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Studie: Schwarze und weibliche Patienten werden in Notaufnahme seltener vorrangig behandelt

Studie: Schwarze und weibliche Patienten werden in Notaufnahme seltener vorrangig behandelt

Schwarze Patienten erhalten im Vergleich zu weißen Patienten "seltener eine Notfallbehandlung", und Frauen werden in der Notaufnahme seltener vorrangig behandelt als Männer.

Dies geht aus einer neuen französischen Studie hervor, die eine geschlechtsspezifische und ethnische Voreingenommenheit bei Ärzten und Krankenschwestern in der Notaufnahme feststellte, die sich Patienten mit Brustschmerzen gegenüber sahen.

An der Studie nahmen mehr als 1 500 Personen aus Frankreich, Belgien, der Schweiz und Monaco teil, die gebeten wurden, simulierte Patienten einzuteilen.

Die Teilnehmer, die nichts über das Ziel der Studie wussten, wurden gebeten, einen standardisierten klinischen Fall mit Brustschmerzen zu beurteilen. Ihnen wurde eines von acht Bildern vorgelegt, die von einer künstlichen Intelligenz (KI) generiert wurden und verschiedene Geschlechter und ethnische Merkmale darstellten.

"Den Befragten wurden dann zwei Fragen gestellt. Die erste bestand darin, den Patienten auf einer Skala von eins, extrem dringend, bis fünf, überhaupt nicht dringend, einzustufen. Und die zweite Frage lautete: Wie stark sind Ihrer Meinung nach die Schmerzen dieser Person?" erklärte Dr. Fabien Coisy, ein Mitautor der Studie von der Universität Montpellier, gegenüber Euronews Next.

Sie stellten fest, dass den Patienten je nach Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit unterschiedliche Prioritätsstufen zugewiesen wurde. Die Autoren veröffentlichten ihre Ergebnisse im European Journal of Emergency Medicine.

"Die Studie zeigt, dass je nach Geschlecht oder vermuteter Herkunft der Patienten der Anteil der Patienten, die als lebensbedrohlicher Notfall eingestuft werden, geringer ist, je nachdem, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt oder ob sie schwarzer oder weißer Ethnie sind", so Coisy.

Weiße, männliche Patienten haben eine höhere Priorität

Die Studie ergab, dass männliche Patienten im Vergleich zu weiblichen Patienten eine höhere Priorität erhielten (13 % Unterschied). Schwarze Patienten erhielten seltener eine Notfallbehandlung als weiße Patienten (11 %).

Bei Patienten südostasiatischer und nordafrikanischer Herkunft wurden keine signifikanten Unterschiede im Vergleich zu weißen Patienten festgestellt.

"Wir waren von diesen Ergebnissen überrascht, weil wir in der Medizin alle gleich behandeln", sagte Dr. Agnes Ricard-Hibon, eine Sprecherin der französischen Gesellschaft für Notfallmedizin, gegenüber Euronews Next.

Ricard-Hibon, die nicht an der Studie beteiligt war, wies auch darauf hin, dass sich diese Studie auf die Triage und nicht auf Therapien konzentriere.

Das Ziel der Studie sei es, das Bewusstsein für die potenziellen kognitiven Verzerrungen des medizinischen Personals zu schärfen, so Coisy.

Zu den Einschränkungen zählen die Autor:innen, dass die acht simulierten Patienten nicht gleich aussahen und dass sie nicht nach der ethnischen Zugehörigkeit der Befragten fragten, da dies die Studie beeinflusst haben könnte.

Auch sei die Stichprobe möglicherweise nicht repräsentativ für die Allgemeinbevölkerung, fügten sie hinzu.

Mehr Vielfalt und Ausbildung könnten der Schlüssel sein

Den Forschern zufolge gibt es in den Ländern der Europäischen Union weniger wissenschaftliche Studien über diskriminierende Vorurteile als in den USA und im Vereinigten Königreich.

Auch in Frankreich gibt es Beschränkungen für die Verwendung von Statistiken über die ethnische Zugehörigkeit, weshalb die Forscher für ihre Studie KI-generierte Bilder verwendeten.

Das Thema hat in Frankreich jedoch in den Medien für Aufsehen gesorgt: Es gab mehrere Berichte über Patienten, die starben, weil ihre Symptome oder Schmerzen nicht ernst genommen wurden.

Mehr Vielfalt unter den medizinischen Fachkräften und eine angemessene Ausbildung könnten Schlüsselfaktoren sein, um die in der Studie beobachteten Unterschiede zu verringern, so Coisy.

"Es gibt eine hohe Fluktuation in den Notdiensten", betonte Ricard-Hibon und fügte hinzu, dass man sich auf die Ausbildung und aktuelle, wissenschaftlich validierte Triage-Methoden konzentrieren müsse.