Er revolutionierte seinen Sport - und wurde dann zur Filmikone

Er revolutionierte seinen Sport - und wurde dann zur Filmikone
Er revolutionierte seinen Sport - und wurde dann zur Filmikone

Mit 18 Jahren war der erste Mensch, der die 100 Meter in unter einer Minute schwamm, mit 20 wurde er 1924 in Paris fünffacher Olympiasieger und der Mann, der seine Sportart auf eine Weise definierte, die bis heute nachwirkt. Danach wurde er einer der berühmtesten Hollywood-Schauspieler der Welt.

Der deutschstämmige US-Amerikaner Johnny Weissmüller war lange vor Mark Spitz und Michael Phelps der erste Superstar, den der Schwimmsport hervorbrachte. Als Hauptdarsteller der Tarzan-Filmreihe wurde er danach zur Film- und Fernseh-Ikone.

Johnny Weissmüller entstammte einer deutschen Minderheit

Johann Peter Weißmüller kam am 2. Juni 1904 auf die Welt, er gehörte zur deutschsprachigen Minderheit der Banater Schwaben. Sein Heimatort Freidorf (Szabadfalva) gehörte damals zu Österreich-Ungarn, heute ist er ein Stadtteil der rumänischen Stadt Timisoara, dem kulturellen Zentrum der Bevölkerungsgruppe.

Weissmüller kam als Kind mit seinen Eltern in die USA und wuchs in Chicago auf. Zum Schwimmen kam er, nachdem er sich mit neun Jahren mit der Kinderlähmung Polio infizierte, gegen die es damals noch keine Impfung gegeben hatte. Die Schwimmstunden waren ursprünglich eine Reha-Maßnahme - nach und nach zeigte sich, dass sie seine Berufung waren.

Sein erster Trainer bescheinigte dem damals kränklich wirkenden 15-Jährigen noch mangelndes Talent. William Bachrach sah das wenig später anders und nahm Weissmüller unter seine Fittiche, zahlreiche Meilensteine folgten.

Weissmüller hob das Schwimmen auf ein neues Level

Am 9. Juli 1922 durchbrach der damals 18 Jahre junge Weissmüller die Schallmauer von einer Minute über die 100 m Freistil in damals unfassbaren 58,6 Sekunden. 1924 verbesserte er in Miami die eigene Bestmarke noch einmal auf 57,4 Sekunden - eine Marke, die zehn Jahre lang Bestand hatte.

Nicht nur seine Rekorde hoben Weissmüller von seiner Konkurrenz ab, spektakulär war vor allem sein starkes Finish. Mit seinem charakteristischen Stil holte er sich so auch Olympia-Gold 1924 in Paris. Mit der Staffel (4x200 m) und über die 400 m gewann Weissmüller ebenfalls Gold, obendrein war das Multitalent noch Teil des US-Wasserballteams und sicherte sich mit diesem Bronze. Bei Olympia 1928 in Amsterdam wiederholte Weissmüller seine Erfolge über 100 m und mit der Staffel.

Weil Weissmüller nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch gutaussehend und charismatisch war, folgte eine zweite Karriere als Model und Schauspieler.

Als Tarzan zur Hollywood-Legende

Eine kleine Rolle in einer Musical-Komödie 1929 machte das große Filmstudio MGM auf ihn aufmerksam. Um Weissmüller besetzen zu können, musste es ihn aus einem Exklusivvertrag mit einem Unterwäsche-Hersteller herausverhandeln - der für die Freigabe Weissmüllers unter anderem Auftritte der Leinwanddiva Greta Garbo als Gegenleistung bekam.

Modellathlet Weissmüller bekam die Titelrolle in den Verfilmungen der Romanserie Tarzan und wurde zum bis heute berühmtesten Darsteller der Abenteuerfigur. Auch wer keinen der Filme gesehen hat, kennt den unverwechselbaren Tarzan-Schrei - unverkennbar gemacht durch einen akustischen Trick des Sounddesigners Douglas Shearer, der Weissmüllers Originalruf rückwärts abspielte.

Auch abseits des Beckens und der Leinwand lebte der fünfmal verheiratete Weissmüller ein bewegtes Leben: Parallel zu seiner Sportkarriere hatte er auch als Rettungsschwimmer gearbeitet - und war dabei auch einer der Nothelfer beim katastrophalen Untergang des Ausflugsboots Favorite nahe Chicago, bei dem am 28. Juli 1927 27 Menschen ums Leben kamen. 81 andere Passagiere konnten gerettet werden, Weissmüller soll insgesamt elf von ihnen an Land gebracht haben.

Weissmüllers letzte Lebensjahre waren von einer Herzschwäche und zunehmenden gesundheitlichen Problemen geprägt, am 20. Januar 1984 starb er 79-jährig an einem Lungenödem. Der damalige US-Präsident Ronald Reagan und der bekannte Senator Ted Kennedy arrangierten für die amerikanische Jahrhundertfigur ein Staatsbegräbnis mit den für hohe Würdenträger üblichen 21 Salutschüssen.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)