"Die Stimmung ist ganz am Boden": Hotelier fordert mehr Hilfen für das Ahrtal

"Die Stimmung ist ganz am Boden": Hotelier fordert mehr Hilfen für das Ahrtal

Es war eine Naturkatastrophe, die den Landkreis Ahrweiler vor genau einem Jahr aufs Schwerste erschütterte. Langanhaltende Regenfälle verwandelten die sonst gemächliche Ahr am 14. und 15. Juli 2021 in einen reißenden Strom. Im Ahrtal forderte die Sturzflut insgesamt 135 Todesopfer.

Die Anteilnahme in Deutschland war groß, schnell flossen Spenden. Doch der Wiederaufbau dauert lange und ist noch längst nicht abgeschlossen.

Viele Hoteliers und Gastronomen können immer noch nicht wieder öffnen. Auch Günther Uhl ist davon betroffen. Der Vorsitzende der Dehoga im Kreisverband Ahrweiler, der mit seiner Familie das Hotel Krupp betreibt, erklärt im Interview mit Euronews, dass er große Probleme habe. Deshalb werde sich die Wiedereröffnung seines Betriebs bis Anfang 2023 hinziehen.

"Der Winter war düster und grau"

Am Anfang seien die Hilfen unglaublich gewesen, sagt Uhl. Die vielen freiwilligen Helfer, die Gelder der Landes- und Bundesregierung oder die vielen Spenden, die deutschlandweit gesammelt und verteilt wurden. "das war sensationell in den ersten Monaten, das war alles unbürokratisch und lief wie geschmiert."

Doch danach habe sich das Bild geändert, erklärt der Hotelier. Der Winter sei "düster und grau" gewesen, alle Firmen, die im Ahrtal gearbeitet hätten, seien über Weihnachten nach Hause gefahren, aber dann nicht zurück gekommen.

Sarah Branse
Das Ahrtal ein Jahr nach der Flutkatastrophe - Sarah Branse

Touristen werden dringend gebraucht

Uhl ist enttäuscht: "Seit dem Frühling hat man das Gefühl, als sei nichts passiert, es stockt an allen Ecken und Enden, es geht nicht weiter." Das schlage vielen aufs Gemüt. "Es gibt eine große Hilflosigkeit und Verzweiflung, dass sie nicht wieder aufmachen können, weil kein Handwerker bzw. kein Material zur Verfügung steht." Auch die Infrastruktur drumherum sei teilweise noch zerstört. "Die Stimmung ist gerade ganz am Boden", so der Dehoga-Vorsitzende.

Dabei müsse die Region jetzt schnellstens wieder aufgebaut werden, bevor Hotels und Gaststätten geschlossen blieben. "Jeder einzelne Tourist wird gebraucht", es gebe allerdings nur Tagestouristen an der Ahr, für Übernachtungen stünden noch keine Kapazitäten zur Verfügung.

Uhl kritisiert auch, auf welche Art und Weise der Wiederaufbau funktioniert. Denn wenn etwas nicht 1:1 wieder hergerichtet werde, greife der Wiederaufbaufonds nicht. Änderungen würden nicht finanziert, "aber etwas Altes wieder aufzubauen, macht ja keinen Sinn, das will kein Mensch haben." Man wolle doch dann auch etwas Neues, "um für die Zukunft gerüstet zu sein", ereifert sich der Hotelier.

Sarah Branse
Baumaßnahmen im Juli 2022, nach dem Hochwasser vor einem Jahr - Sarah Branse

"Wir werden im Regen stehengelassen"

Günther Uhl ist auch verärgert über die zuständige Politik. Das sei eine "Riesen-Katastrophe". Denn die Politiker, vor allem in Berlin, aber auch in Mainz, würden denken, dass alles gut sei. "Dabei gibt es einen sehr großen Bedarf, sich ein Jahr nach der Flut selbst einen Eindruck zu machen. Die Politiker sollen sich davon überzeugen, dass da auch nachgebessert werden muss, sie würden dann selber die kaputten Brücken am Ahrufer oder die fehlenden Häuser sehen."

Viele Hilfen seien Ende Juni ausgelaufen. Doch Hilfen würden weiterhin "dringend für die Mitarbeiter gebraucht", sagt Uhl, "sonst werden die Betriebe ihr Personal verlieren".

Zwar ergänzt der Hotelier, dass sehr viel Gutes gemacht und auf den Weg gebracht worden sei, "doch ein Jahr später war noch niemand da und stellt fest, dass noch mehr Zeit benötigt wird und die Hilfen verlängert werden müssen." Das sei nicht der Fall gewesen. "Wir werden im Regen stehengelassen", sagt er enttäuscht.

Uhl erzählt Euronews, er habe in den vergangenen Wochen 42 Landes- und Bundespolitiker angeschrieben, die maßgeblich für den Tourismus an der Ahr seien. Doch es sei ganz schwer, sie dazu zu bewegen, sich persönlich vor Ort ein Bild zu machen. "Das ist zäh, wenn nicht gar unmöglich und eine Riesen-Herausforderung. Wir brauchen mehr Zeit und mehr Hilfe an der Ahr."

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