem Steal gegen Reinkind und dem Siebenmeter seine heroische Leistung vollendete.

Färöer-Held äußert Bier-Wunsch

„Ich weiß nicht mehr, was ich gedacht habe. Da ging so viel in meinem Kopf vor“, meinte Mittún: „Ich habe einfach gehofft, dass er ihn reinmacht. Und das hat er geschafft. Unglaublich.“

Teilweise richteten die Färöer-Helden ihren Blick kurz nach dem Spiel schon auf das letzte Vorrunden-Spiel gegen Polen, in dem sogar das Weiterkommen in die Hauptrunde möglich ist.

Doch zumindest Horn Rasmussen äußerte einen Wunsch: „Ich hoffe, dass wir zumindest ein Bier trinken dürfen.“