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Der vermeintliche Sieger des Red-Bull-Machtkampfes

Ist es ein Burgfrieden? Oder ist es die Ruhe vor dem Sturm? Allein: Es hatte deutlich verlogene Züge, wie Red-Bull-Teamchef Christian Horner (50) den Friede- Freude-Eierkuchenmann im Fahrerlager von Melbourne spielte. Wie er sich im vertrauten Gespräch mit seinem aufsässigen Star-Piloten Max Verstappen (26) in der Öffentlichkeit präsentierte. Wie er überhaupt alles unternahm, als hätten die vergangenen Wochen niemals stattgefunden.

Es wirkt, als wenn nur einer das Sagen hätte bei Red Bull, solange die thailändischen Mehranteilseigner der Getränke-GmbH ihre eigene Vorstellung von Machtmissbrauch haben und Horner stützen.

Horner kommt bislang ungeschoren davon

Fest steht: Nach dem sportlich eher desaströsen Großen Preis von Australien (Verstappen schied nach nur vier Runden mit defekter Bremse aus, Sergio Pérez wurde Fünfter) fühlt sich Horner als Gewinner im Scharmützel bei den Dosenmilliardären.

Soll heißen: Die österreichische Fraktion von Red Bull, repräsentiert von CEO Oliver Mintzlaff, 49-Prozent-Minderanteilseigner Mark Mateschitz (Erbe des Oktober 2022 verstorbenen legendären Red-Bull-Gründers Dietrich Mateschitz) und Chefberater Helmut Marko haben frustriert akzeptiert, dass sie keine Mittel haben, um den Liebling der Thailänder Alleinherrscher loszuwerden. Und das, obwohl der Teamchef in ihrem Verständnis sehr wohl gegen alle Ethikgebote verstoßen hat, die sich die GmbH auch im Umgang von Chefs mit ihnen untergebenen Mitarbeiterinnen auferlegt hat.

Sie kommen sich vor wie Passagiere in einem Luxuswagen eines Schnellzugs, der von den Lokführern abgehängt wurde und langsam ausrollt.

Horner indes lächelt locker drüber weg, dass er in der Szene längst den Beinamen „Bad Bull“ (böser Bulle) genießt. Es scheint, als habe er den Machtkampf gewonnen. Aber womöglich freut sich der Brite zu früh.

Neue Wendung um suspendierte Mitarbeiterin?

Denn die Mitarbeiterin, mittlerweile von Horner und den thailändischen Machthabern suspendiert, will um ihr Recht kämpfen. Um ihren Job. Und noch viel wichtiger: um ihre Reputation. Denn die hat nach einer wenig transparent geführten internen Red-Bull-Untersuchung extrem gelitten.

Die Mitarbeiterin wird deshalb nun sogar bezichtigt, nicht aufrichtig gewesen zu sein. SPORT1 erfuhr: Sie kämpft weiter, hat neue Anwälte engagiert, zum Teil US-Amerikaner, angeführt von einer Frau. Sie wollen mit allen Mitteln beweisen, dass ihre Klientin Opfer ist und nicht Täterin. Zunächst setzten sie durch, dass es eine neue interne Untersuchung gibt. Außerdem reichten sie Beschwerde bei der Ethikkommission der FIA ein.

Sollte das alles nichts bringen, will man sogar vor ein Gericht in England ziehen. Dann könnte Horner doch noch ein Problem bekommen. Denn sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wird dort sehr ernst genommen und nicht als Kavaliersdelikt beiseite gelegt.