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"Das tat weh!": SPD-Chef Klingbeil räumt Fehler ein - und verteidigt Kanzler Scholz

Markus Lanz (links) diskutierte mit SPD-Chef Lars Klingbeil am Dienstagabend über Fehler der Ampelregierung. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)
Markus Lanz (links) diskutierte mit SPD-Chef Lars Klingbeil am Dienstagabend über Fehler der Ampelregierung. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)

Die Umfragewerte der Ampelregierung fallen in immer dramatischere Tiefen. Bei "Markus Lanz" sprach SPD-Chef Lars Klingbeil offen über die Fehler der Bundesregierung und stellte sich dabei entschieden hinter Bundeskanzler Olaf Scholz, der bei der Handball-EM ausgebuht wurde.

Die Lokführergewerkschaft (GDL) rief während des Tarifstreits mit der Deutschen Bahn zu einem sechstägigen Streik auf. Bei "Markus Lanz" echauffierte sich am Dienstagabend vor allem Journalistin Dorothea Siems darüber. Sie sprach mit Blick auf den längsten Bahnstreik der Geschichte über den immensen wirtschaftlichen sowie gesellschaftlichen Schaden an, der dadurch verursacht werde. Gleichzeitig stellte sie klar, dass der Schaden nicht verhältnismäßig zu der "vergleichsweise kleinen Berufsgruppe" sei. Markus Lanz fragte daraufhin interessiert: "Ist das, was da gerade passiert, ein bisschen auch symptomatisch für das, was im ganzen Land passiert?" Dorothea Siems nickte zustimmend: "In mancher Beziehung schon. Es ist ein Staatsunternehmen."

Laut der Journalistin seien nicht nur Fehler auf Gewerkschaftsseite gemacht worden. Grund genug für Lanz, SPD-Chef Lars Klingbeil zu fragen: "Wer ist in einem bedauernswerteren Zustand - die Bahn oder die SPD?" Klingbeil reagierte zunächst irritiert und sagte: "Ich verstehe die Frage nicht." Kurz darauf gab er jedoch zu: "Ich weiß, dass die SPD gerade in einer Situation ist, die nicht einfach ist." Als politische Partei könne man sich "aus solchen Situationen" jedoch laut Klingbeil "auch wieder herauskämpfen". Gegen Lanz stichelte er derweil wütend: "Ich verstehe die provokante Einstiegsfrage, mag auch unterhaltsam sein. Aber es sind zwei Dinge, die nicht vergleichbar sind!"

"Im Jahr 2023 war zu viel Streit in der Regierung", stellte Lars Klingbeil bei "Markus Lanz" fest.  (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)
"Im Jahr 2023 war zu viel Streit in der Regierung", stellte Lars Klingbeil bei "Markus Lanz" fest. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)

Lars Klingbeil: "Wir haben die höchste Beschäftigungsquote in diesem Land"

Daraufhin wurde Lars Klingbeil konkreter und gab zu, dass es ein Fehler gewesen sei, "dass über das Heizungsgesetz im letzten Jahr wahnsinnig intensiv in der Regierung gestritten wurde. Das hat viel kaputt gemacht. Dass danach den Sommer gestritten wurde über die Kindergrundsicherung. Das hat viel kaputt gemacht." Lanz ergänzte mit kritischem Blick: "Es gibt da so viel Widersprüchliches in Ihrer Partei." Als er in Bezug auf das Haushaltschaos deutlich machte, dass Bundeskanzler Olaf Scholz für die Einhaltung der Schuldenbremse plädierte, reagierte Klingbeil überrascht und stellte klar, dass Scholz jetzt "für die Reformierung der Schuldenbremse" sei. Eine Aussage, die die Gäste sprachlos machte. Journalistin Dorothea Siems merkte an: "Mehr Schulden zu machen, ist gar nicht sehr populär in diesem Land."

Die Journalistin äußerte daraufhin ihre Bedenken, was das Bürgergeld im Land angehe. Laut Siems lohne sich Arbeiten in Deutschland für viele nicht mehr, da es kaum finanzielle Anreize für die Arbeit gebe. "Da muss man sich doch fragen, haben wir vielleicht falsche Ansätze und Anreize hier gesetzt?", so die Journalistin. Sie wetterte weiter, dass Bürgergeld zu bekommen nun mal "angenehmer als einen Acht-Stunden-Tag zu haben" sei.

Dieser Aussage wollte Lars Klingbeil nicht zustimmen und sprach sich für das Bürgergeld aus: "Wir haben die höchste Beschäftigungsquote in diesem Land. Die Menschen arbeiten." Das Argument, durch das Bürgergeld lohne sich die Arbeit nicht mehr, sei demnach "kategorisch falsch". Dennoch merkte Markus Lanz an: "Wir haben 5,5 Millionen Bürgergeld-Empfänger im Land. 2,6 Millionen sind davon arbeitslos. Eine Million schon seit sehr langer Zeit. Und wir pumpen jedes Jahr 24 Milliarden Euro in dieses System. Das ist deutlich mehr Geld als der Bundesbildungsministerin zur Verfügung steht." Klingbeil schoss prompt zurück: "Wir tun ja so, dass da 5,5 Millionen Menschen sind, die liegen auf der faulen Haut und haben keinen Bock, was zu machen!"

Falsche Anreize gesetzt? Journalistin Dorothea Siems übte bei Markus Lanz Kritik am Bürgergeld. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)
Falsche Anreize gesetzt? Journalistin Dorothea Siems übte bei Markus Lanz Kritik am Bürgergeld. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)

Lars Klingbeil: "Wir machen Fehler, diese Fehler kann man kritisieren"

Lars Klingbeil zeigte sich in der Debatte mit Markus Lanz überzeugt, dass Deutschland nun "eine starke Sozialdemokratie braucht" sowie "eine starke Fokussierung auf die arbeitende Mitte". Laut des SPD-Mannes bringe es jetzt angesichts der "ganzen Krisenhaftigkeit" nichts, "jammernd rumzusitzen und sich nur zu beschweren". Dennoch musste Markus Lanz abschließend verkünden: "Sie stellen den unbeliebtesten Kanzler aller Zeiten. Ich sage das nicht gerne."

Der ZDF-Moderator wollte diesbezüglich von Klingbeil wissen, wie er den Auftritt von Olaf Scholz bei der Handball-EM empfunden habe. Der Bundeskanzler wurde als angekündigter Ehrengast von zahlreichen Fans in der Arena ausgebuht. Klingbeil verteidigte Scholz am Dienstagabend mit den klaren Worten: "Ich wünsche das keinem Politiker in diesem Land, der Verantwortung übernimmt, der mit höchster Motivation den Job macht für dieses Land. Wir machen Fehler, diese Fehler kann man kritisieren. Aber das tat mir weh, dass jemand beim Handball ausgepfiffen wird."

Am Dienstagabend diskutierte Markus Lanz (links) mit (von links) dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil, Journalistin Dorothea Siems, Ex-Diplomat Andreas Reinicke und Journalist Michael Bewerunge. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)
Am Dienstagabend diskutierte Markus Lanz (links) mit (von links) dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil, Journalistin Dorothea Siems, Ex-Diplomat Andreas Reinicke und Journalist Michael Bewerunge. (Bild: ZDF/ Cornelia Lehmann)